Anwalt für geschützte Arten

Nabu kritisiert Erweiterung von Dreye-West-III

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Das Gewerbegebiet soll weiter an die Ochtum rücken.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Die Pläne für die Erweiterung des Gewerbegebiet Dreye-West-III will der Naturschutzbund Weyhe zu Fall bringen oder mindestens abändern lassen. Der Nabu sieht sich als Anwalt für geschützte Vogelarten, die auch auf der Roten Liste stehen und nach seinen Erkenntnissen in jenem Gebiet auch vorkommen.

Der Landkreis habe laut Nabu darauf hingewiesen, dass in den Gemeindeplänen artenschutzrechtliche Kriterien nicht ausreichend berücksichtigt worden sind. Die Gemeinde wiederum will ihre Argumente, weshalb sie Gewerbeflächen schaffen will, die bis auf 50 Meter an die Ochtum heranreichen, in einem Umweltbericht darlegen, so Brugger. Aber der geht laut Naturschützer nicht auf alle artenschutzrechtlichen Belange ein.

Bei einer Erweiterung des Gewerbeareals Richtung Ochtum, werden elf Hektar bestehende Ausgleichsflächen zu Bauland, kritisiert der Nabu-Vorsitzende Thomas Brugger. Er ist sicher, dass der Lebensraum für Tiere wie die Rohrammer, die Rohrweihe, der Teichrohrsänger und der Feldschwirl, die Schaf- und Gebirgsstelze zerstört oder zumindest eingeschränkt wird. Laut Landschaftsplan ist ein 200-Meter-Radius für Brutvögel-Standorte notwendig, damit die Tiere nicht aufgescheucht werden. Und diese Standorte genießen durch das Bundesnaturschutzgesetz sogar einen hohen Schutz.

Der Nabu-Vorsitzende Thomas Brugger wundert sich: „Hier stand einmal ein Babywald.“

Der ehemalige Ratsherr prangert die Verschwendung von Steuergeldern an und blickt zurück: Seit 20 Jahren ist Saum zwischen dem Gewässer und dem Rand des Gewerbegebiets eine Fläche, die dem Naturschutz gewidmet ist. Das Geld der Steuergelder ist verwendet worden, um das Areal für den Naturschutz zu entwickeln. So wurde Ackerland in Grünland umgewandelt und Hecken angelegt. 

Bereits vor 17 Jahren hat ein Biologe an der Ochtum in Dreye geschützte Vogelarten festgestellt. Von den 40 bis 45 Arten stehen viele Arten auf der Roten Liste. Brugger kritisiert, dass die Verwaltung ihr eigenes Gutachten verwirft, weil es fast zwei Jahrzehnte alt sei. Dabei hätten auch Hobby-Ornithologen aus Weyhe und Arsten festgestellt, dass auf der Erweiterungsflächen viele geschützte Arten zuhause sind. Wer denen nicht vertraut, weil Fotos nur Vögel zeigen, nicht aber GPS-Daten beinhalten, sollte der Deutschen Bahn (DB) vertrauen, sagt Brugger. 

Nicht grundsätzlich gegen Gewerbegebiete sperren

Im Rahmen des Großprojekts Tausch der Ochtumbrücke (wir berichteten), hatte die DB untersucht, was die Eingriffe in Gewässernähe für die Natur bedeuten. Die DB war laut Brugger zum gleichen Ergebnis wie der Nabu gekommen. „Die Deutsche Bahn hinterlässt einen positiven Eindruck in Sachen Naturschutz. Sie hat in ihren Gutachten die Rohrweihenbrut bestätigt.“

Der Nabu will sich nicht grundsätzlich gegen Gewerbegebiete sperren. Er weiß, dass die Gemeinde viele Millionenprojekte vor der Brust hat und das Geld dafür auch benötigt. Aber nach Bruggers Ansicht sei es versäumt worden, eine langfristige Strategie aufzustellen. So sei es für die Naturschützer kein Problem zum Beispiel auf Ackerflächen zwischen der Ziegelei und der ICE-Strecke Bremen-Osnabrück Unternehmen anzusiedeln. Denkbar wäre auch Areale um das Rohstoffabbaugebiet zwischen Dreye und Ahausen.

