Nach mehr als 40 Jahren Engagements für den Naturschutz will Böcker bald etwas kürzertreten

„Manni“ – engagiert in der Ödnis

Hobby-Imker und Weyher des Jahres, Manfred Böcker, in seinem „umgewandelten Rübenacker“. - Foto: Jantje Ehlers

Lahausen - Von Philipp Köster. Manfred Böcker zieht eine Mittelwabe aus dem Bienenstock im Garten seines Hauses in Lahausen. Sogleich schwirren die Bienen herbei. „Bei dem Wetter tun sie nichts“, beruhigt der 72-Jährige. Am Tag zuvor hat der Hobby-Imker Honig geschleudert. Und nebenan im Teich entwickeln sich bei den ersten Kaulquappen die Hinterbeine.

Manfred Böckers Garten „An der Brake“ ist ein kleines Paradies. Er hat es mit seiner Frau Inge in den vergangenen 42 Jahren so geschaffen, wie er es haben wollte. „Damals, als wir das Grundstück gekauft haben, war hier ein Rübenacker.“ Stück für Stück hat das Ehepaar es so naturnah wie möglich umgestaltet, denn die Natur, die Schöpfung, wie der Christ sagt, liegt dem frisch gebackenen Weyher des Jahres sehr am Herzen. Vor kurzem erst ist er für seine 40-jährige Mitgliedschaft beim Naturschutzbund (Nabu) geehrt worden.

In Hameln geboren, wollte er eigentlich zur Marine, landete aber beim Marinefliegergeschwader I in Schleswig, ließ sich im letzten Jahr seiner achtjährigen Verpflichtung in der zivilen Flugsicherung ausbilden und gelangte über Hannover 1974 mit seiner Frau nach Bremen. „Das Weserbergland ist schön, als ich nach Schleswig kam, dachte ich, wie öde ist das denn hier. Aber später in Weyhe hatte ich erst einen Begriff dafür, was öde heißt“, erinnert sich Böcker und lacht laut.

Denn Gewässerbegradigung und Flurbereinigung stießen ihm schnell sauer auf, so dass er sich in der Umwelthilfe Weyhe und später im Nabu auf Gemeindeebene sowie im Bereich der ehemaligen Grafschaft Hoya engagierte. Auch politisch wollte er dem Umweltschutz Gehör verschaffen. Gemeinsam mit Horst Preßler-Höft wurde er 1981 für die Grüne Wählergemeinschaft in den Rat gewählt. Unmittelbarer Anlass war die Fällung einer Pappelreihe an der Sudweyher Straße. „Die Bäume drückten den Asphalt hoch. Aus heutiger Sicht kann ich die Rodung nachvollziehen, aber damals fanden wir das schlecht.“ Die Bäume hatten in der Gemeinde keine Lobby. Sie störten am Straßenrand, denn im Seitenraum verliefen die Versorgungsleitungen. Also weg damit. An Gemeindedirektor Alfred Wetjen, passionierter Jäger, und dem lokalpolitischen Establishment, oft Landwirte alten Stils, bissen sich die Umweltaktivisten die Zähne aus. „Doch wir hatten auch viele Sympathisanten, und wir fanden bei den beiden Zeitungen für unsere Themen offenen Ohren.“ 1986 waren saßen schon vier Grüne im Rat. Neben dem Einsatz für die heimische Natur organisierte seine Partei auch die Ostermärsche.

Anfang der 1990er-Jahre „wollte uns Alfred Wetjen, der selbst ernannte König von Weyhe, eine Freude machen: Er überließ uns eine Hütte im Bruch ohne Wasseranschluss und mit Plumpsklo“. Das war das erste Domizil des Nabu in der Wesergemeinde.

Später kamen Nabu-Chef Böcker und seine Leute besser mit der Verwaltung klar, vor allem mit den Umweltbeauftragten, zunächst Andreas Block-Daniel und dann Ulf Panten.

Doch das gute Verhältnis zu Panten drohte neulich erst Schaden zu nehmen. Im Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt hatte Manfred Böcker das Aufforstungsprojekt in Melchiorshausen kritisiert, das kommende Woche den Rat passieren soll. Grundsätzlich ist er natürlich mit mehr Wald einverstanden, doch er moniert, dass das Areal lediglich als Ausgleichsfläche für die Ausweisung weiterer Gewerbegebiete dient. „Unsere Leester Marsch wird immer mehr eingeschnürt“, verweist der 72-Jährige auf die Vergrößerung von Dreye-West III. Mit der deutlich vorgebrachten Kritik hatte Böcker im Ausschuss den Urheber der Beschlussvorlage „tief verletzt“: Ulf Panten.

„Das haben wir inzwischen geklärt.“ Gleichwohl sagt der Vater zweier erwachsener Söhne und von fünf Enkeln: „Ich muss manchmal zulangen und überzeichnen. Wir gehen sonst den Bach runter und verspielen die Zukunft unserer Kinder und Enkel.“ 80 Prozent der Flächen werden Böcker zufolge von der Landwirtschaft bewirtschaftet. „Das ist aber nicht nur ihre Betriebsfläche, sondern unser aller Lebensraum. Und die Steuerzahler subventionieren die Betriebe teilweise zu 50 Prozent.“

Auf die kritischen Beiträge im Bauausschuss wird das Gremium ab Herbst verzichten müssen. Dann ist Schluss mit der Ratsarbeit. Aus der Nabu-Spitze hat sich Manni Böcker schon vor Monaten zurückgezogen.

Bis 2018 bleibt er aber Kirchenvorstandsmitglied in der Felicianusgemeinde. Pastor Thomas Aehnelt hatte ihn zur Jahrtausendwende für die Arbeit in der Kirche, bei Kinderbibeltagen und dem Weihnachtsgottesdienst auf dem Felde sowie für das Gemeindeleitungsgremium gewinnen können. Auch in der Lettland-Partnerschaft will der Lahauser weiter aktiv bleiben und Hilfstransporte organisieren und begleiten sowie Kontakte pflegen.

Jetzt sind erstmal die Bienen dran und der Honig. Nach dem Schleudern geht es ans Abfüllen des goldenen Saftes. Da steckt genussvolle Natur pur drin.

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