Künstler Herbert Richard Max Bodzin lebt wieder in Weyhe

Musiker, Maler und Metaller

Vor seinem neuesten Werk, in das er Blattgold eingearbeitet hat: Herbert Richard Max Bodzin.
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Vor seinem neuesten Werk, in das er Blattgold eingearbeitet hat: Herbert Richard Max Bodzin.

Er lebte mit dem Entertainer Rudi Carrell in einem Haus, spielte mehrere Schallplatten ein, war mit Katja Riemann und ihrer Mutter ebenso befreundet wie mit Dirk Busch, war Jazzclub-Besitzer, gründete den Weyher Gemeindekulturring und hinterließ dem Freibad Kirchweyhe eine meterhohe Skulptur. Viele Jahre lang lebte er im Ausland. Jüngst verkaufte er die meisten seiner Werke an eine Galerie in Luxemburg und kehrte jetzt wieder in die Wesergemeinde zurück, in der er 18 Jahre lang gelebt hat und sehr glücklich war: Die Rede ist von Max Bodzin. Max Bodzin? Sollte es da klingeln?

Weyhe – So mancher Weyher verbindet einen ganz anderen Vornamen mit dem Kreativen: Herbert Bodzin. Der 85-Jährige, der kurz vor Beginn der Corona-Krise nach Leeste gezogen ist, klärt auf. Bis zum Alter von 55 Jahren wurde Herbert Richard Max Bodzin mit Herbert angesprochen. Das habe sich geändert. Seit drei Jahrzehnten werde er nun Max genannt. „Max ist mir am liebsten“, sagt er.

„3M“: Metaller, Musiker und Maler

Was ihn ausmacht? Max Bodzin muss nicht lange überlegen: Der Begriff „3M“ treffe auf ihn zu: Er sei Metaller, Musiker und Maler. Der 85-Jährige blickt auf ein bewegtes und schaffensreiches Leben zurück.

Künsterische Karriere stand nicht fest

Geboren 1936 im Sauerland als Jüngster von insgesamt vier Geschwistern, stand für ihn eine künstlerische Karriere längst nicht fest. „Ich wollte immer in den Metallberuf. Habe Schlosser gelernt und mehrere Schweißerabschlüsse in der Tasche.“ Bei einem Stahlkonzern habe er eine Lehre als Schlosser absolviert und war anschließend in der Reparatur von Maschinen eines großen Walzwerkes eingesetzt. „Das war Anfang der 1950er-Jahre“, so Bodzin. Eine Technikerausbildung und ein einschlägiges Studium schlossen sich an. Im Anschluss gehörte er zu jenen Spezialisten, die Maschinen am Reißbrett konstruierten. Fußball habe er in dieser Zeit viel gespielt, aber seine Leidenschaft war auch die Musik: Mit Freunden gründet Max Bodzin Ende der 1950er-Jahre den Jazzclub Hohenlimburg. Er habe berühmte Leute in seinen Club gelotst wie den Saxofonisten und Filmmusik-Komponisten Klaus Dolinger (Tatort, Die unendliche Geschichte, Ein Fall für Zwei) sowie ein bekanntes Quintett aus Amerikanern. „Das waren Wahnsinns-Musiker“, so Bodzin. Er selbst hat sich nicht nur das Saxofon-Spielen beigebracht, sondern auch das Spielen auf dem Klavier und auf der Querflöte. Er merkte, dass die Kreativität mehr Raum in seinem Leben bekam. Er komponierte selbst ein Stück, was sogar im Radio gespielt wurde. „Das war eine Jazz-Nummer.“

Erfolgreiche Bewerbung für das Konservatorium in Nürnberg

Er lebte für die Musik: Max Bodzin bewarb sich erfolgreich am Konservatorium in Nürnberg, weil er das Musizieren mit der Flöte und Querflöte perfektionieren wollte. Da er zwischenzeitlich das Zeichnen von Maschinen aufgegeben hatte („Ich ging einfach nicht mehr hin“), musste er anderweitig Geld verdienen: Außerhalb des Konservatoriums gab der Saxofonist mit eigener Band daher regelmäßig Konzerte. „Man konnte schon davon leben, aber nur soeben“, sagte er.

