Lehrer studiert Sonderabdruck über Vogelschutzgehölze

Moderne Umweltschutzideen in vergilbtem Heft

Die vergilbte Broschüre über Vogelschutzgehölze vom Lese-Verein Melchiorshausen stammt aus dem Jahr 1907. - Repro: Meyer

Weyhe - Von Wilfried Meyer. Wie Umweltschutz vor über 100 Jahren funktionierte und welche Ansichten herrschten, wird in einem kleinen grünen Heft des „Lese-Vereins Melchiorshausen“ mit dem Titel „Vogelschutzgehölze und Schaffung sonstiger Nistgelegenheiten für Freibrüter“ deutlich. Es befand sich im Nachlass des früheren Melchiorshauser Lehrers Friedrich Sander.

Sander, geboren 1885, unterrichtete von 1907 bis zu seinem Ruhestand Ende 1948 an der dortigen Volksschule und war besonders den Naturwissenschaften zugetan. Schon sein Vater Heinrich war in Melchiorshausen von 1878 bis 1899 Lehrer für die Kinder dieses Leester Ortsteils. Ganze Generationen dieser Region kannten oder kennen die Pädagogen zum Teil heute noch.

Doch zurück zum kleinen, schon verblassten Heftchen: Der einleitende Text könnte aus einem aktuellen Druckwerk einer Naturschutzeinrichtung stammen. Aber es war 1907, als der Verfasser Freiherr von Berlepsch schrieb: „Für die Freibrüter, zu denen unsere besten Sänger gehören, macht sich der Mangel an Nistgelegenheiten immer mehr bemerklich, seitdem mit einer wahren Manie allenthalben Hecken und Zäune ausgerodet, das Unterholz in den Wäldern und an den Waldrändern abrasiert, Feldfluren verkoppelt, Teiche und Sümpfe ausgetrocknet und Flußläufe verlegt werden.“

Er unterrichtete in der Zeit von 1907 bis 1948 in Melchiorshausen: Lehrer Friedrich Sander. - Repro: Meyer

Der Verfasser hatte damals auf seinem Anwesen in Seebach, Kreis Langensalza, bereits eine Versuchsstation eingerichtet und mit Musteranpflanzungen demonstriert, wie die Schaffung notwendiger Nistflächen möglich ist. Im Grunde war es bereits ein Vorläufer der späteren Ideen von Benjeshecken und Brachlandflächen. Das Ziel war es bereits damals, den Freibrütern wie Kiebitzen, Feldlerchen, Nachtigallen, Rebhühnern und Fasanen eine sichere Möglichkeit zum Nisten auf dem Boden zu schaffen. Freiherr von Berlepsch kritisiert damals, dass häufig wild angepflanzte Sträucher wie Hasel oder Weiden, als Vogelschutzgehölze bezeichnet wurden, aber überhaupt keinen sicheren Nistplatz böten. Er legte besonderen Wert auf eine äußere Schutzhecke aus stacheligen Sträuchern, die Nesträuber abwehren aber auch einen Rückschnitt gut vertragen.

Unter dem Kapitel „besonderen Maßregeln“ ging der Verfasser auch auf das Thema Hecken ein. Dort schrieb er: „Man bedenke, daß eine gut gepflegte Hecke jedem Holz- oder Eisenstaket als Einfriedigung von Gärten aus wichtigen Gründen vorzuziehen ist. Ein lebender Zaun dient den Vögeln zum Nistplatz, gewährt einen unstrittig schöneren Anblick und empfiehlt sich wegen seiner Billigkeit.“ Das sind allesamt Erkenntnisse von vor einem Jahrhundert, zeitlos aktuell in ihrer Botschaft.

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