20 Frauen aus Weyhe, Syke und Bassum sind jetzt mobil auf dem Drahtesel

Neue Freiheit genießen auf zwei Rädern

Sie haben ihre Ängste und Vorbehalte rasch überwunden: die Teilnehmerinnen am Radfahrkurs der Gleichstellungsbüros. - Foto: Ehlers

Weyhe - „Auf die Räder, fertig, los!“ – das war die Devise eines Radfahrlernkurses für Frauen, den jetzt die Gleichstellungsbüros von Syke, Bassum und Weyhe gemeinsam angeboten hatten. Mit Unterstützung durch Landesmittel aus dem Aktionsprogramm „Älter, bunter, weiblicher“ waren es in diesem Jahr zehn Frauen aus dem Nordkreis, die sich auf die Zweiräder wagten.

Die Teilnehmerinnen erprobten dabei zunächst Erwachsenenroller und Laufräder und waren dabei hoch motiviert. „Selbst Regenwetter schreckte die Gruppe nicht“, sagt Christine Gaumann, Gleichstellungsbeauftragte aus Bassum. Schließlich ging es um die eigene Mobilität. „Denn anders als oftmals angenommen, ist Rad fahren zu können insbesondere für Frauen nicht generell selbstverständlich“, so Gaumann.

Hevin Bilal kam vor acht Monaten mit ihrem Mann und drei Kindern aus Syrien nach Weyhe. In ihrem Land ist es nur für Jungen und Männer üblich, Fahrrad zu fahren. Frauen und Mädchen lernen es in der Regel nicht. Ihre beiden Töchter sind darin inzwischen fit, so dass Hevin die einzige in der Familie gewesen war, die noch nicht fahren konnte. In Weyhe hat sie gesehen, dass so viele Menschen auf dem Drahtesel mobil sind, so dass es auch ihr Wunsch wurde. Besonders zum Einkaufen möchte sie jetzt radeln.

Kurzerhand zweiten Kurs organisiert

Das Interesse insbesondere der Frauen aus der Wesergemeinde, wo der Kurs über die Bühne ging, war dank der Werbung der ehrenamtlichen Flüchtlingspaten so groß, dass Weyhes Gleichstellungsbeauftragte Christina Scheele aufstocken musste. Sie konnte dank der Zuschüsse auf die Schnelle einen weiteren Kurs mit zusätzlichen zehn Plätzen am späteren Nachmittag organisieren.

In Vanessa Kraschinski vom ADFC Bremen stand allen Teilnehmerinnen eine erfahrene Kursleiterin zur Seite, die sie Schritt für Schritt begleitete. Nach zwei Wochen konnten sich alle sicher auf dem Rad bewegen, obwohl die meisten zuvor noch nie auf dem Sattel gesessen hatten. „Für Erwachsene ist es viel schwieriger, unbeschwert an die Sache heranzugehen. Die Bedenken, es nicht zu schaffen, sind oft groß“, so die Einschätzung der Organisatorinnen.

Marina Bibulatova versucht schon seit drei Jahren, mit dem Rad klarzukommen. Dieser Kurs hat bei ihr den Durchbruch gebracht. „Vanessa Kraschinski ist eine tolle Trainerin, die positiv motiviert. Bei ihr hatte ich keine Angst“, sagt sie erfreut. Anders als bei ihrem Mann: „Er sagte zum Beispiel immer: ,Nicht so schnell’ oder ,Mach das so’.“ Die Ermutigung durch die Leiterin hat dazu geführt, dass Marina Bibulatova schon am vierten Tag Fahrrad fahren konnte.

Sie ist vor fünf Jahren aus ihrer Heimat Tschetschenien nach Europa gekommen und seitdem immer zu Fuß gegangen. Mittlerweile hat ihr eine deutsche Familie ein Fahrrad geschenkt, worüber sie sich sehr gefreut hat und das sie nun viel nutzen will. Sie möchte ab jetzt ihre Sprösslinge mit dem Rad in den Kindergarten beziehungsweise zur Schule bringen.

Auch Hanan Kiesewetter wollte es unbedingt lernen. Die gebürtige Ägypterin besitzt zwar auch ein Auto, aber sie möchte nach der Trennung von ihrem Mann Kosten sparen für dringendere Dinge im Leben. Da kam dieser Kurs gerade richtig. Er hat auch ihr Selbstbewusstsein gestärkt und sie sicherer gemacht. „Es ist ein tolles Gefühl, zu merken: Du hast das geschafft“, sagt sie.

Für alle drei Frauen waren darüber hinaus ihre Kinder eine große Motivation. Hanan meint: „Wir wollten besonders ihnen beweisen, dass wir das schaffen.“

Die Organisatorinnen gehen davon aus, dass auch in Bassum und Syke noch ein großes Interesse besteht, sagt Sykes Gleichstellungsbeauftragte Kathrin Stern. - ps/pk

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