Kontaktbeamter Dirk Pistol stemmt sich gegen Ausgrenzung in der Schule

Bei Mobbing hört der Spaß auf

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Mit zahlreichen Übungen zeigt der Kontaktbeamte Dirk Pistol, wie es ist, sich als Mobbing-Opfer zu fühlen. Der Ordnungshüter verdeutlicht allerdings auch, wie es ist, wenn eine ganze Klasse zusammenhält. 

Weyhe - Von Sigi Schritt. Er ist nicht nur ein beliebter und selbstbewusster Fußballtrainer, sondern auch ein in der Region bekannter Polizist. Die Figur ist stattlich und – wenn es darauf ankommt – sein Auftreten absolut energisch. Niemand würde auf die Idee kommen, dass er selbst einmal ein Mobbing-Opfer war. Wer gemeint ist? Dirk Pistol.

Seit vielen Jahren ist Pistol ein Ansprechpartner im Bereich Prävention: Mit seinen Puppen ist er ein gern gesehener Gast bei Kindern und Senioren, er bietet allerdings auch Schülern der Sekundarstufe I ein zweitägiges Spezialprogramm an, das derzeit zum Beispiel die KGS Kirchweyhe in Anspruch nimmt. Dazu bittet Pistol nacheinander alle siebten Klassen der Schulen in das Rathaus.

Für das Programm „Wir sind stark“ sei es notwendig, raus aus der Schule zu kommen. Der große Ratssaal biete die Gelegenheit, einen anderen Rahmen zu schaffen, damit die Pädagogen ihre Schüler aus anderen Blickwinkel sehen, sagt Liane Hedemann, didaktische Leiterin der KGS Kirchweyhe. Der Klassenlehrer darf zuschauen und seine Schüler beobachten.

Ziel ist das „Wir-Gefühl“

Das Problem: „Wenn sich ein Kind unwohl fühlt, aber nicht massiv bedroht wird, meldet es sich nicht“, sagt Hedemann. Das Programm gibt Aufschluss darüber, ob es Mädchen oder Jungen gibt, die sich möglicherweise in einer Opferrolle befinden.

Die Sicht eines ehemaligen Betroffenen erweist sich laut Pistol als „sehr hilfreich“, um Vertrauen in der Klasse zu wecken. Die Schüler öffnen sich ihren Mitschülern und vertrauen sich dabei auch ihren Klassenlehrern und der Sozialpädagogin, die ebenfalls zuhört, an. Das sei möglich, weil der Polizist laut Hedemann Gesprächsanlässe anbietet. Dazu kommen Übungen, damit alle Kinder verstehen, wie das ist, wenn sich jemand durch Ausgrenzung mies fühlt. „Dann ist es mucksmäuschenstill. Nicht selten fängt jemand an zu weinen“, sagt der Polizist. Und es komme auch vor, dass die Täter sich vor der ganzen Klasse entschuldigen.

Immer, wenn es um Ausgrenzung oder um Mobbing geht, wird aus dem humorvollen Menschen Dirk Pistol schnell ein ernster Mann. „Das ist das Schlimmste, was es gibt.“ Wenn Pistol Wind davon bekommt, dass eine Schülerin oder ein Schüler Opfer wird, dann schreitet der Ordnungshüter sofort ein. „Ich spreche gleichermaßen mit Opfern wie Tätern, und das über Wochen. Das geht sogar soweit, dass ich zu einer großen Runde einlade, an der Freunde und Unbeteiligte am Tisch sitzen.“

Sein Ziel ist es, den Ideal-Zustand zu erreichen: Für den 43-Jährigen ist es das „Wir-Gefühl“.

„Alleine könnt ihr Ziele nicht erreichen“

„Es ist doch so, wenn ich ein Problem habe und ich weiß, dass 22 Schüler hinter mir stehen, ist das ein gutes Gefühl. Es ist aber scheiße, wenn ich in eine Klasse komme und ich schon im Voraus weiß, dass ich beleidigt werde.“ In fast jeder Klasse hätten Schüler genau das erlebt: Gelächter nach einer falschen Antwort. „Sowas passiert nie in einem Team“, sagt Pistol. In ihm kommt der Fußballtrainer hoch, weil er auf diese zentrale Botschaft hinarbeitet. „Alleine könnt ihr Ziele nicht erreichen.“ Das der Klasse lautet: Teamfähigkeit anhand des Arbeits- und Sozialverhaltens zu beweisen.

Genau darum gehe es in der Wirtschaft, so Pistol. „Kein Chef will Leute einstellen, die sich über andere Angestellte lustig machen oder über andere lästern. Das schlägt auf die Stimmung, Arbeitnehmer melden sich krank und die Produkte werden möglicherweise schlechter“, nennt der Ordnungshüter die weitreichenden Folgen.

Egal ob es um Freizeitgestaltung, um einen sportlichen Wettbewerb oder später darum geht, eine Familie zu gründen oder am Arbeitsplatz komplexe Aufgaben zu lösen. Es zeige sich: Partner seien immer nötig.

„Wenn aber Schüler diejenigen auslachen, die eine falsche Antwort geben, fangen die womöglich an zu stottern und bekommen eine schlechte Zensur. Unterm Strich bedeutet das allerdings, dass die Klasse ihr gemeinsames Ziel verfehlt hat“, so Pistol.

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