Schnittstelle zum Jugendhaus

Merle Palazzo will als Sozialarbeiterin an der KGS Kirchweyhe Mädchen stärken

Schaut sich die Künstler-Garderobe im Keller der KGS Kirchweyhe an: Merle Palazzo. Sie will ihre Theaterkenntnisse weitergeben, um Schüler selbstbewusster zu machen.
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Schaut sich die Künstler-Garderobe im Keller der KGS Kirchweyhe an: Merle Palazzo. Sie will ihre Theaterkenntnisse weitergeben, um Schüler selbstbewusster zu machen.

Merle Palazzo heißt die neue Sozialarbeiterin der KGS Kirchweyhe. Sie kennt sich mit schwierigen Fällen aus und will Kindern und Jugendlichen in Schwierigkeiten beim Erwachsenwerden helfen. Die Bremerin soll die Schnittstelle zwischen der Schule und dem Jugendhaus Trafo bilden.

Weyhe – Die KGS-Schulleiterin Sabine Messer stellt sich vor, dass Merle Palazzo Mädchenprojekte organisiert. Mädchen zu stärken, Schülerinnen selbstsicherer zu machen und ihnen einige Verteidigungstechniken mit auf den Weg zu geben, das möge die junge Bremerin in Kirchweyhe umsetzen, erhofft sich Messer.

Palazzo hat Abschlussarbeit über sogenannte Systemsprenger geschrieben

Für diese Aufgabe fühlt sich Merle Palazzo gut gerüstet. Die 24-Jährige hat in der Hochschule Bremen Soziale Arbeit studiert. „Für meine Bachelor-Arbeit habe ich über den Film Systemsprenger geschrieben.“ Der Inhalt dieses Sozialdramas, das im ZDF in der Mediathek verfügbar ist, ist schnell erzählt: Egal ob Pflegefamilie, Wohngruppe oder Schule: Benni fliegt sofort wieder raus. Die Gründe: Sie ist zu laut, wild und unberechenbar. Die Neunjährige ist, was man im Jugendamt einen „Systemsprenger“ nennt.

Dass es solche Menschen auch in Bremen gibt, habe Palazzo in Bremen erfahren. In ihrem Anerkennungsjahr arbeitete sie bei einem Träger, der Mädchen in Obhut genommen hat. Das könne passieren, wenn Mädchen nicht mehr zuhause wohnen dürfen. Es sei aber auch möglich, dass sie sich selbst beim Jugendamt melden, weil sie handfeste Gründe haben, nicht mehr dort zu wohnen. Gründe könnten laut Palazzo sein: Häusliche Gewalt, Vernachlässigung oder Überforderung der Eltern. Es geht auch um Missbrauch. Wenn bei Eltern Drogen im Spiel sind oder eine Zwangsheirat droht, melden sich die Schüler beim Jugendamt. Das Jugendamt reagiere sofort, wenn Jugendliche berichten, dass sie möglicherweise ins Ausland gebracht werden, berichtet Merle Palazzo.

Palazzo: „Alle haben einen Grund, warum sie sich so oder so verhalten.“

In diesem Haus, in dem Palazzo gearbeitet hat, habe sie den Mädchen einen Alltag mit klaren Strukturen geboten, die diese zuvor nicht gekannt hätten. „Die Mädchen sind hochgradig traumatisiert“, sagt die Bremerin. Krisenmanagement gehöre auch dazu. Es komme vor, dass die jungen Menschen ausrasten, erzählt die Sozialarbeiterin. Ab und zu bringt die Polizei die Mädchen zurück, die als vermisst gemeldet werden. Das sei bei denen der Fall, die nicht zur vereinbarten Zeit wieder zurückkommen.

Im Gespräch mit der KGS-Direktorin Sabine Messer sowie Jugendpfleger Carsten Platt: Merle Palazzo.

Damit die Mädchen runterkommen, habe Palazzo den Mädchen verschiedene Möglichkeiten geboten. Sie können auf den Boxsack einschlagen oder zum Beispiel draußen laut schreien. Im Rahmen einer gewaltfreien Kommunikation vermeide sie Anschuldigungen. „Ich benenne dann ihre und meine Gefühlslage.“

Merle Palazzo hat in den Jahren ihrer Ausbildung eine Erkenntnis gewonnen: „Alle haben einen Grund, warum sie sich so oder so verhalten. Der Grund kann tief in der Vergangenheit liegen.“

Prüfungsängste mittels Theaterspiel überwinden

Ihre Erfahrungen aus einer Theatergruppe will Merle Palazzo ebenfalls in die Arbeit beim Trafo-Jugendhaus und der KGS Kirchweyhe einbringen. Sie trat beispielsweise im Goethe-Theater ebenso auf wie im Schlachthof und in der Schwankhalle. Sie stand mit weiteren Bremern und mit minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen auf der Bühne. Diese Arbeit habe viel für das Selbstbewusstsein gebracht. Die Bremerin möchte mit jungen Weyherinnen kleinere Bühnenstücke und Lockerungsübungen erarbeiten. „Damit überwindet man Prüfungsängste.“

Die Sozialarbeiterin möchte den Mädchen in der Gruppe aber auch in Einzelgesprächen Raum geben, die sich nicht trauen Missstände, anzusprechen. Das könnten Probleme daheim sein – etwa, wenn Eltern sich nicht mehr verstehen. Es gebe aber auch Probleme in der Schule, die nicht mit einem Lehrer besprochen werden könnten.

Palazzo kann Ansprechpartnerin, Trainerin und Impulsgeberin sein

„Ich kann mir Merle Palazzo gut als Impulsgeberin einer Mädchengruppe vorstellen, die was fürs Körpergefühl machen“, sagt die KGS-Direktorin.

Merle Palazzo will mit den Schülerinnen zum Beispiel den aufrechten Gang üben, denn wer so über das Schulgelände läuft, wird anders wahrgenommen. „Die anderen merken, dass diese Person selbstbewusster ist und sich möglicherweise zur Wehr setzt. Die 24-Jährige sehe sich aber auch als Ansprechpartnerin bei anderen Themen wie Liebe und den Umgang mit den Medien und die Folgen.

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