Mulcher gegen Jakobskreuzkraut

Gelbe Giftpflanzen auf dem Feld: Naturschützer testen geniale Lösung

Prüft die Höhe der JKK-Pflanzen: Thomas Brugger.
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Prüft die Höhe der JKK-Pflanzen: Thomas Brugger.

Wie kann man das Jakobskreuzkraut, was sich in einem Feld ausgebreitet hat, effektiv und ohne Chemie entfernen? Der Naturschutzbund und die Gemeinde haben eine neue Methode ausprobiert. Thomas Brugger vom Nabu und Ulf Panten von der Gemeinde waren vom positiven Ergebnis überrascht. 

Weyhe – Mit einer neuen Methode kämpfen der Naturschutzbund Weyhe und die Gemeinde gegen die Ausbreitung des Jakobs-Kreuzkrautes (JKK). Und sie scheinen nach einem geglückten Versuch am Dienstagnachmittag Erfolg zu haben. Der Nabu-Vorsitzende Thomas Brugger zieht ein erstes positives Fazit.

Es geht um die zwei- bis mehrjährige Pflanze, die eine Höhe von 30 Zentimetern bis einen Meter haben kann, laut Thomas Brugger auch auf Flächen verstärkt auftritt, die der Nabu betreut. Aktuell ist ein 2,5 Hektar großes Feld in der Leester Marsch betroffen, das der Gemeinde und der Stiftung Naturschutz gehört. Es ist von der gelben Giftpflanze durchsetzt, die laut Ulf Panten, Umweltbeauftragter der Gemeinde, auch anderswo in den Weyher Ortsteilen blüht: An Straßen und Erholungsflächen und eben auch an den Wegesrändern in der Leester Marsch „in unterschiedlicher Dominanz“ auf den „Lehm- und auf Sandböden“.

Giftstoffe der Pflanze bleiben im getrockneten Zustand erhalten

Das Problem: Die verstärkte Ausbreitung seit ein paar Jahren sei deshalb eine ernste Gefahr, da das Jakobskreuzkraut als Giftpflanze nicht verfüttert werden sollte. Brugger sei zwar kein Biologe, aber zur Giftigkeit könne er doch was sagen: Die Inhaltsstoffe des Gewächses könnten zu chronischen Lebervergiftungen bei Pferden und Rindern führen. Deshalb sollte man den Tieren kein Heu anbieten, in denen diese Pflanze getrocknet vorkommt. Die Giftstoffe der Pflanze bleiben im getrockneten Zustand erhalten, nicht aber die Bitterstoffe, ergänzt Ulf Panten auf Anfrage. Die Folge: Die Nutztiere fressen das Heu mit den JKK-Pflanzen. Deshalb würden Bereiche an Wiesen daher vorrangig gemäht, damit die Pflanze nicht zur Samenreife gelangt. Diese flugfähigen Samen sollen sich nicht in der Umgebung verteilen.

Maschinenring Weyhe setzt Mulcher ein

Wie wollen Nabu und Gemeinde die großflächige Ausbreitung verhindern und es Landwirten ermöglichen, Heu zu gewinnen? Die Partner setzen auf den Umweltservice des Kirchweyher Maschinenrings. Dessen Spezialisten haben einen Mulcher mitgebracht, der vorne an einem Mini-Radlader angebracht ist. Scharfe Löffel, die sich um eine Walze drehen, könnte man laut Maschinist Jörn Lange, in die gewünschte luftige Höhe bringen, sodass ein Schnitt unterhalb der Blüten möglich sei. Durch eine Sogwirkung fallen die Blüten und weitere Pflanzenteile in einen Behälter. Dieser Behälter werde dann ausgeleert.

Mulcher vom Maschinenring Weyhe in Aktion auf Nabu-Gelände

Die Raupe des Blutbären frisst Jakobskreuzkraut

Mit dieser Methode könne man Flächen vom Jakobskreuzkraut befreien, ist sich Thomas Brugger sicher. Der Vorteil bei dieser Methode sei, dass ein natürlicher Fressfeind der Pflanze, die Raupe des Blutbären, im unteren Bereich weiterleben kann. Die Raupe ist gelb-schwarz geringelt und wird sogar gezüchtet, um gezielt landwirtschaftliche Felder von dieser Pflanze zu befreien. Thomas Brugger entdeckt diese Nützlinge auch auf der Wiese in der Leester Marsch.

Raupe des Schmetterlings „Blutbär“ frisst ausschließlich Jakobskreuzkraut.

Am Ende des ersten Maschinenlaufs zeigt sich neben Thomas Brugger auch Ulf Panten zufrieden: In einem Anhänger befinden sich die Blüten zahlreicher Giftpflanzen, aber die Stängel blieben übrig. Nur hier und da hat die Maschine auf der Wiese kleinere Jakobskreuzkraut-Pflanzen stehen gelassen. Thomas Brugger schätzt die Anzahl gemessen am Mähgut auf etwa zwei Prozent.

Den Schnitt wollen Nabu und Gemeinde zur AWG bringen. Dieser gehöre nicht auf den Kompost, sondern müsse über den Restmüll entsorgt werden, um zu Verhindern, dass die Giftpflanze sicher vernichtet wird und eine Samen-Streuung verhindert wird, sagt Dominik Albrecht, Sprecher der AWG. Das werde normal abgerechnet, unabhängig davon, ob der JKK-Schnitt von privaten oder von öffentlichen Flächen kommt, sagt der Sprecher auf Anfrage. In die Biotonne gehört er jedenfalls nicht hinein.

Zeigt die Mulchmesser: Frank Schröder vom Maschinenring Weyhe.

Was können Bürger tun, die das JKK erkennen? „Ausreißen ist grundsätzlich möglich, allerdings müssen diejenigen, die tätig werden, wegen der Giftstoffe unbedingt Handschuhe tragen, denn es können Hautreizungen entstehen“, so Panten. Das Gift wird auch über die Haut aufgenommen werden. „Wenn die Pflanze damit dann nicht mehr ihre Samen über die Luft verteilen kann, ist zumindest eine weitere Ausbreitung ausgeschlossen, das heißt, dass die Vernichtung der Doldenblüte unbedingt vor der Samenreife erfolgen muss.“ Eine rechtliche Verpflichtung zur Entfernung gibt es nicht. Es könnte aber an Grenzen zur Heuwiesen von Pferdehaltern zu Streitigkeiten kommen.

Der Bauhof der Gemeinde entsorge nur Pflanzen von öffentlichem Grund. Die Kapazitäten seien aber begrenzt, bedauert der Umweltbeauftragte.

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