Kunden von Aldi und Rewe in Kirchweyhe dürfen ihr Auto ab sofort zwei Stunden abstellen

Nach Kritik: Gratis-Parkzeit verlängert

Parkscheiben auf einem Supermarkt-Areal zu verwenden, findet er überflüssig: Florian Becher (34) aus Kirchweyhe.
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Parkscheiben auf einem Supermarkt-Areal zu verwenden, findet er überflüssig: Florian Becher (34) aus Kirchweyhe.

Weyhe – Nach Protesten in den Sozialen Medien und nach einem Bericht in dieser Zeitung ändern die Kirchweyher Märkte Aldi und Rewe die Höchstdauer zum Abstellen von Autos auf ihrem gemeinsamen Parkplatz. Die Höchstparkdauer beträgt nun zwei Stunden. Das haben Longinus Flenker von der Aldi Immobilienverwaltung und der Rewe-Kaufmann Adnan Mayhoub auf Anfrage angekündigt. Die Schilder mit der Aufschrift 1,5 Stunden sind also nicht mehr korrekt.

Mit dem Ziel, Dauerparker von ihren gemeinsamen Parkplätzen fernzuhalten, hatten Aldi und Rewe kurz vor Weihnachten eine Parkplatzbewirtschaftung eingeführt (wir berichteten). Der Plan: Nur Autofahrer, die eine Parkscheibe benutzen, dürfen gratis 90 Minuten parken. Werde diese Höchstgrenze überschritten, dürfe die Firma „fair parken“ einen Betrag von rund 25 Euro kassieren – als Vertragsstrafe wohlgemerkt.

Juristen gehen davon aus, dass zwischen jener Firma und dem Fahrer deshalb ein Vertrag zustande kommt, weil Autofahrer mit dem Befahren des Geländes und dem Abstellen des Autos diese Vertragskonstruktion samt den Allgemeinen Geschäftsbedingungen stillschweigend billigen. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die auf mehreren Tafeln sichtbar aushängen, regeln, was passiert, wenn die Parkdauer überschritten wird. Zahlreiche Kunden haben zwischenzeitlich bezweifelt, dass ein gemütlicher Einkauf bei Aldi und anschließend ein Shopping bei Rewe in 90 Minuten möglich ist. Das führte zu einem Umdenken.

In der Regel würde die Parkdauer der Kunden im Schnitt zwischen 60 und 90 Minuten liegen, so Longinus Flenker. Nach Hinweisen dieser Zeitung hätte Aldi aber das Parken „inzwischen auf 120 Minuten ausgeweitet“. Diese neue Regelung gelte seit Jahresbeginn, informiert Longinus Flenker. „Für die meisten unserer Kunden, so glauben wir, wird die zeitliche Begrenzung auch keine Veränderung in ihrem Einkaufsverhalten mit sich bringen“, so Flenker weiter. Aldi-Kunden beschreibt er als „abwartend“.

Das Einkaufen in beiden Verbrauchermärkten und auch noch der Gang in die Apotheke oder zur Buchhandlung soll absolut nicht in Hetze passieren, sagt Adnan Mayhoub. Deshalb findet auch der Rewe-Kaufmann die Erhöhung der Gratis-Parkzeit um 30 Minuten auf zwei Stunden angemessen. Das Ziel, Dauerparker fernzuhalten, um den Kunden freie Plätze anzubieten, sei erfüllt. Zu Stoßzeiten hätte es genügend freie Plätze gegeben, habe er beobachtet. Sollte die neue Zeit nicht ausreichen, müsse nachgesteuert werden. „Wir behalten das Thema im Auge und können bei Bedarf jederzeit mit Rewe gemeinsam reagieren“, sagt auch Flenker.

Sicherlich wäre eine Verlängerung um 90 Minuten auf drei Stunden die beste Variante, aber mit einer Parkhöchstdauer von zwei Stunden könne sich Frank Rother anfreunden. „Das ist ein guter Kompromiss“, findet der Vorsitzender des Weyher Gewerberings. 1,5 Stunden seien von Beginn an zu knapp bemessen gewesen.

Nicht nur Aldi und Rewe bieten Gratis-Parkraum an, sondern auch andere Unternehmen rund um den Marktplatz. Der Inhaber des Juwelier-, Uhren- und Schmuckgeschäfts verweist auf mehrere Parkplätze auf der Gebäuderückseite seines Geschäfts. Autofahrer, die ihre Wagen dort abstellen, würden ebenfalls bei den Verbrauchermärkten einkaufen. Umparken für jeden einzelnen Einkauf wäre ökologisch absolut nicht vertretbar. Die Weyher Kaufleute möchten, dass Kunden verweilen.

Das Thema Parkplätze sei ohnehin in Kirchweyhe heikel, so Rother. Die Werbegemeinschaft habe mit der Gemeinde gesprochen, wie man mehr Abstellflächen schaffen kann – etwa hinter dem Stadthof. Auch das ehemalige Dunkhase-Areal, auf dem Aldi seinen neuen Markt gebaut hatte, sei als mögliche Parkfläche in Betracht gekommen.

Und was sagen die Kunden zur zeitlichen Verlängerung? Das Echo ist geteilt: Julia Zorn (47) aus Kirchweyhe findet zwei Stunden okay. Tatsächlich habe sie vor dem Aldi-Neubau zu Stoßzeiten manchmal Probleme gehabt, einen Parkplatz zu finden. Das sei nun nicht mehr der Fall.

Sylvia Leonhardt wohnt in Huchting, kauft aber seit Jahren bei Aldi und bei Rewe ein. „Ich besuche regelmäßig meine Mutter im Seniorenheim.“ Die 69-Jährige verbinde die Stippvisite mit dem Einkauf. Eine Dreiviertelstunde verbringe sie schon bei Aldi und wenn sie zu Rewe geht, dauert das noch mal genauso lang. Zwei Stunden Gratis-Parken könnte funktionieren. Sicher sei sie sich aber nicht.

Wie Sylvia Leonhard und auch Julia Zorn legt auch Florian Becher aus Kirchweyhe eine Parkscheibe ins Fenster. Allerdings ärgert er sich darüber, dass die Parkplatz-Bewirtschaftung grundsätzlich eingeführt worden ist. Da er schon mal Ärger mit einer Firma hatte, die so was organisiert, halte der 34-Jährige aus Kirchweyhe überhaupt nichts von Einkaufen unter dem Eindruck einer Stechuhr. Er bekam damals ein Ticket. Und als er versucht habe, die Sache zu klären, sei seine Erklärung als Beweis gewertet worden, dass er sein Auto unberechtigt abgestellt habe. Er findet, dass der Gesetzgeber eine private Parkplatz-Bewirtschaftung auf Arealen von Verbraucher-, Bau- und Supermärkten unterbinden sollte.

Adnan Mayhoub sei nach einem persönlichen Test zufrieden. Er hatte ein Ticket von einem Kunden erhalten, das Ticket samt Rewe-Bon mit dem Handy abfotografiert und an die Firma verschickt. „Die Mitarbeiter haben dann die Zahlungsaufforderung storniert“, so Mayhoub. „Unsere Kunden sollen nicht leiden. Wir wollen nur die Dauerparker, die über viele Stunden ihren Wagen abstellen, wegbekommen. Wir verdienen nichts daran.“ Und niemand habe etwas dagegen, wenn Autofahrer außerhalb der Öffnungszeiten ihre Autos abstellen, so Mayhoub.

Von Sigi Schritt

Diese Parkhöchstdauer ist nicht mehr gültig: Es sind jetzt zwei Stunden.
Julia Zorn (47)
Sylvia Leonhardt (69)

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