Landwirte rufen um Hilfe

Stiller Protest mit Bauer Willi: Rätsel um grüne Kreuze gelüftet

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Dieses grüne Kreuz befindet sich gegenüber des Lahauser Hofs Niemeyer an der Einfahrt der Straße „Zum Neddernfeld“.

Seltsame grüne Kreuze haben bei manchen Autofahrern, die in Weyhe auf der Lahauser Straße unterwegs waren, Rätselraten und Diskussionen ausgelöst. Die Kreuze befinden sich seit Mitte der vergangenen Woche an zwei Weiden in den Ortsteilen Lahausen und Jeebel. Sie sind Teil einer bundesweiten Protestaktion.

  • Bundesweit stellen Landwirte „Grüne Kreuze“ auf
  • Es ist ein Aktion zur Wertschätzung für Lebensmittel und die Arbeit der Bauern
  • Initiator ist Bauer Willi aus dem Rheinland
  • Kritik gibt es auch zum politischen Umgang mit Glyphosat

Jeebel/Lahausen -  Von Sigi Schritt. „Keine Ahnung, was sie bedeuten“, sagt Gerd Brüning, Lahauser Landwirt mit eigenem Hof und zugleich Mitglied des Kirchenvorstands der Felicianus-Gemeinde. Er will sich umhören. Aber auch wer als Radfahrer und Fußgänger in der Nähe der Kreuze Hinweise sucht, wird nicht fündig.

Grüne Kreuze am Straßenrand

Das Geheimnis lüften Jörg Niemeyer aus Lahausen und Jörg Meyer vom Jeebel. „Wir haben aus Brettern und grüner Farbe zwei Kreuze zusammengebaut und an den Zäunen befestigt“, so Jörg Meyer. Die Weyher unterstützen die Aktion des in der landwirtschaftlichen Szene bekannten Bauer Willi.

Kreuze-Aktion beginnt im Rheinland bei Bauer Willi

Der promovierte Agraringenieur aus dem Rheinland hatte die ersten Kreuze als stillen Protest aufgebaut, erklärt Meyer. Willi spricht sich laut Meyer für mehr Wertschätzung für Lebensmittel und die Arbeit der Bauern aus. Die Kreuze sind als stiller Protest gegen das jüngste Agrarpaket vom Bundesumweltministerium und Bundeslandwirtschaftsministerium zu verstehen, sagt Jörg Meyer. Er und sein Berufskollege aus Lahausen möchten, dass sich weitere Landwirte dem Protest anschließen. 

Die Landwirte sind Teil einer Bewegung, die Unterstützer in mehreren Bundesländern findet. Auch Bauernverbände haben sich laut Medienberichten der Aktion „Grüne Kreuze“ angeschlossen. Bauer Willi will erreichen, dass die Beschlüsse aus den Ministerien im Bundestag und -rat geändert werden.

Jörg Meyer aus dem Jeebel hat ein grünes Kreuz aus Latten und Farbe zusammengebaut und an die Begrenzung seines Grünlands befestigt. Das Werk befindet sich an der Ecke Lahauser Straße / Sudweyher Straße und ist für alle Verkehrsteilnehmer sichtbar.

Die Weyher Landwirte berichten von der Angst ihrer Branche, dass durch die gesetzlichen Neuerungen die Arbeit auf den Feldern und in den Ställen erschwert wird. Möglicherweise werden einzelne Areale sogar wertlos, weil sie nicht mehr für die Getreidewirtschaft und damit für die Nahrungsmittelproduktion genutzt werden dürfen. Die beiden Weyher Landwirte skizzieren eine Folge, die die Bevölkerung aus ihrer Sicht nicht möchte: Die Produktion wird sich ins Ausland verlagern. Dort ist aber nicht klar, wie die Nahrungsmittel erzeugt werden.

Grüne Kreuze als stiller Protest

Unter anderem wehren sich die Landwirte gegen das „Aktionsprogramm Insektenschutz“. Damit will das Bundesumweltministerium die Lebensbedingungen für Insekten und die biologische Vielfalt in Deutschland verbessern, um dem Insektensterben entgegenzuwirken. Soweit so gut, sagt Jörg Meyer. Er findet jedoch, dass die „Politik dem Mainstream hinterherhechelt“. In besagtem Programm sei ein Baustein enthalten, der zum Beispiel das Verbot des Pflanzenschutzmittels Glyphosat umfasst, so Meyer. Wer das Mittel sachgerecht anwende, verursache keine Schädigung, so Meyer. Auch Jörg Niemeyer spricht sich gegen das Verbot von Glyphosat aus. 

Glyphosat am besten erforschtes Pflanzenschutzmittel

Dieses Mittel sei das älteste und am besten erforschte Pflanzenschutzmittel. „Glyphosat baut sich sowohl im Boden als auch in den Pflanzenresten spurlos ab“, nennt Niemeyer einen Vorteil des Mittels. Außerdem würden die Lebewesen am Boden dadurch nicht beeinträchtigt. Das Mittel ist laut Niemeyer hauptsächlich nur deshalb in der Kritik, weil „Untersuchungen aufgetaucht sind, in denen Rückstände in Bier oder anderen Nahrungsmitteln gefunden worden sind“. Niemeyer äußert sich skeptisch, dass diese Ergebnisse aufgrund des Einsatzes von Glyphosat auf Feldern entstanden seien. 

Niemeyer glaubt, dass diese Rückstände eher durch Spülmittel hervorgerufen worden sind. Die hätten sich ebenfalls zum Glyphosat-Hauptabbauprodukt Ampa entwickelt. Ohnehin würden Bierbrauer kein mit dem Herbizid behandeltes Getreide annehmen, weil die Mälzer es laut Niemeyer nicht verarbeiten könnten. Sie würden die Fuhre zurückweisen.

Landwirte wie Jörg Meyer befürchten, dass das Höfesterben weitergeht.

Niemeyer möchte mit seinem aufgestellten Kreuz noch auf einen anderen Umstand hinweisen: „Auch Landwirte möchten Urlaub machen.“ Wer einen Kleinbetrieb bewirtschaftet und keine Angestellten hat, kann sich üppige Freizeit nicht gönnen. Zwei Tage am Stück sind maximal drin, während der Rest der Bevölkerung länger wegfahren kann. Das sei für einen Bauer schlicht unmöglich, wenn zum Beispiel Tiere versorgt werden müssen. Deshalb arbeiten schon mal Familien zusammen. 

Doch die Zahl der Höfe verringere sich. Allein in Lahausen gebe es nur noch drei, die aktive Landwirtschaft betreiben. Die Ministerien möchten, dass die Landwirte nachhaltiger wirtschaften, sagt Meyer. „Das machen wir aber seit zig Generationen.“

Weitere Nachrichten aus Niedersachsen und Bremen:

In Bremerhaven ist der Segler „Seute Deern“ geborgen worden. Die Aktion musste mehrfach verschoben werden, doch nun gelang es, das Schiff zu heben*. In Burgdorf ist es bei einem Jugend-Fußballspiel zu einem Gewaltausbruch auf dem Platz gekommen. Zuschauer mussten angreifende Spieler von ihrem Opfer lösen*. 

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