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Missstände: Kirche in Weyhe konzipiert Themenreihe

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Von: Sigi Schritt

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Jugendliche in der Marienkirche Leeste gestalten einen Gottesdienst.
Jugendliche in der Marienkirche Leeste gestalten einen Gottesdienst. © Sigi Schritt

Dürfen sich Pastoren politisch äußern? Sollte es die Kirche tun? Dies sind laut Pastor Gerald Meier Grundsatzfragen, auf die er eine klare Antwort gibt: „Ja!“ Die Kirche thematisiert Missstände und hat dazu in Weyhe sogar eine Reihe von Gottesdiensten konzipiert. Am Sonntag, 6. Februar, bildet ein Gottesdienst mit Jugendlichen den Abschluss: Pastor Ulrich Krause-Röhrs bindet die Fridays-for-Future-Generation ein und fragt nach, was diese zum Thema Umwelt, Klima und Klimaschutz denkt.

Weyhe – Die Kirche sei immer politisch, wenn sie sich für Menschen einsetzt, erklärt Meier. Dass es nicht jedem gefällt, erfahre er seit Kurzem: Er bekomme Telefonanrufe, in denen er sich für sein jüngstes Engagement für den Runden Tisch gegen Rechts und die damit verbundene Teilnahme an der Demo gegen rechte Querdenker und heftige Impfgegner (wir berichteten) rechtfertigen sollte. „Das Telefon klingelt Sturm“, sagt er. Kirche, Pastoren und die Christen müssten stets den Finger in die sprichwörtliche Wunde legen und Missstände anprangern.

„Kirche ist manchmal nicht laut genug“

Manchmal sei die Kirche nicht laut genug. Das wollen die Weyher Pastoren Gerald Meier, Ulrich Krause-Röhrs und Albert Gerling-Jacobi und ändern. Das Trio hat im Rahmen eine Predigtreihe für drei aufeinanderfolgende Sonntage ab dem 23. Januar aufgelegt. Die Themen lauten: Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

Ukraine-Russland-Konflikt

Pastor Meier startet die Reihe am kommenden Sonntag in der Marienkirche. Er will an eine banale Wahrheit erinnern, dass der Frieden im Zwischenmenschlichen und in den Familien beginne und in den Beziehungen von Staaten nicht aufhören sollte. Er finde es „bedenklich“, dass das Wort Krieg im Zusammenhang mit dem Ukraine-Russland-Konflikt in der Presse auftaucht. Das sei seit Jahren kein Thema gewesen.

Pastor Gerald Meier: „Jede Religion eine Friedensreligion“

Er will ebenso Schriften der Religionen durchleuchten. „Nach meiner Überzeugung ist jede Religion eine Friedensreligion.“ Es gebe die Sehnsucht nach Frieden, es gebe aber auch den Missbrauch.

Pastor Albert Gerling-Jacobi: Ist der Betrieb einer Tafel gerecht?

Zum Thema Gerechtigkeit will sich am 30. Januar in der Felicianus-Kirche Pastor Albert Gerling-Jacobi äußern. Die Corona-Krise habe gezeigt, dass Reiche reicher und Arme ärmer werden. Im Wort Gerechtigkeit stecke der Begriff Recht drin. „Leute haben ein Recht auf bestimmte Dinge“, sagt er. Unter anderem sollte jeder genügend Mittel zur Verfügung haben, um leben zu können. „Wir betreiben die Syker Tafel mit eine Ausgabestelle in Weyhe. Das ist eigentlich ein Skandal“, sagt er. Es beschäftige ihn, dass in so einem reichen Land die Notwendigkeit besteht, dass Menschen Kunden der Tafel werden müssten.

Die Pastoren Ulrich Krause-Röhrs, Albert Gerling-Jacobi und Gerald Meier an einer Wand der Leester Marienkirche: Einschusslöcher aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs sind noch in den Steinen erkennbar.
Die Pastoren Ulrich Krause-Röhrs, Albert Gerling-Jacobi und Gerald Meier an einer Wand der Leester Marienkirche: Einschusslöcher aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs sind noch in den Steinen erkennbar. © Sigi Schritt

Pastor Ulrich Krause-Röhrs spricht zum Thema „Bewahrung der Schöpfung“

In der letzten Ausgabe der Reihe am Sonntag, 6. Februar, in der Marienkirche Leeste will Pastor Ulrich Krause-Röhrs mit dem Jugenddiakon Jan Joppin und Jugendlichen das Thema „Bewahrung der Schöpfung“ in den Fokus nehmen.

Schöpfung bedeutete für ihn zum Beispiel, dass man den Umwelt- und Klimaschutz ernst nehmen und sein Verhalten umstellen müsse. Der Umweltschutz sei nicht etwas, was „uns gegenübersteht, sondern wir sind ein Teil der Welt und sollten sie schützen“.

Ulrich Krause-Röhrs will die Fridays-for-Future-Generation einbinden. Die Jugend nehme eine andere Perspektive ein: Es geht um deren Zukunft, die erheblich länger sei als seine eigene. Zusammen mit sogenannten Teamern der Kirchengemeinden will Krause-Röhrs den Abschluss der Reihe gestalten. Sie hätten laut Krause-Röhrs frische Ideen. Das hätten diese Jugendlichen zum Beispiel vor einigen Tagen bei einer selbst konzipierten Live-Sendung zum Thema Zukunft bewiesen. Die Sendung erzielte bei Facebook bis jetzt rund 3000 Aufrufe. Die Reichweite des Beitrags findet der Pastor beachtlich: Mehr als 7000 Internet-Nutzer. Jetzt ist die Sendung auch bei Youtube eingestellt.

Von Sigi Schritt

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