Baumpflege in Weyhe

Michael Röhrs ist der neue Baumkontrolleur und prüft die mehr als 16.000 Straßenbäume in Weyhe

Baumkontrolleur Michael Röhrs und Bürgermeister Frank Seidel.
+
Bürgermeister Frank Seidel (r.) begrüßt Michael Röhrs zu dessen neuer Tätigkeit. Mit Maßband und Schonhammer prüft der neue Kontrolleur den Gemeindebestand an Straßenbäumen.

Michael Röhrs ist der neue Baumkontrolleur in Weyhe. Fortan wacht er über die mehr als 16 000 Straßenbäume in der Gemeinde. Doch Wetterkapriolen wie Mikrotornados infolge des Klimawandels stellen neue Herausforderungen dar. Der Fachbereich Umwelt erklärt, wie er sich für die Zukunft rüstet.

Weyhe – „Wir wollen Schäden an Bäumen frühzeitig erkennen, um sie zu beheben und so den Baum zu erhalten“, erklärt Umwelt-Fachbereichsleiter Steffen Nadrowski. Sein neuer Mitarbeiter ist fortan Michael Röhrs, der neue Baumkontrolleur in Weyhe und Herr über die mehr als 16.000 Straßenbäume in der Gemeinde. Damit folgt der 45-Jährige auf Hanna Smidoda, die den Job vor ihm rund eineinhalb Jahre ausübte.

Bürgermeister Frank Seidel und Pressesprecher Sebastian Kelm haben die Personalie am Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt.

Dabei ist Michael Röhrs kein Unbekannter in der Gemeinde. Seine Lehre hat er im Jahr 1998 beim Weyher Bauhof begonnen – seinerzeit war er dort der erste Azubi überhaupt. Dort hat er Garten- und Landschaftsbau gelernt. Nun, nach rund 23 Jahren Tätigkeit im Bauhof, durchlief der 1976 in Bremen geborene und seit rund 20 Jahren in Bassum wohnhafte Michael Röhrs erfolgreich das Auswahlverfahren der Gemeinde auf die Stelle des Baumkontrolleurs.

Steffen Nadrowski, Röhrs neuer Chef, ist stolz auf seinen neuen Mitarbeiter. „Das zeigt, dass wir hervorragende Mitarbeiter in der Gemeinde haben, die sich auch gegen eine Vielzahl externer Bewerber durchsetzen können.“

Zu Röhrs Aufgaben gehört vor allem die Pflegearbeit der Bäume. Entlastungsschnitte mit der Kettensäge oder der Hebebühne sind nur außerhalb der Schnittzeiten vom 1. März bis 30. September möglich. Dann dürfen keine Gehölze, Bäume oder Hecken geschnitten oder gerodet werden. Ausnahmen seien lediglich Pflegeschnitte von Hecken und Sträuchern in Privatgärten.

Die Kontrolle des allgemeinen Zustands aller Straßenbäume ist eine neue Herausforderung für mich.

Michael Röhrs, Baumpfleger

„Die Kontrolle des allgemeinen Zustands aller Straßenbäume ist eine neue Herausforderung für mich“, freut sich Michael Röhrs. Pro Baum benötigt Röhrs rund drei bis zehn Minuten, schätzt der Experte. Dabei schaue er sich jeden Baum genau an und prüfe, ob dieser Pilze, Risse oder Faulstellen aufweise. „Da muss man schon um den ganzen Baum herumgehen, mit dem Auto vorbeifahren reicht da nicht“, sagt Röhrs. Anhand eines Streckenplans fährt er zukünftig jeden Tag das Gemeindegebiet ab. Der älteste ihm bisher bekannte Baum in Weyhe ist eine rund 150 jährige Eiche an der Bundesstraße 6.

Bei der Baumkontrolle gilt die Faustregel, dass jeder Straßenbaum einmal im Jahr im belaubten sowie im unbelaubten Zustand angeschaut wird, erklärt Fachbereichsleiter Steffen Nadrowski. „Die Bäume sind Lebewesen, da entstehen auch Schäden dran“, gibt Nadrowski zu bedenken. Die Erfassung beginne jeweils in der Mitte des Jahres. Das vordergründige Ziel sei stets, dass die Verkehrssicherheit gewährleistet wird. Herunterfallende Äste oder umstürzende Bäume stellten eine Gefahr für die Bewohner dar.