„Wir sind überparteilich, so Brugger, Mitglieder aller Parteien sind auch bei uns Mitglieder, wir stehen als Berater zur Verfügung, aber wir müssen auch gefragt werden“, sagt Brugger. Als Beleg für eine mangelnde Roadmap, die zur langfristigen Entwicklung von Arealen dienen könnte, nennt Brugger den sogenannten Solitärstandort für die Aussiedelung für GS Agri von Leeste nach Melchiorshausen an die Weyher Grenze. Wer sagt denn, dass sich dort nicht weiteres Gewerbe ansiedelt, wenn der Rat in zehn Jahren eine andere Zusammensetzung hat?

Gute Zusammenarbeit mit dem Nabu

Ein weiteres Beispiel sei ein Areal an der Straße „Im Bruch“. Wo einst ein Babywald stand und sich eine Fläche für die Vernetzung von Biotopen zur Verfügung befand, parken jetzt Autos. Auch in diesem Fall seien Steuergelder verschwendet worden, findet Brugger. Denn zwei Jahrzehnte lang sei Geld ausgegeben worden, um die Flächen zu hegen und zu pflegen. Dem Autohaus macht er aber keinen Vorwurf, sich vergrößern zu wollen. 

Zur Kritik des Nabu will Rathausmitarbeiterin Jutta Timmermann feststellen, dass „die Gemeinde in den vergangenen Jahren verschiedene Umwelt- und Naturschutzprojekte, wie zum Beispiel die Maßnahmen am ,Böttchers Moor/Naturerfahrungsgelände’, dem ,Hombach’ und aktuell die ökologische Aufwertung des ,Mühlenkampgeländes’ realisieren konnte. 

Insbesondere im Bereich des Amphibien- und auch Vogelschutzes kann außerdem auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Nabu zurückgeblickt werden.“ Der Umweltschutz habe eine hohe Bedeutung, jedoch seien auch andere Belange der Daseinsvorsorge zu beachten.“ Dazu gehöre auch die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen durch Ausweisung von Gewerbeflächen zur Neuentwicklung, insbesondere in verkehrsgünstigen Lagen, so dass Konfliktsituationen in der Bauleitplanung laut Timmermann kaum zu vermeiden sind.

Öffentliche Sitzung am Dienstag

„Mit der Eingabe des Nabu im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens „Dreye-West III - Erweiterung“ und 16. Änderung des Flächennutzungsplanes wird sich der Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt in seiner Sitzung am Dienstag befassen. Kurz gefasst, wird insbesondere über die vorgesehenen naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen in etwa 60 Meter beziehungsweise 600 Meter Entfernung zum Plangebiet vermieden, dass laut Timmermann artenschutzrechtliche bedenkliche Störungen für die lokalen Populationen der Avifauna hervorgerufen werden.

„Auch im Bereich des Plangebietes „Im Bruch“ wird die Notwendigkeit der Prüfung von Erweiterungsbedarfen bestehender Betriebe gesehen“, sagt Timmermann, so dass unter Berücksichtigung vorhandener Strukturen und bestehender Gewerbeflächenengpässe eine Reduzierung der „Grünflächen“ in Betracht gezogen wurde.

Im weiteren Verfahren wird der Umfang des naturschutzrechtlichen Ausgleichs festgestellt und die notwendigen Maßnahmen außerhalb des Plangebietes nach Entscheidung in den Gremien zu realisieren sein.

Der Bauausschuss kommt am Dienstagabend um 18.30 Uhr im Rathaus zu seiner öffentlichen Sitzung zusammen. Neben weiteren Bebauungsplänen etwa zur Ladestraße Leeste, Weyhe Mitte geht es auch um den Bebauungsplan Dreye-West-III. Die Sitzung endet mit einer Einwohnerfragestunde.

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