Welle der Hilfsbereitschaft

Nach Großbrand: Weyher verschenken Kleidung

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Die Polizei hat die Brandstelle der fünf zerstörten Wohnungen am Weidedamm beschlagnahmt. Sie will mit externen Sachverständigen die Gründe erforschen, weshalb das Feuer ausgebrochen ist.

Kirchweyhe - Von Sigi Schritt. Ermittler der Polizei haben am Dienstag den beschlagnahmten Brandort am Weidedamm in Kirchweyhe untersucht. Laut Mitteilung der Polizeiinspektion Diepholz können die Beamten noch keine Ursache benennen, weshalb in dem Mehrfamilienhaus das Feuer ausgebrochen ist, bei dem fünf Wohnungen zerstört wurden. Aufgrund des Ausmaßes wollen die Beamten externe Sachverständige hinzuziehen.

Das Schadensausmaß und das daraus resultierende Großaufgebot der Einsatzkräfte hatte nach Darstellung der Kreisfeuerwehr bei den Bewohnern „eine große Unruhe“ ausgelöst, sodass zur Betreuung neben dem Rettungsdienst aus Leeste und dem Notarzt aus Bassum eine Betreuungseinheit des DRK aus Siedenburg und Twistringen sowie ein Seelsorger zur Einsatzstelle alarmiert worden waren. „Die Unruhe konnte erst gegen Ende gemildert werden, als sich ein klareres Bild des Schadensausmaßes ergab“, blickt Ihno Fißer in seinem Bericht als zuständiger Pressesprecher der Kreisfeuerwehr zurück.

Eine Doppelhaushälfte unbewohnbar

Bei dem betroffenen Gebäude handelt es sich um zwei Doppelhaushälften. Während sich der Schaden bei der einen Doppelhaushälfte auf einen kleinen Teil der Dachhaut beschränkte, der durch einen Dachdecker notdürftig behoben werden konnte, wurde bei der zweiten Doppelhaushälfte das Dachgeschoss durch Feuer und Rauch vollständig zerstört – das Löschwasser zerstörte die untere Wohnung, sodass alle Wohnungen in dieser Haushälfte unbewohnbar sind.

Nach drei Stunden konnten die ersten Einheiten aus dem Einsatzgeschehen herausgezogen werden, während andere Kräfte mit Nachlöscharbeiten beschäftigt waren. Sie entfernten Brandgut aus dem Dachgeschoss und löschten es am Boden ab. Per Wärmebildkamera stöberten die Feuerwehrmänner Glutnester auf. Um das zu ermöglichen, mussten andere Kräfte eine sehr heiße Flachdachdecke von innen und außen öffnen. Nach Beendigung der Arbeiten sorgten die Mitglieder der Ortsfeuerwehr Kirchweyhe für eine Brandwache.

170 Einsatzkräfte von Polizei, Rettungsdienst, DRK-Bereitschaft und Feuerwehr

Die Feuerwehr stellte mit Messungen in den nicht durch Wasser oder Rauch beschädigten Wohnungen sicher, dass die Bewohner ungefährdet in ihre Räume zurückkehren konnten. Gegen 22 Uhr war für einen Großteil der Kräfte der Einsatz beendet. Die Brandwache dauerte bis 23.30 Uhr.

Abgesehen von den beiden durch eine Katze verletzten Feuerwehrmänner und den geschockten Bewohnern kamen keine weiteren Personen zu Schaden. Wegen der schwer zugänglichen und verwinkelten Einsatzstelle war laut Ihno Fißer eine großräumige Sperrung der umliegenden Straßen erforderlich, sodass etliche Anwohner ihr Domizil zu Fuß ansteuern mussten. Am Ende waren nicht wie Montag gemeldet rund 100, sondern sogar 170 Kräfte von Polizei, Rettungsdienst, DRK-Bereitschaft und Feuerwehr mit über 30 Fahrzeugen im Einsatz.

Mehrfamilienhaus gerät in Brand

Bürgermeister Andreas Bovenschulte wendete sich Dienstag per Facebookbotschaft an die Einsatzkräfte der Gemeinde und der Nachbarkommune und lobte die „vorbildliche Arbeit“. Da laut Bovenschulte „finanzielle Unterstützung jetzt neben einer Unterkunft am Nötigsten ist, stellen wir als Gemeinde“ das Spendenkonto zur Verfügung. Der Verwaltungschef kündigte an, die eingehenden Beträge umgehend weiterzuleiten.

Spontane Spendenaktion für Betroffene gestartet

Dass die Bevölkerung Anteil an der Situation nimmt, erlebt die Jessica Felix. Ihre Eltern hatten die Nacht bei Verwandten verbracht, aber kaum geschlafen. Ihnen gehe es zwar körperlich gut, aber nicht seelisch, berichtete die Tochter. Kurz nachdem die Feuerwehr den Brand vollständig gelöscht hatte, hatte sie auf Facebook diesen Satz gepostet: „Meine Eltern und ihre Nachbarn haben durch einen Hausbrand heute fast alles verloren!“ Es folgte eine Bitte um Kleidung mit Größenangaben. Ihren Beitrag haben die Nutzer des Forums „Weyhe – Suche & Biete“ mehrfach geteilt und kommentiert. So kündigte spontan Stefanie B. an, etwas zusammenpacken zu wollen. Und auch Edita B. und Lenka W. wollen helfen. Marita P. schlägt vor, eine Sammelstelle einzurichten. Sie fragten, ob es eine Liste von Gegenständen gibt, die benötigt werden. Schuhe wolle Gaby B. entbehren, wenn sie die Größe erfahre. Socken wolle Shari B. zur Verfügung stellen. Das sind Beispiele der vielen weiteren Hilfeangeboten. „Ich bin total gerührt“, sagt Jessica Felix. „Die Menschen sind alle so unendlich lieb und hilfsbereit.“

Auch Jennifer Maskow aus Syke hatte von der Not der Eltern und deren Nachbarn gelesen. Die 25-Jährige nahm dieses Ereignis zum Anlass, um die Facebook-Gruppe „Hilfe von Nachbar zu Nachbar ...., Hand in Hand!“ zu gründen, um die vielen Angebote zu kanalisieren. Innerhalb weniger Stunden wuchs die Gruppe stetig und hat bereits 172 Mitglieder. „Ich möchte in Zukunft allgemein Opfern von Hausbränden helfen. Es gibt so viele Menschen in Deutschland, die etwas zu verschenken haben, und die so viel Herz haben.“ Ihr gehe es nicht nur um Hausbrände. „Auch Unwetter können Menschen alles nehmen. Und in solchen Fällen möchte ich mit vielen anderen Menschen Kleidung verschenken. Von Baby- bis zu Erwachsenen-Klamotten werden wir alles anbieten.“

  • Das Spendenkonto der Gemeinde Weyhe: Kreissparkasse Syke, IBAN: DE87 2915 1700 1160 0044 77, Verwendungszweck: Spende Brand „Am Weidedamm“

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