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Neue Pastorin in Kirchweyhe kämpft für Gerechtigkeit

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Von: Sigi Schritt

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Almut Marlene Wenck steht vor der Pfarrscheune
Wohnt wieder in der Pfarrscheune: Almut Marlene Wenck. © Sigi Schritt

Almut Marlene Wenck ist 29 Jahre alt und seit Anfang März neue Pastorin im verbundenen Pfarramt der Kirchengemeinden in Kirchweyhe und Leeste. Sie sei sehr vielseitig interessiert, sagt sie, und sieht sich als Kämpferin für Gerechtigkeit. In ihren Predigten will sie gendern. Falls das mal nicht gelingt, dürfe man sie gerne darauf ansprechen. Im Gespräch mit der Kreiszeitung erzählt sie, wie sie so tickt.

Weyhe – „Fromm und feministisch“ steht auf ihrem grünen T-Shirt, das sie am liebsten beim Kickboxen trägt. Ob sie eine Feministin sei? Nein, antwortet Almut Marlene Wenck. „Das T-Shirt war ein Geschenk. Es ist für den Sport sehr bequem. Ich fühle mich nicht wie eine Feministin, auch nicht in der Welt der Theologie.“ Aber sie sei sicherlich eine der ersten Pastorinnen in der Region, die in ihren Predigten komplett gendern will. „Gendern ist wichtig“, sagt sie, denn sie lege den Fokus auf die Gleichstellung der Geschlechter und möchte eine Kämpferin für Gerechtigkeit sein.

Wer mit der 29-Jährigen spricht, merkt schnell, dass ihre Augen funkeln und dass sie sehr viel lacht. Sie sei ein fröhlicher und sehr kommunikativer Mensch, sagt sie und hofft, in der Lage zu sein, in Weyhe die Gemeinschaft zu fördern. Sie möchte den Menschen durch den Glauben eine zweite Heimat geben, lautet ihr erklärtes Ziel. „Der Glaube ist den Menschen nicht fern“, sagt sie, aber die Kirchenzugehörigkeit, stellt sie fest.

Der Glaube wird privater und braucht nicht immer eine Anbindung an die Kirche. Die Gemeinschaft gibt Halt und fördert den Austausch über Fragen zum eigenen Leben. Das habe ich nicht, wenn ich alleine irgendwo sitze.

Almut Marlene Wenck, Pastorin in Kirchweyhe

Ob sie angesichts von Kirchenaustritten auf einen Job mit Zukunftsaussicht setzt? „Der Glaube wird privater und braucht nicht immer eine Anbindung an die Kirche“, sagt sie. Sie fügt hinzu: „Die Gemeinschaft gibt Halt und fördert den Austausch über Fragen zum eigenen Leben. Das habe ich nicht, wenn ich alleine irgendwo sitze.“ Sie bedauere jedes Kirchenmitglied, das austritt. „Leute haben immer Gründe, meistens geht es um die Lohnabrechnung.“ Schlimmer sei es, wenn Kirche nix mehr mit dem Leben der Gläubigen zu tun hat. Und da sei der Punkt, an dem sie ansetzen möchte, der Kirche wieder eine Bedeutung für Leben zu geben. Und das gelte nicht nur für die Zeit am Ende des Lebens, sondern auch für die meist lange Zeit davor. „Ich starte motiviert. Ich habe mir nicht einen Job ausgesucht“, ergänzt die 29-Jährige, sondern es sei eine Berufung gewesen.

Weyhe sei zwar ihre erste Stelle als Pastorin auf Probe, doch die Wesergemeinde sei ihr nicht fremd. Der langjährige Kirchweyher Pastor Albert Gerling-Jacobi war ihr Mentor, als sie im Studium ein Praktikum in Kirchweyhe absolvierte. „Damals wohnte ich bereits in der Pfarrscheune.“

Ob sie aus einem besonderen christlichen Haushalt kommt? Nein, sagt sie. Sie sei 1993 in Hamburg in einer niedersächisch-christlichen Familie aufgewachsen, die an den Feiertagen in die Kirche ging. „Mit 14 Jahren habe ich mich konfirmieren lassen.“ Das sei schon der kirchliche Bezugspunkt gewesen, „trotzdem war mein Glaube immer selbstverständlich.“ Sie sei keine Teamerin gewesen. „Kirche fand ich in der Jugend sehr unattraktiv.“

„Plötzlich war es ein cooler Beruf“

Ihr Bild von Kirche habe sich aber komplett geändert, als ein neuer Pastor ausgewählt werden musste. Sie habe sich im Rahmen des Auswahlprozesses ihrer Kirchengemeinde mit dem Berufsbild befasst. „Plötzlich war es ein cooler Beruf. Der Job hat was mit Menschen zu tun.“ Es sei für ihre Arbeit zunächst völlig egal, wer oder was jemand ist. Entscheidend seien weder Geschlecht noch Hautfarbe, Nationalität oder Religionszugehörigkeit. „Ich kann ein religiöses Miteinander haben“, sagt sie.

In der Oberstufe in Winsen-Luhe sei die Entscheidung gefallen, nach dem Abi (2011) evangelische Theologie zu studieren. Sie studierte in Rostock und in Göttingen. Das europäische Erasmus-Programm führte sie nach Malta. Dort beschäftigte sie sich zudem mit katholischer Theologie. Im Studium habe sich Almut Marlene Wenck besonders für ethische Fragen der Zeit interessiert: Gibt es Frieden im Krieg? Dürfen wir Sterbehilfe leisten?

„Ich bin sehr vielseitig interessiert.“ Neben Kickboxen spielt sie hobbymäßig Geige, Klavier und Gitarre. „Außerdem singe ich gerne.“ Für Naturwissenschaften interessiert sie sich ebenfalls. Die 29-Jährige kann sich vorstellen, sich dem Brot&Rosen-Team der Leester Kirchengemeinde anzuschließen, um Menschen für die Livesendungen zu interviewen. Einen Lieblingsgast hätte Almut Marlene Wenck schon: Prof. Dr. Harald Lesch von der Uni München (Leschs Kosmos, Terra X, ZDF). Sie würde mit ihm nicht nur über Gott und die Welt reden wollen, sondern ihn auch zum Beispiel fragen wollen, wie es andere Naturwissenschaftler mit dem Glauben halten.

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