150 Jahre Eisenbahn in Weyhe: Dampflok-Verein bereitet sich auf das Jubiläum vor

Neue Exponate für die Museumswaggons

Erstrahlt in neuem Glanz: Die Dampflok mit der Bezeichnung „50 35 62-1“ hat einen neuen Außenanstrich bekommen.
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Erstrahlt in neuem Glanz: Die Dampflok mit der Bezeichnung „50 35 62-1“ hat einen neuen Außenanstrich bekommen.

Weyhe – Es ist fast 150 Jahre her, seit die ersten Züge auf der Strecke von Osnabrück nach Bremen und somit auch durch die Gemeinde Weyhe rollten. Von 1907 bis 1915 entwickelte sich der damalige Staatsbahnhof Kirchweyhe zu einem der größten Güterverschiebebahnhöfe in Norddeutschland. Auf seinem 6,5 Kilometer langen Abschnitt wurden Waggons mit Gütern aus dem Ruhrgebiet zu neuen Zügen zusammengestellt, die dann die Häfen in Bremen, Bremerhaven und Hamburg zum Ziel hatten.

Die Geschichte von den Anfängen der Bahn 1873 bis in die Gegenwart erzählt der Weyher Dampflok-Verein. Er erinnert an die Leistungen der Pioniere, die damals die Strecke Paris-Köln-Hamburg gebaut hatten und letztendlich die Grundlagen für den modernen Güterwarentransport aber auch die Basis für den Personennah- und Fernverkehr schufen.

Rechtzeitig zum Eisenbahn-Jubliäum in der Wesergemeinde 2023 putzen die rund 60 Mitglieder des Kirchweyher Dampflok-Vereins um Karl-Heinz Stickan und Steffen Dollinger das Freiluftmuseum, das sich auf dem Gelände der Alten Bahnmeisterei befindet, heraus. Sie möchten allen Interessierten die Welt der Eisenbahn näher bringen. Insbesondere die Zeit der Dampfloks.

„Kirchweyhe ist ein altes Eisenbahner-Dorf“, begründet Stickan das Engagement der Mitglieder. Allerdings sei die glorreiche Ära längst Vergangenheit.

Wer in die Dampf-Zeit eintauchen möchte, bekomme dazu auf der Internet-Seite des Vereins reichlich Gelegenheit und könne dort viele Details erfahren. So berichten die Eisenbahn-Fans, dass für den Kirchweyher Verschiebebahnhof zwei Ablaufberge entstanden seien, und insgesamt zwölf Stellwerke für die Zugsteuerung gesorgt hätten.

Vor 100 Jahren bot die Eisenbahn in Kirchweyhe über 1450 Menschen Arbeit und Brot. 1919 hatten 88 schwere Güterzugloks in Weyhe ihre Heimat. Um die Loks zu betreiben gab es zahlreiche Anlagen: Bekohlungskran, Entschlackungsgräben, Wassertürme, Besandungsanlage, später Diesel- und Öltanks – um einige Beispiele zu nennen.

Zum Jubiläum präsentieren die Weyher Eisenbahn-Enthusiasten neue Exponate. Sie haben die besuchsfreie Zeit genutzt, um die Museumswagen neu zu gestalten. Der Umbau sei aber noch nicht abgeschlossen, so Karl-Heinz Stickan. Doch die Truppe habe bereits eine Menge geschafft, auch beim eigentlichen Prunkstück des Museums, der Dampflok mit der Bezeichnung „50 35 62-1“.

„Wir haben die Dampflokomotive komplett entrostet und dann neu gestrichen“, berichtet Stickan. Der erste Vorsitzende ist stolz, den Gästen im Führerstand etwas Bewegliches präsentieren zu können. „Wir haben ein Handrad gangbar gemacht.“ Dieses sei früher dazu verwendet worden, die Vorwärts- oder die Rückwärtsfahrt einzuleiten, erklärt Stickan. „Weiterhin haben wir ein Läutewerk in Betrieb gesetzt.“ Die 1941 in der Firma Schichau in Elbing (damals: Westpreußen) gebaute Lok produzierte den nötigen Dampf, der dem Läutewerk Klänge entlockte. „Nun machen wir das mit Luft.“

Die Museumswaggons, zwei ehemalige Reisezugwaggons, haben einen neuen Fußboden bekommen – einen braunen Vinylbelag, den Dieter Menzel gestiftet hat.

In einer Vitrine zeigt der Verein eine historische Rangierleuchte. Das genaue Baujahr ist unbekannt. Das Exponat ist durch eine Schenkung in den Besitz des Vereins gekommen. Auf einem Schild steht „Preußische Eisenbahn Kirchweyhe“. Karl-Heinz Stickan und Steffen Dollinger schätzen das Alter des neuen Ausstellungsstücks auf mehr als 120 Jahre.

Ein paar Schritte weiter ist der Arbeitsplatz einer Fernschreibstelle zu sehen, die es so im Bahnhof Kirchweyhe gegeben hatte. Die dort Beschäftigten waren für Nachrichten zuständig, damit der Fahrdienstleiter den Zugverkehr sicher abwickeln konnte. In diesem Waggon befindet sich auch die Kopie eines 6,5 Meter langen Plans, der die Länge des Personen- und Güterbahnhofs Kirchweyhe im Maßstab 1:1000 abbildet.

Auch der zweite Museumswaggon wurde aufwendig saniert: Die Eisenbahnfreunde rissen Wände ein und bauten einen Teil des ehemaligen Fahrkartenschalters aus Kirchweyhe ein. Ältere werden das originale Schalterfenster vielleicht wiedererkennen, so Stickan. Fahrkarten sind auch ausgestellt. Der Verein würde gerne einen Fahrkarten-Drucker zeigen. „Es wäre schön, wenn jemand einen für uns hätte“, so der Vorsitzende.

Ebenfalls neu: Eine Abteilung im Museumswagen zeigt die Geschichte der Reichsbahn. Auch Exponate aus der Zeit des Nazi-Regimes sowie Ausstellungsstücke aus der ehemaligen DDR sind dort zu finden. Stickan: „Die Kollegen aus den neuen Bundesländern haben uns Uniformen und verschiedene Abzeichen überlassen.“

Während die Eisenbahner in Westdeutschland ihre Ränge kaum gezeigt hätten, sei das in der DDR anders gewesen. „Die Reichsbahn hatte Schulterklappen.“ Auch das gehöre zur Eisenbahngeschichte.

Von Sigi Schritt

Hat einen Ehrenplatz in der beleuchteten Vitrine bekommen: Eine Lampe aus der Zeit vor 1900. Sie gehörte einst der preußischen Staatsbahn.
Erzählt die Geschichte der Reichsbahn: Der zweite Museumswaggon des Vereins.

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