Neue Kollegen, neues Projekt

Eine-Welt-Forum der KGS Leeste: Zeichen stehen auf Neuanfang

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Setzen sich für Bildung auf der ganzen Welt ein: (stehend, v.l.) der scheidende Vorsitzende Ulrich König, Samuel und Isabel Modumela aus Mosambik, Christa Rödiger, Antje Mühlenstedt-Meko, Uta Klagge und Sonja Lox.

Leeste - Von Katharina Schmidt. Frauen gehören an den Herd – diese Auffassung ist bei den Mayas, einem indigenen Volk in Lateinamerika, gang und gäbe. Eine weiterführende Schule besuchen und Karriere machen? Für die Mädchen der Familien oft unmöglich. Das Eine-Welt-Forum der KGS Leeste will mit Stipendien helfen. Ab sofort verlagert die Gruppe ihr Augenmerk von Mosambik nach Guatemala. Auch personell steht ein Neuanfang bevor.

Ulrich König will nach mehr als 25 Jahren den Vorsitz beim Eine-Welt-Forum abgeben. Im nächsten Frühjahr wählen die Mitglieder einen neuen Vorstand. Nicht nur König zieht sich zurück. Ihm zufolge steht eine 360-Grad-Wende bevor. Der seit drei Jahren pensionierte Lehrer findet: Es ist an der Zeit, Jüngeren das Feld zu überlassen.

Bildung als Weg aus der Misere

Eine dieser jüngeren Kolleginnen ist Sonja Lox. Die Lehrerin arbeitet seit drei Jahren an der KGS Leeste. Von ihr stammt die Idee, benachteiligten Mädchen in Guatemala zu helfen. Lox hat den Staat, die Heimat ihres Ehemanns, bei Reisen kennengelernt. „Guatemala ist ein Entwicklungsland“, berichtet sie. Die Mayas, nur eine Gruppe der vielfältigen Bevölkerung, lebten fast immer unter der Armutsgrenze. Aus dieser Situation herauszukommen, sei für viele aussichtslos – insbesondere für Frauen.

Lox kennt zum Beispiel die Geschichte eines jungen Mädchens, das als Haushaltshilfe für Menschen aus der Mittelschicht gearbeitet hat. In der Hoffnung, mehr Geld zu verdienen, hat sie sich von einem Restaurant abwerben lassen – und ist letztlich in die Prostitution gerutscht.

Das Eine-Welt-Forum will andere Mädchen vor solchen Schicksalen bewahren. Ihr Plan: Jungen Frauen aus dem Ort einen Zugang zu Bildung ermöglichen, indem sie Geld bereitstellen für Schule, Essen, Bücher und ein Dach über dem Kopf. Darüber hinaus wollen sie zum Beispiel bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung helfen.

Lox hat Kontakte vor Ort – genauer gesagt in dem Dorf Lanquín. Diese Kontaktpersonen sprechen sowohl den Dialekt Q’eqchi’ als auch Spanisch. Für ältere Bewohner ist das nicht selbstverständlich, für jüngere schon.

Die Aktiven des „Eine-Welt-Forums“ sehen in dieser Zweisprachigkeit eine Chance für ihr Projekt. Spanischschüler der KGS Leeste könnten mit den Stipendiatinnen aus Guatemala zum Beispiel per E-Mail kommunizieren.

Suche nach Fördermöglichkeiten

Wie viele Stipendien finanziert werden können und wie das ganze Drumherum aussehen wird, planen die Verantwortlichen noch. Auch nach möglichen Förderungen halten sie Ausschau. Antje Mühlenstedt-Meko, Mitglied im Forum, weiß: „Manchmal gibt es ganz viele Töpfe, man muss sie nur finden.“

Bei dem Bildungsprojekt zugunsten von Kindern in Mosambik hat das mit der Förderung hervorragend funktioniert: Das Forum selbst hatte mehr als 550.000 Euro für Mosambik und Südafrika gesammelt, in erster Linie durch Spendenläufe. Dank der Aufstockung durch Entwicklungshilfen sind am Ende mehr als drei Millionen Euro in Schulbauten geflossen.

„Seit 1989 liefen diese Bemühungen um das Land“, blickt Ulrich König zurück. Eine Zeit, die er auf keinen Fall missen will. „Wir haben unheimlich viele tolle Erlebnisse in Mosambik gehabt“, erinnert er sich. Die Jugendlichen, die mitgemacht haben, sähen das ganz genauso. „Die sind jetzt auch vom Mosambik-Virus befallen – für immer.“

Lox freut sich auf die bevorstehenden Aufgaben. Sie betont: „Es ist unglaublich wichtig, Schülern anhand von konkreten Projekten zu vermitteln, dass sie etwas bewegen können in der Welt.“

Das gelang Schülern 2016 auch mit dem „Run for Help“ für Kinder in einem Flüchtlingscamp im Libanon. Diese Spendenaktion war im Gegensatz zu den Projekten für Mosambik und Guatemala nicht längerfristig angelegt. 45 000 Euro hatten Schüler „erlaufen“. Das Geld ist inzwischen im Libanon angekommen. Im Gegenzug kamen Bestätigungen, Fotos und Dankesworte nach Deutschland zurück.

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