Besucher will Geld zurück, weil Kirchengemeinde nicht über Migranten informierte

Nach dem Mozartgenuss kommt das Unbehagen

Chor, Solisten und Orchester gaben ein Konzert auf „Hauptstadt-Niveau“, wie ein Besucher findet. - Foto: Goldschmidt

Kirchweyhe - Von Philipp Köster. Einen Mozartabend auf „Hauptstadt-Niveau“ hat ein Syker am Sonntag in der Felicianuskirche beim Konzert aus Anlass des 225. Todestages des berühmten Komponisten erlebt. Ein solches Programm habe er als Mozartliebhaber und Konzertgänger in dieser geballten Vielfalt noch nie erleben dürfen, schreibt der Gast in einem Brief an die Felicianusgemeinde als Veranstalterin. Gleichwohl sei der Kunstgenuss geschmälert gewesen.

Der Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet davon, dass sich fünf Besucher „mit dunkler Hautfarbe“ nach Konzertbeginn auf den Plätzen der 20-Euro-Kategorie neben ihm hinsetzten und sich dann während der gesamten Zeit in ihre Smartphones vertieften. Dann habe bei der ersten Sopran-Arie ein schriller, langanhaltender Schrei in gleicher Tonhöhe „offenbar von einem Kleinkind“ eingesetzt, „vergleichbar dem Oskar Matzeraths in der ,Blechtrommel’-Verfilmung“, wie der Syker im Gespräch mit dieser Zeitung verdeutlicht.

Beides habe er „leicht irritiert zur Kenntnis genommen“, heißt es in dem Brief weiter. Erst nach Ende des Konzerts sei ihm jedoch klar geworden, warum es ausverkauft gewesen war „und wir auf die nächst höhere Preisklasse ausweichen mussten“. Was ihn, seine Frau und andere Besucher erbost habe, sei, dass die Gemeinde im Vorfeld nicht auf „die Teilnehmer mit Migrantenhintergrund“ hingewiesen habe. Wer das Kartenkontingent für die Flüchtlinge gekauft habe und aus welchen Motiven sei egal. „Oder gehen Sie (d. Verantwortlichen der Kirchengemeinde, d. Red.) einfach davon aus, dass die meisten Konzertbesucher diese Art von Integration im Sinne der Willkommenskultur unterstützen würden?“, fragt der Mann und fordert die Rückerstattung der Differenz des Unterschiedes zwischen den Preiskategorien in Höhe von zweimal acht Euro für sich und seine Frau.

Auf Nachfrage betont der Konzertbesucher: „Migranten stören mich nicht.“ Er wolle nicht in die Schublade des Flüchtlingsgegners gesteckt werden. Er hätte sich lediglich gewünscht, vorher informiert zu werden, dass die hintere Kategorie den Neuankömmlingen vorbehalten sei. Dann hätte er die Option gehabt, eine teurere Karte zu erwerben („Das hätte ich wegen Mozart wohl auch gemacht“), oder ganz auf den Besuch zu verzichten.

Eine solche Information im Vorfeld sei mit der zu vergleichen, die der Weyher Bürgermeister auf den Internetseiten der Kommune gebe, wenn es darum gehe, die Bürger darauf hinzuweisen, dass Flüchtlinge aufzunehmen seien. „Das finde ich gut.“ Die Kirche hätte diesbezüglich mehr Fingerspitzengefühl zeigen müssen.

Und auch wenn die Beschäftigung mit den Handys nicht gestört habe, „ist dieses Gedaddel nicht typisch für unsere Gesellschaft“.

Doch. Findet Pastor Karsten Damm-Wagenitz. Er hat mit seiner Kollegin gestern in der Dienstbesprechung über den Brief des Konzertbesuchers diskutiert. Die Handynutzung sei nicht mit der Hautfarbe in Beziehung zu setzen. Es handele sich vielmehr um ein allgemeines Phänomen, das geändert werden müsse. „Ich sage das den Leuten, wenn es mich stört und ich es für unpassend halte, sich mit dem Smartphone zu beschäftigen.“

Auf das schreiende Kleinkind habe die Küsterin den Vater hingewiesen, hat Damm-Wagenitz, der selbst nicht im Konzert war, herausgefunden. Der Papa habe die Kirche dann mit dem Kind verlassen.

Kein Verständnis hat der Pastor für die Forderung, es hätte vorher auf die Gäste mit Migrationshintergrund hingewiesen werden müssen. „Wo sind wir denn? Wir begrüßen vielmehr jeden, der kommt. Und freuen uns über jeden – ohne Ansicht der Hautfarbe, Religion, Anschauung und Herkunft.“

Die Felicianusgemeinde habe als Veranstalterin wie andere Organisationen auch ein Kontingent an Freikarten, das sie nach eigenem Gutdünken verteilt. Offenbar seien im gut besuchten Begegnungscafé im Gemeindehaus am Kleiberweg spezielle Einladungen verteilt worden.

Überdies habe es noch Karten in allen Kategorien gegeben, der Besucher hätte frei wählen können, die hinteren Reihen seien nicht ausverkauft gewesen, unterstreicht Damm-Wagenitz. Die Forderung nach Rückerstattung eines Teils des Kartenpreises, „weil da Ausländer waren, finde ich empörend“. Er habe sich bei der Lektüre des Briefs an der Bundespräsident Lübke zugeschriebenen Begrüßung während eines Besuches in Afrika „Meine Damen und Herren, liebe Neger“ erinnert gefühlt. Die Kirchengemeinde werde dem Ehepaar nichts erstatten.

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