Nach Köln: Kampfsport-Schule unterweist 27 Frauen in Selbstverteidigung

„Täter suchen sich Opfer, keine gleich Starken“

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Trainer Gregor Wisniewski zeigt Co-Trainer Christian Hackmann in der gestellten Szene, dass mit Wing Tsun nicht zu spaßen ist.

Kirchweyhe - Von Maren Jensen. Sie kämpfen würgen, schlagen und kratzen – 27 Frauen aus der Gemeinde haben jetzt bei einem Selbstverteidigungskurs in der „Wing Tsun“-Kampfsport-Schule in Kirchweyhe mitgemacht.

Mit studierten Handgriffen und speziellen Techniken versuchte Kampfsport-Trainer Gregor Wisniewski den Teilnehmerinnen Mut zu machen und Möglichkeiten aufzuzeigen, sich gegen gewalttätige und sexuelle Übergriffe zu wehren.

Die Anspannung ist den Frauen zu Beginn des Kurses deutlich ins Gesicht geschrieben. Es herrschen Angst und Unsicherheit. Die Übergriffe der Silvesternacht in Köln wirken nach.

Bis auf eine Ausnahme machen alle zum ersten Mal einen Selbstverteidigungskurs. Zwischen 15 und 60 Jahre sind sie alt.

Immer mehr deutsche Frauen buchen Erhebungen zufolge einen Selbstverteidigungskurs. Pfefferspray erweist sich als ein echter Verkaufsschlager. Dass viele Weyherinnen nach den Attacken auf Frauen in Großstädten wie Köln und Hamburg verunsichert sind, bestätigt auch Wisniewski. Ursprünglich waren 15 kostenfreie Plätze für den Selbstverteidigungskurs angedacht. „Ich wollte ungern jemandem absagen. Jede Frau sollte diese Handgriffe beherrschen“, sagt Wisniewski. Die Anzahl an Anrufen und E-Mails habe sich in der Kampfschule in den vergangenen Wochen deutlich erhöht. „Vergewaltigungen und Handgreiflichkeiten gegen Frauen sind aber nichts Neues. So etwas passiert täglich“, sagt Wisniewski.

Ziel des fünfstündigen Kurses ist es, die Frauen selbstbewusster durch das Leben gehen zu lassen. „Täter suchen sich keine gleich Starken. Sie suchen sich Opfer“, sagt Wisniewski.

Der 41-Jährige bringt viel Erfahrung mit. Seit 20 Jahren ist er in der Sportart aktiv, davon 15 Jahre als Trainer. Mit lauter Stimme demonstriert er den Teilnehmerinnen, wie sie in Notsituationen auf sich aufmerksam machen und auch gegen mehrere Gegner ankommen können. „Wir zeigen, dass nicht die Stärke zählt, sondern die Technik“, sagt er. Wing Tsun nutze sogar die Kraft des Gegners, eigene Kraft spiele nur bedingt eine Rolle.

Neben der großen Spiegelwand des Raums hängen Bilder von Wisniewskis Trainern. „Sie haben mir unglaublich viel beigebracht“, sagt er. Nie lerne man aus.

Dies bestätigt auch Co-Trainerin Elke Hennek. Die 26-Jährige profitierte schon viel in ihrer Freizeit von der Sportart. „Ich finde es sehr wichtig, dass wir Frauen wissen, wie wir uns wehren können“, sagt sie. Gemeinsam mit Christian Hackmann, Elmar Brühl und Stephan Meyer half Hennek, die Techniken zu lehren.

Zum Abschluss setzen die Kursleiter einen Gesichtsschutz auf und greifen einige Frauen spielerisch an, um einen Ernstfall nachzustellen. Dabei können sie schon einige Erfolge sehen. Allen Teilnehmerinnen gelingen Gegenangriff und Flucht. Gefahren einzuschätzen, Grenzen zu erkennen und zu setzen sowie sich zu verteidigen seien die wichtigsten Voraussetzungen, sagt Wisniewski. Frauen müssten verstehen, dass sie kein Herkules sein müssen.

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