Sobald es zur Fällung eines Baumes kommt, spiele der Klimawandel eine Rolle bei der Entscheidung, welcher Baum für einen alten neugepflanzt wird. „Unsere Maxime ist, da wo ein Baum entnommen wird, versuchen wir den passenden Baum als Ersatzpflanzung vorzunehmen“, sagt Nadrowski.

Baumpflanzungen in Straßen und Parks

Laut Angaben der Gemeinde Weyhe wurden in den vergangenen Jahren etliche öffentliche Bäume gefällt aber auch neu angepflanzt. Dabei übersteigen die Anpflanzungen von Straßen- und Parkbäumen die Fällungen deutlich.

Jahr 2015/16: 60 Neuanpflanzungen, 61 Fällungen

Jahr 2016/17: 28 Neuanpflanzungen, 122 Fällungen

Jahr 2017/18: 26 Neuanpflanzungen, 236 Fällungen

Jahr 2018/19: 303 Neuanpflanzungen, 74 Fällungen

Jahr 2019/20: 589 Neuanpflanzungen, 126 Fällungen

In den wenigen Zweifelsfällen, in denen Michael Röhrs nicht abschließend klären kann, ob ein Baum noch standsicher ist oder gefällt werden muss, zieht die Gemeinde externe Baumgutachter zurate. Mit Schalltomographen überprüften diese dann beispielsweise die sogenannte Restwandstärke von alten Eichen. Im vergangenen Jahr sei das fünf- bis sechsmal vorgekommen, berichtet Nadrowski. „Wir tun uns nicht leicht mit dem Fällen von Bäumen“, beteuert er. Daher werde im Zweifel eher eine zweite Meinung eingeholt. Das unterstreicht auch Bürgermeister Frank Seidel.

Einzig bei Gefahr im Verzug, also wenn morsche Äste abzuknicken oder ein Baum umzufallen drohe, reagiere die Gemeinde umgehend. So sei vergangenes Jahr ein Baum nahe einer Tankstelle noch am selben Tag der Schadfeststellung gefällt worden. Die Fällarbeiten selbst führt der Bauhof aus oder ein externer Auftragnehmer.

Moderne Technik: In das mobile Erfassungsgerät von Baumkontrolleur Michael Röhrs kann er die Zustandsdaten sämtlicher Straßenbäume aufnehmen.

Michael Röhrs steht für seine Kontrollen jede Menge Ausrüstung zur Verfügung. Schäden erfasst er mit einem mobilen Baumkataster. Das erleichtere auch der Gemeinde den Nachweise, was wann wo gemacht wurde. „Ein guter Überblick über die Pflegehistorie“, bringt es Nadrowski auf den Punkt. Ein Sondierstab ist ein weiteres Hilfsmittel, um Bäume zu untersuchen. Mit einem Schonhammer klopft Röhrs die Rinden ab und mit dem Messband misst er den Umfang.

Bisher sei Weyhe noch stark durch den Ahornbaum geprägt. „Davon sind wir ab und stellen uns breiter auf, nicht nur wegen des Klimawandels“, sagt Nadrowski. Das Wurzelwerk des Ahorns sei beispielsweise nicht ideal. Neue Straßenbäume seien daher häufig Buchen, Linden, Schwedische Mehlbeeren oder Chinesische Wildbirne.

Der Klimawandel verändert die Arbeit

Kräftige Baumschäden entstünden vor allem durch Autounfälle – rund drei bis vier im Jahr. „Dann säubern wir die Wunde“, sagt Baumpfleger Röhrs. Dazu schneide er die Rinde ab und wickele die Stelle mit Folie ab. „Das fördert die Heilung“, erklärt er. Doch insbesondere der Klimawandel ergebe „ganz ungewohnte Schadensbilder“, schildert Nadrowski. So hätten Mikro-Tornados letztes Jahr bei Lahausen standsichere und intakte Eichen herausgedreht. Nadrowski: „Wir müssen mit verändertem Wetter rechnen.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Radfahrer in Barver: Angefahren. Liegen gelassen. Tot.

Radfahrer in Barver: Angefahren. Liegen gelassen. Tot.

Radfahrer in Barver: Angefahren. Liegen gelassen. Tot.
Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte

Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte

Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte
Claudia Meyer ist neue Kita-Leiterin

Claudia Meyer ist neue Kita-Leiterin

Claudia Meyer ist neue Kita-Leiterin
Urologie Diepholz: 9.000 Patienten und neuer „Zertrümmerer“

Urologie Diepholz: 9.000 Patienten und neuer „Zertrümmerer“

Urologie Diepholz: 9.000 Patienten und neuer „Zertrümmerer“

Kommentare