Frauen können wieder radeln lernen

Mobil sein auf dem platten Lande

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Die Gleichstellungsbeauftragten Christina Scheele, Kathrin Stern und Christine Gaumann (v.l.) werben mit Lina und Basma Ben Toumi für den neuen Radfahrkurs.

Weyhe - Von Philipp Köster. „Wir haben gelacht wie die Kinder.“ Basma Ben Toumi erinnert sich noch gern an ihren Fahrradfahrkurs, den sie im vergangenen Jahr in Bassum erfolgreich absolviert hat. Gemeinsam mit anderen Frauen, meist mit Migrationshintergrund, hatte sie in einem zweiwöchigen Seminar Mobilität auf zwei Rädern erlernt. Anfängliche Skepsis und Angst waren damals Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gewichen, am Ende das zu beherrschen, was hierzulande die Kinder lernen.

Nun steht wieder ein solcher Kurs an, diesmal in Weyhe. Die Gleichstellungsbeauftragten aus Syke, Weyhe und Bassum, Kathrin Stern, Christina Scheele und Christine Gaumann, organisieren ihn inzwischen im dritten Jahr gemeinsam. Weyhe und Syke stellen schon seit sieben Jahren ein solches Angebot für Frauen auf die Beine. Damit reagieren sie auf den Bedarf nach Mobilität auf dem Lande.

Basma Ben Touri hat in ihrer Heimat Tunesien nie Fahrrad fahren gelernt. „Schule, Einkauf, Universität – das war alles nur fünf Minuten von zu Hause weg“, sagt sie. Sie konnte in Sousse, der drittgrößten Stadt des Landes, alles zu Fuß erreichen.

Doch inzwischen hat sie es zu schätzen gelernt, das zu können, was ihre sechs Jahre alte Tochter Lina wie selbstverständlich beherrscht. Morgens radelt die Mutter schnell zum Bahnhof und fährt dann nach Bremen, um eine Ausbildung bei einem Steuerberater zu machen.

Zehn Plätze bietet der Kurs, der am Montag, 23. Mai, auf der Zentralen Sportanlage startet und an insgesamt zehn Tagen von montags bis freitags über die Bühne geht, und zwar von 14.30 bis 16.30 Uhr. Angeleitet werden die Frauen von der laut Scheele „erfahrenen und kultursensiblen“ Vanessa Kraschinski vom ADFC Bremen. Die Frauen üben auf hochwertigen Geräten, zunächst auf Rollern, dann auf Rädern. Die Leihe macht den Kurs recht teuer, doch den größten Teil bezahlt das Land über das Programm „älter, bunter, weiblicher“. Für die Lernenden fallen nur fünf Euro Teilnahmegebühr pro Person an.

Die Frauen würden auch nicht aufgeben, wenn sie einmal stürzen, sagt Christine Gaumann, die sogar schon eine Anfrage aus Sulingen hat. „Hut ab vor so viel Mut.“

Der Radfahrkurs mit seiner Chance auf Mobilität passt Christina Scheele zufolge auch zur dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen, die die drei Kommunen anstreben. Weil nicht alle Migranten zentrumsnah wohnten, ermögliche ihnen das Rad, einzukaufen sowie Ärzte und Behörden aufzusuchen. Außerdem müssten sie die Kinder nicht mehr zu Fuß in die Schule oder die Kita bringen.

Der Kurs ist nur für Frauen gedacht, Kathrin Stern will aber nach Möglichkeiten für ein Angebot suchen, falls sich in Zukunft auch Männer melden. Bei den bisherigen Kursen hätten die Gatten ihre Frauen oft breit lächelnd hergebracht – zuweilen übrigens mit dem Auto.

• Eine telefonische Anmeldung in den Gleichstellungsbüros muss bis zum 17. Mai erfolgen: 04203/71 221 (Weyhe), 04241/84 61 (Bassum), 04242/16 45 40 (Syke).

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