Irgendwann wollte er einen Selbstfindungstrip machen: Von Nürnberg nach Nordafrika – zu Fuß. Doch weit kam er nicht. „Es regnete vier Tage lang, da fuhr ich mit dem Zug nach Valencia.“

Die Realität habe ihn schnell eingeholt: So fuhr er nach Bayern und suchte Arbeit. Mitte der 1960er-Jahre stand er am Scheideweg, er wollte zu Freunden ziehen. Entweder zu jenen, die im Süden von Deutschland, oder zu jenen, die im Norden lebten. „Ich warf ein Geldstück in die Luft und machte die Hand auf. Ich musste nach Bremen.“ Bodzin blickt zurück: „Egal, wo ich war, ich hinterließ stets mein Mobiliar. So war mancher zu einer Einrichtung gekommen.“

„Ich gehörte zum Inventar der Kult-Gaststätte Lila Eule“

Bodzin kam in Bremen aber nicht als Künstler an. Er habe zunächst Jobs auf dem Bau angenommen: Max Bodzin legte Fliesen, baute große Heizungen ein und verlegte Leitungen. Ein Freund bat ihn, Metallmöbel für Gaststätten und Geländer für Häuser zu bauen. Das tat er sehr erfolgreich. Und in seiner Freizeit? „Ich gehörte zum Inventar der Kult-Gaststätte Lila Eule“, so Max Bodzin.

Er heiratete die Bremerin Rosi und zog mit ihr von Bremen nach Kirchweyhe. Das Paar hatte an der Bahnhofstraße ein Strohdachhaus erworben, das sich auf dem Gelände des heutigen Schachschlösschens befand. Mit seiner Frau zog Max Bodzin dort vier Kinder groß.

Neues Haus in Kirchweyhe an der Bahnhofstraße mit Werkstatt im Schuppen

Seine Werkstatt, ein Schuppen mit Starkstrom, befand sich direkt am Haus, erinnert er sich. Max Bodzin arbeitete mit Edelstahl. Warum? „Weil ich mich diesem Metall verschrieben habe. Wenn ich könnte, würde ich heute noch Sachen aus Edelstahl machen.“ Er konstruierte zum Beispiel 1976 die Plastik für das Kirchweyher Freibad. Wer sie sieht, sollte an eine ästhetische, rhythmische Bewegung denken, die sich nach oben entwickelt. „Jeder kann sich selbst ausdenken, was das sein kann. Die Plastik hat keinen Namen.“

Metall-Werke in Bremen und dem Umland

Ähnliche Metall-Werke würden sich in Bremen, aber auch im Umland der Hansestadt wie in Bassum (1981) auf dem Krankenhaus-Gelände befinden. Auftraggeber waren Kommunen wie die Gemeinde Weyhe, Kirchengemeinden sowie Bankhäuser und Privatleute. Er sei in den 1970er- und 1980er-Jahren in Weyhe und Umgebung ein gefragter Künstler gewesen. Und er fungierte auch als erster Vorsitzender des damals neu gegründeten Gemeindekulturrings. „Ich habe es sogar zustande gebracht, dass sich drei oder vier untereinander verfeindete Chöre treffen, um ein gemeinsames Konzert zu geben“, blickt er schmunzelnd zurück. Er musizierte auch in Weyhe. „In den Siebzigern hatten wir in Kirchweyhe eine Familien-Electronic-Band mit Namen Multi Art.“

Idyllisches Leben in Weyhe endet durch Brandstiftung

Das idyllische und beschauliche Leben in Weyhe endete plötzlich durch Brandstiftung. Ein Unbekannter zündete das Haus an. Die Flammen des Großbrandes haben das 250 Jahre alte Gebäude vernichtet.

Neues Haus mit runder Wand selbst konstruiert

Die Familie kam in Kirchweyhe unter. Max Bodzin entwarf noch das Nachfolgerhaus. „Es hat eine Besonderheit: eine runde Wand.“ Die Familie zog 1987 in dieses Gebäude ein. Doch die Idylle sei nicht wiedergekommen. Die Familie wohnte nur ein paar Monate in dem neuen Gebäude. Eine Scheidung trennte die Familie.

Atelier in Worpswede bezogen

Der Künstler suchte sich in Worpswede ein neues Atelier und malte abstrakte Bilder. Von Norddeutschland ging es zunächst nach Luxemburg, dann in die Nähe von Trier. Auch dort war er als freischaffender Künstler tätig und lebte dort mit seiner zweiten Frau. Sie starb vor zwei Jahren. Mit ihr habe er eigenhändig ein Wohnhaus an der Mosel gebaut und dort für 22 Jahre gelebt, „von wo aus ich nach Weyhe zurückzog“, so Bodzin.

Neues Atelier in der Wohnung in Leeste

Nun ist seine Wohnung in Leeste sein Atelier. Dort hängen einige seiner Bilder. Das letzte Werk habe er vor wenigen Wochen fertiggestellt. In seinen abstrakten Bildern – Öl auf Leinwand – verwendet Bodzin viel Blattgold. Längst nicht mehr so beweglich, wie noch vor Jahrzehnten, habe er aber starkes Motiv, immer wieder ein Bild zu schaffen. „Wenn ich Kunst mache, bin ich frei“, sagt er und betont: „Kunst bedarf keiner Rechtfertigung.“

Von Sigi Schritt

Diese Metallskulptur von Herbert Max Bodzin steht im Freibad Kirchweyhe.
An den Wänden seiner Wohnung hängen viele großformatige Bilder.

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