Kirchweyher Commerzbank-Filialdirektor Michael Hüneke blickt auf 2015 zurück

„Mit klassischem Sparbuch erreichen Sie nichts mehr“

Der Sparer muss ein Anleger werden, fordert Michael Hüneke, Chef der Weyher Commerzbank. - Foto: Jantje Ehlers

Kirchweyhe - Von Philipp Köster. „Der klassische Sparer muss verstehen, dass er ein Anleger werden muss. Das ist die einzig vernünftige Reaktion auf das heutige Zinsniveau.“ Fast schon flehentlich wirbt Michael Hüneke, Filialdirektor der Commerzbank in Kirchweyhe, darum, dass die Leute etwas Sinnvolles mit ihrem gehorteten Geld machen.

Denn auf dem Sparbuch, wo es die Deutschen am liebsten

lassen, verliert es an Wert. Auch wenn die Inflationsrate zurzeit recht niedrig ist – die Zinsen sind noch niedriger. „Die Zinsen haben jeden Weyher seit 2009 durchschnittlich 1 000 Euro an Kaufkraft gekostet“, sagt Hüneke bei der Vorstellung der Geschäftszahlen seiner Bank. Andersherum gesagt: Mit dem Zinsniveau der Jahrtausendwende habe der Sparer sein Kapital in 15 Jahren verdoppeln können. Heute müsste er, wenn er es könnte, 350 Jahre warten, bis es sich verdoppelt hätte. Und das Niveau wird so tief bleiben. „Die Null-Prozent-Politik der Europäischen Zentralbank soll dem Vernehmen nach bis mindestens 2018, wenn nicht 2020 dauern“, sagt Michael Hüneke.

Der Filialleiter bekniet die Leute also, nach alternativen Anlageformen Ausschau zu halten. „Mit dem klassischen Sparbuch erreichen Sie nichts mehr.“

Der Fahrenhorster wäre ein schlechter Banker, wenn er nicht die Produkte seines Unternehmens preisen würde, etwa die Immobilienfinanzierung. „Das Neugeschäftsvolumen ist in diesem Bereich 2015 um 19,6 Prozent gewachsen“, berichtet er. Es resultiere dabei nicht nur aus dem Erwerb von Wohnungen in den sogenannten Stadtvillen, sondern auch aus dem Verkauf von Altbauten zum Beispiel an junge Familien.

Die Commerzbank fungiert dabei nicht als Anbieterin, sondern als Maklerin, wenn sie Konditionen von 250 regionalen und überregionalen Kreditgebern vergleicht und vermittelt. Sein Haus habe von dem regen Treiben in der Baubranche in Weyhe und im gesamten Nordkreis profitiert, sagt Hüneke. Investieren in „Steine“, also in Immobilien, sei bei niedrigen Zinsen ein üblicher deutscher Reflex und auch eine sinnvolle Geldanlage. Denn es handele sich um ein „komplett risikoarmes Geschäft“. Von einem überhitzten Markt oder einer Immobilienblase möchte er nicht sprechen. Der Anstieg der Immobilienpreise in Weyhe in den vergangenen zwei Jahren sei vielmehr nur eine Anpassung. Bei der Preisgestaltung würde nunmehr die gute Infrastruktur der Gemeinde mit ihrer Nähe zu Bremen passend berücksichtigt. Und wenn das Verlangte bezahlt werde, spreche es eben nur dafür, dass ein Markt vorhanden sei. Mit einem Verfall der Immobilienwerte sei nicht zu rechnen.

Doch Hüneke warnt vor einer reinen Investition in Immobilien. Maximal 25 Prozent sei dafür aufzuwenden. „Wer breit streut, rutscht nicht“, bemüht er eine alte Bankerweisheit und wirbt ebenso für die Wertpapieranlage. Das Depotvolumen lag 2015 in Weyhe bei 21,4 Millionen Euro.

Wie bei anderen Anbietern auch, werden dabei alle Wünsche bedient – von risikoarm bis chancenorientiert, zugeschnitten auf die Bedürfnisse des Kunden. „Wir wollen auf jeden Fall, dass die Menschen nachts ruhig schlafen können“, sagt Pressesprecherin Sonja Habig.

Wachsen will die Commerzbank Michael Hüneke zufolge nicht nur im Immobiliengeschäft, sondern auch bei der Akquise von Privat- und Geschäftskunden. „Bei anderen Banken gibt es zum Teil dramatische Veränderungen“, verweist der Stuhrer auf Filialschließungen von Mitbewerbern. Die Commerzbank habe schon länger auf die Pferde online und Digitalisierung gesetzt und empfängt die von der Filialschließung anderer Banken enttäuschten Kunden mit offenen Armen. 2015 gab es 53 Neuzugänge und damit insgesamt 5 560 Privat- und Geschäftskunden in Weyhe. Weitere Investitionen in digitale Angebote wie Phototan, Kontostands- und Kontowechselapp sowie das Internet-Bezahlsystem „paydirect“ gehen einher mit dem Angebot einer Präsenz vor Ort. „Zwei Drittel der Kunden wollen eine Filialbank mit Onlinebanking“, sagt Sonja Habig.

Das Plus bei den Neukunden und der Wunsch nach Wachstum bedeutet aber nicht, dass das sich das Kreditinstitut selbst vergrößern möchte. Die Filiale ist die einzige im Nordkreis. Und das bleibt laut Hüneke „Stand heute“ auch so.

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