Mutter in Sorge

Schnelltests in der Schule: Ministerium erklärt, warum das Land auf verschiedene Hersteller setzt

Das Symbolbild zeigt verschiedene Tests in unterschiedlichen Größen.
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Das Symbolbild zeigt verschiedene Tests in unterschiedlichen Größen.

Die Mutter eines Fünftklässlers ist in Sorge. Der Impftermin ihres zehnjährigen Sohnes sei erst im kommenden Jahr, und ihre Familie nehme die Warnung vor der Omikron-Variante des Coronavirus sehr ernst. Die Familie hofft, bis zum Impftermin die Zeit coronafrei zu überstehen. Für die Elternvertreterin sei die regelmäßige Testung des KGS- Schülers ein wichtiger Faktor. „Und das ist der Punkt, der mich am meisten ärgert“, sagt die Mutter.

Weyhe/Hannover – Die Mutter des Fünftklässlers kritisiert die Herstellerdiversität der von der Schule ausgegebenen Sets: „Ständig bekommen wir Tests neuer Marken gestellt. Es wird nie mal bei zwei, drei bekannten Marken belassen, damit man sich auch an den Ablauf gewöhnen kann.“ Das alleine erhöhe schon die Fehlerquote, weil der Test unter Umständen nicht korrekt durchgeführt werde.

Corona-Tests: Mutter kritisiert die unterschiedliche Handhabung

Die Weyherin kritisiert die variierende Handhabung: Mal sind es Nasentests, mal ist es ein Spucktest. Mal sind drei, mal vier Tropfen notwendig. Mal muss die Testflüssigkeit samt Abstrich eine Minute in einem Röhrchen drin sein, mal müsse für 15 Sekunden ständig gedreht werden. Stäbchen abbrechen und komplett im Behälter lassen oder rausnehmen?

Das ist aber noch nicht alles, was sie kritisiert. Der jüngste von der Schule ausgegebene Test habe bei ihr sprichwörtlich das Fass zum Überlaufen gebracht. Ihr Verdacht: Könnte es sein, dass die Sets vom vergangenen Freitag, die ihr Sohn mitbrachte, einer neueren Überprüfung nicht standhalten? Sie habe im Internet eine Liste des Paul-Ehrlich-Instituts entdeckt, das zusammen mit dem Robert-Koch-Institut Schnelltests auf ihre Sensitivität prüft. Einige Tests seien durchgefallen, so die Weyherin. Diese würden auch beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte von der Liste gestrichen. „Seit ich von dieser Liste weiß, gucke ich da immer mal drauf, ob die Tests, die wir erhalten, dort gelistet sind.“ Der in der KGS verwendete Test sei dort nicht gelistet – und andere Sets des gleichen Herstellers seien nach den Recherchen der Frau durchgefallen.

Schulleiter können Wünsche nachvollziehen, haben aber auf Bestellung keinen Einfluss

Die beiden KGS-Schulleiter Michael Krutschke (Leeste) und Sabine Messer (Kirchweyhe) können die Wünsche der Mutter nachvollziehen, sagen sie, zumal in beiden Schulen dieselben Produkte ausgeteilt werden. „Die Landesschulbehörde organisiert die Beschaffung der Tests“, so Krutschke. Diese würden dann wöchentlich geliefert, so der KGS-Direktor.

Direktorin der KGS Kirchweyhe verteidigt Spucktests

Beide Schulen hätten sich viele Gedanken um die Logistik gemacht, aber einen Einfluss auf die Lieferung könnten weder Krutschke noch Messer nehmen. Sabine Messer verteidigt aber die Ausgabe der Spucktests. Dieser sei auf einen Elternwunsch beschafft und ausgegeben worden. Eltern hätten eine Variante zum Stäbchentest gefordert und hätten geschildert, dass Nasenbluten verhindert werden soll. Obgleich der logistische Aufwand für die Verteilung der Schnelltests für ihre 750 Schüler eine Herausforderung sei, sei sie jedoch dem Land dankbar, dass es diese Tests grundsätzlich bezahlt.

Sabine Messer: Schule hat viel in die Sicherheit investiert

Messer glaubt, dass in der Schule viel für die Sicherheit getan wird. So liefen die Schüler im Gebäude mit Masken herum. Außerdem würden die Klassenräume regelmäßig gelüftet. Die Schulleiterin sieht sich und die Lehrerschaft auf einem richtigen Weg: Die Schule vermeldet eine niedrige Zahl an Corona-Fällen. Seit Sommer hätten nur zehn Schüler einen bestätigten positiven Corona-PCR-Test vorgelegt, bilanziert Messer.

Zu den Spucktests merkt Ulrich Schubert vom Niedersächsischen Kultusministerium (Hannover) an: „Es wurden und werden grundsätzlich Nasenabstrichtests an die Schulen ausgeliefert. Lediglich im vergangenen September wurden kurzfristig an einige Schulen Spucktests ausgeliefert, um Lieferausfälle zu kompensieren. Diese Spucktests wurden nur einmalig an die Schulen ausgeliefert und dürften mittlerweile verbraucht sein.“

Ministerium: Spucktests nur einmalig ausgeliefert

Alle Nasenabstrichtests würden nach ähnlichem Muster durchgeführt, so der Sprecher. Allen Tests liegen zudem Anleitungen bei, häufig mehrsprachig, mit Piktogrammen und QR-Codes, die zu Anwendungsvideos führen, so der Sprecher. „Nach den Rückmeldungen, die wir aus den Schulen bekommen, hat sich beim Testverfahren mit den Selbsttest zu Hause bei den allermeisten Schülern schnell eine Routine eingestellt – auch im Umgang mit den Testkits.“

Testbeschaffung: Lieferung erst nach Ausschreibungsverfahren

Die Bedenken der Mutter hinsichtlich der Wirksamkeit des Schnelltests vom Freitag teilt das Ministerium nicht. Der von ihr angesprochene Test sei im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens geliefert worden. „Die Ausschreibung und Beschaffung der Tests erfolgt über das Logistik Zentrum Niedersachsen. Sie ist streng nach den Vorgaben des Vergaberechts durchzuführen. Es ist daher nicht zulässig, einzelne Anbieter oder Hersteller auszuschließen oder zu bevorzugen und somit immer dasselbe Fabrikat zu beschaffen.“

Geprüfte Nasenabstrichtests

Bei jenem Produkt müsse es sich um einen einzelverpackten Nasenabstrichtest handeln, der auf der Liste des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte steht und deren Sensitivität somit vom Paul-Ehrlich-Institut geprüft wurde.

Sprecher räumt ein: Möglicherweise noch Testkits einer nicht mehr aktuellen Generation im Umlauf

„Wir nehmen Hinweise und Sorgen von Schülern und Eltern grundsätzlich auf, prüfen Hinweise und berücksichtigen sie bei weiteren Überlegungen“, sagt Schubert. „Wir können nicht vollständig ausschließen, dass gelegentlich noch Testkits im Umlauf sind, die nicht (mehr) der aktuellen Generation entsprechen. Dies dürften dann wenige Einzelfälle sein.“

Von Sigi Schritt

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