Lasergerät registriert fast doppelt so viele Verstöße wie Radaranlagen

Neuen „Blitzer“ erst vor drei Wochen „scharf“ geschaltet

Die beiden Messbeamten des Landkreises Ingmar Weitz (l.) und Kai Kretschmer bauen die neue unauffällige Laseranlage ab: Zehn Prozent der Autofahrer sind zu schnell gefahren. Ein genaues Bild ergibt die spätere Auswertung. - Foto: Schritt

Weyhe - Von Sigi Schritt. Das Gerät arbeitet mit moderner Lasertechnik, hat eine Kamera und ist so handlich wie eine Kaffeemaschine. Die ungebetenen Fotos gibt es per Brief vom Landkreis frei Haus – gekoppelt an eine gestaffelte Preisliste. Die Rede ist vom neuen Messgerät zur Geschwindigkeitserfassung, das erst seit drei Wochen „scharf“ geschaltet ist. Am Dienstag war es in der Nähe der Paula-Modersohn-Becker-Grundschule an der Hombachstraße im Einsatz.

Anders als die beiden herkömmlichen Radargeräte, die fest in den Fahrzeugen verbaut sind , kann „TraffiStar S 350“, so lautet die Bezeichnung der Neuanschaffung, auch an unübersichtlichen Stellen messen, die vorher aus technischen Gründen mit den konventionellen Mitteln nicht erreichbar waren. Das berichtet der Kreisrat Markus Pragal auf Anfrage.

Zu den 37 alten Messstellen in der Wesergemeinde sind nun 23 neue dazugekommen. Das Gerät kann sogar – wie am Dienstag in Erichshof – unabhängig von einem Fahrzeug aufgebaut werden – die Ergebnisse werden per WLAN auf ein Tablet übertragen. „Der Aufbau ist aufwendiger“, sagt Volker Töllner, stellvertretender Fachdienstleiter Bürgerservice und Straßenverkehr des Landkreises. Doch mit der Zeit sei es Routine. Angestellte der Herstellerfirma Jenoptik hatten die Landkreismitarbeiter intensiv geschult.

Der Preis lag im Budget von 60.000 Euro. Kreisrat Pragal glaubt, dass die Anlage die Verkehrssicherheit speziell in den Kommunen Weyhe und Stuhr weiter verbessert. Denn für die Anschaffung waren insbesondere die Bürgermeister Andreas Bovenschulte und Niels Thomsen vehement eingetreten. Das neue Gerät läuft je Standort laut Pragal zwei Stunden lang – dann bauen die Messbeamten es an einem anderen Ort wieder auf.

Einen neuen Arbeitsplatz hat die Verwaltung aber nicht geschaffen. Das bewährte Team übernimmt die Überwachung laut Markus Pragal hauptsächlich in der Zeit von 6 bis 18 Uhr. In Ausnahmefällen sind andere Zeiten möglich. „Die Kollegen wollen ja auch einen Feierabend haben“, sagt er. Aus Urlaubs- und Krankheitsgründen sind jedoch nicht immer alle drei Anlagen im Einsatz, hieß es.

Der Kreisrat zieht ein erstes Fazit: Da das Auto weit entfernt von der neuen Anlage stehen kann, fällt sie den Autofahrern kaum auf. Lösen die herkömmlichen Systeme in zwei Stunden zwischen 15 und 60 mal aus, registrieren die Landkreismitarbeiter im Vergleich jetzt fast doppelt so viele Verstöße. Auch in Erichshof folgten die „Treffer“ schneller, hieß es. Das wird sich sicherlich in der nächsten Bilanz niederschlagen. So hat der Landkreis im vergangenen Jahr an 293 Messstellen 11.300 Verstöße verfolgt. Bei dieser mobilen Überwachung, die nicht nur in Weyhe und Stuhr sondern auch in weiteren Kommunen des Kreises erfolgte, hatte die Behörde insgesamt rund 388 000 Euro eingenommen.

Auch Redakteur Sigi Schritt hat schon eine Begegnung mit dem neuen Blitzer gemacht - ein nettes Foto ist dabei rumgekommen.

Die Gemeinden bekommen „nur“ die Verwarngelder, also Geschwindigkeitsübertretungen innerorts bis zu 19 Kilometern pro Stunde, so Pragal. Die Beträge aus dem Bußgeldverfahren bleiben beim Kreis. In dieser Woche müssen besonders rasende Motorradfahrer damit rechnen, zur Kasse gebeten zu werden, denn die Polizei ist bei der Geschwindigkeitsüberwachung „mit im Boot“ und hält die Verkehrsteilnehmer an. „Diese Methode finde ich am besten, weil die Diskussion eine erzieherische Wirkung entfaltet“, sagt Johann-Dieter Oldenburg, Chef des Leester Polizeikommissariats. Seiner Meinung nach erzielt das „bloße“ Schreiben mit der Zahlungsaufforderung diese Wirkung nicht.

Neuer „Blitzer" im Landkreis Diepholz

Ist der Einsatz des neuen Messsystems eine Art Wegelagerei, wie es einige Fahrer bezeichnen, die in die Falle getappt sind? Nein, sagt der Kirchweyher Strafverteidiger René Lancker. Denn nach einer Richtlinie sucht der Kreis hauptsächlich an Unfallschwerpunkten, Schulen und Kindergärten nach Rasern, begründet der Jurist seine Einschätzung.

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