Sommerinterview mit Bürgermeister Bovenschulte / Teil II

„Nahversorger in Sudweyhe wünschenswert“

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Die Gemeinde plant ein Mehrfamilienhaus in Kirchweyhe in Eigenregie, sagt Bürgermeister Andreas Bovenschulte. 

Weyhe - Im zweiten Teil unseres großen Sommerinterviews mit Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte geht es unter anderem um die Parkplatzsituation rund um den Kirchweyher Marktplatz und die Nahversorgung in Sudweyhe. Die Fragen stellte unser Redakteur Sigi Schritt. Dabei griff er auch auf Themen zurück, die unsere Leser auf dem Herzen haben.

Der Weyher Bürgermeister ist Vorsitzender des Kommunalverbunds Niedersachsen/Bremen, ist externer Experte im Zukunftsrat der Freien Hansestadt Bremen und arbeitet im Präsidium des Niedersächsischen Städtetags mit. Wie wird der Mehrwert für die Gemeinde sichtbar?

Andreas Bovenschulte: Auch die Gemeinde Weyhe ist ja nicht autark, sondern in größere politische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenhänge eingebunden: die Region Bremen, das Land Niedersachsen, die Bundesrepublik Deutschland und die Europäische Union. Schon deshalb ist es erforderlich, dass das politische Interesse eines Bürgermeisters nicht an der Gemeindegrenze endet. Die Mitwirkung in überörtlichen Gremien gibt mir die Möglichkeit von anderen zu lernen und umgekehrt andere an unseren Erfahrungen teilhaben zu lassen. Und davon kann Weyhe nur profitieren.

Geht die Gemeinde selbst auf eigenem Grund mit gutem Beispiel voran, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?

Bovenschulte: Ja, das tun wir, zum Beispiel an der Kirchweyher Straße, neben dem Trafo-Gebäude. Hier werden wir in Eigenregie mit finanzieller Unterstützung des Landkreises und hoffentlich auch der N-Bank ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen bauen. Allerdings muss jedem klar sein, dass die Gemeinde durch eigene Bautätigkeit die vorhandene Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum nicht einmal im Ansatz wird befriedigen können. Liefern muss hier im Wesentlichen der Wohnungsmarkt. Und der muss durch eine Mischung von rechtlichen Vorgaben und finanziellen Anreizen so reguliert werden, dass er Wohnraum zur Verfügung stellt, den sich auch Gering- und Normalverdiener leisten können. Das ist in erster Linie Aufgabe des Bundes und des Landes. Es ist gut, dass die Landesregierung die Förderbedingungen für den sozialen Wohnungsbau jüngst deutlich verbessert hat. Aber auch wir als Gemeinde wollen unseren Teil zur Problemlösung beitragen, indem wir Bauträger bei jedem neuen Vorhaben darauf verpflichten, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Rückwirkend kriegen wir das leider nicht hin.

Für Leser Michael Nahrmann gerät die Verkehrssituation rund um den Marktplatz, die angrenzende Lahauser Straße und Bahnhofstraße aus den Fugen. Es gibt kaum Parkplätze für die vielen Fahrzeuge. Kann man den Bereich um den Marktplatz zur autofreien Zone machen, ähnlich wie in Syke mit einem zeitlich begrenzt ausfahrbaren Poller?

Bovenschulte: Herr Nahrmann hat recht, die Verkehrssituation rund um den Marktplatz ist deutlich verbesserungsbedürftig. Allerdings gibt es aus meiner Sicht keine Patentlösungen. Wir müssen und wollen allen Interessen gerecht werden, auch denen der Geschäftsleute vor Ort. Im Rahmen des neuen Verkehrsentwicklungsplans werden wir konkrete Verbesserungsvorschläge vorlegen. Anfang Juli haben wir den Planungsauftrag erteilt, im Herbst sollen erste Ergebnisse in den Gremien erörtert werden. Neben der Stellplatzsituation wird auch zu klären sein, ob die Verkehrsführung zum Beispiel durch Einbahnstraßen oder autofreie Teilbereiche verbessert werden kann.

Eine Seniorin wohnt in Sudweyhe und muss stets jemanden bitten, sie zum Einkaufen zu begleiten. Einkaufsmärkte in der Umgebung würden keinen Lieferservice anbieten. Kann sich die Gemeinde vorstellen, in Sudweyhe einen Supermarkt anzusiedeln?

Bovenschulte: Ein Nahversorger in Sudweyhe wäre sehr wünschenswert, und ich versuche alle bei der Gemeinde anfragenden Supermarkt-Betreiber für den Standort Sudweyhe, und übrigens auch für den Standort Dreye, zu interessieren. Hier gibt es aber zwei Hindernisse. Erstens sind durch den Strukturwandel im Einzelhandel die Betriebsgrößen der Märkte in den letzten Jahren immer weiter gestiegen. In der Folge werden auch die Einzugsbereiche größer. Deshalb erklären mir die meisten Betreiber, dass es für sie nicht wirtschaftlich sei, sich in Sudweyhe oder Dreye anzusiedeln. Zweitens steigen mit den Betriebsgrößen auch die Flächenbedarfe der Supermärkte. Der ehemalige Markt Im Mühlengrunde zum Beispiel war einfach zu klein, um dauerhaft überleben zu können. Derzeit gibt es keine geeignete Fläche in zentraler Lage von Sudweyhe. Und einen Markt auf die „grüne Wiese“ zu setzen, kann auch keine Lösung sein. Das würde Sudweyhe zersiedeln und die kleinen Geschäfte mitten im Ort zusätzlich unter Druck setzen. Mein zuständiger Fachbereich sucht hier nach gangbaren Wegen, aber die sind angesichts der Anforderungen des heutigen Einzelhandels in Sudweyhe und auch in Dreye nicht einfach zu finden.

Wünsche gibt es immer. Was würde der Bürgermeister gerne in Weyhe sehen?

Bovenschulte: (lacht) Werders Leistungszentrum nach Weyhe? Warum nicht, dann hätte es Alexander Nouri noch kürzer zur Arbeit. Leider liegt die Realisierungswahrscheinlichkeit dieses Vorhabens bestenfalls im niedrigen Promille-Bereich.

Lesen Sie auch den ersten Teil des Sommerinterviews mit  Bürgermeister Andreas Bovenschulte: „In fünf Jahren ist GS Agri aus Leeste verschwunden“

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