Wortakrobat Jan-Peter Petersen eröffnet in der KGS Kirchweyhe die Weyher Kabarett-Saison

„Mein Kopf stinkt vom Fisch her“

Jan-Peter Petersen erzählt zubeißende aktuelle Texte mit hochkomischen Alltagsepisoden. Foto: Jantje Ehlers

Kirchweyhe - Von Martin Möhring. „Willkommen klingt schon wie eine erotische Absichtserklärung, deshalb sage er einfach Moin“, so Jan-Peter Petersen in seinen Begrüßungsworten. Das „erste Kabarett der Saison“ im Veranstaltungskalender 2020 der Gemeinde Weyhe begeisterte die zahlreichen Besucher.

Ein gut aufgelegter Jan-Peter Petersen präsentierte sein Programm „Leben zwischen Fisch und Kopf!“ am Samstagabend in der KGS Kirchweyhe. Er käme gebürtig aus Hamburg, also auch aus dem „Moin-Land“ und frage sich nach dem Unterschied zwischen Hamburgern und Hanseaten? Hamburger stellen etwas her, Hanseaten etwas dar.

So begann für die Zuschauer ein heftiges Wechselbad, denn Petersen verband an diesem Abend kabarettistisch zubeißende aktuelle Texte mit hochkomischen Alltagsepisoden. Er sei ein Veteran seiner eigenen Biografie und ein noch intakter Vertreter der Babyboomer-Generation.

Alles, was sich bisher einer generationsgerechten kabarettistischen Bilanz entzogen hätte, käme nun in den Reißwolf. Der Wohlstand in Deutschland habe sich verachtfacht. „Und unser Glück?“ Auf die Frage „Was ist Glück überhaupt?“, hatte Petersen die passende Antwort parat: „Dumm sein und Arbeit haben“. Dabei sei „Optimismus im Leben nur die Folge unzureichender Information“.

Im Wechsel zwischen feiner und grober kabarettistischer Klinge ging es weiter im Programm und es wurde deutlich, warum Petersen auf dem Weg zur ersten Riege des deutschen Kabaretts ist. Genial seine Kommunikation mit „Ursel“, einer Zuschauerin aus dem Publikum. Immer wieder band er „Ursel, schöner Name, muss es auch geben“ mit ins Programm ein, fragte nach ihrer Meinung und reagierte mit spontanen humorigen Bemerkungen.

„Mein Kopf stinkt vom Fisch her“, nahm er die Vielzahl der Dialekte und regionalen Besonderheiten aufs Korn. Flensburger seien Flaschen mit Schnappverschluss, Wiener und Frankfurter alles Würstchen.

In Weyhe schöpfte Petersen aus seinem gesamten Repertoire und hatte ein gut gelauntes Publikum an seiner Seite, das mit Applaus nicht sparte. Er bot eine satirisch vorausschauende gesellschaftspolitische Rückschau über richtige Irrtümer, ideologische Spielplätze, Hamburg, Weltretter, Tagespolitik und Probleme und Krisen von morgen, die gestern schon da waren. Seine Wortakrobatik breitete er über romantische Sturmfluten, Hochwasserhosen und alte Gräten im Kopf aus. Er blickte über seinen Beckenrand mit „stinkreichen“ Ideen aus Blankenese. Seine Geburt sei die erste Zwangsräumung gewesen. Das Ende ja noch offen.

Seine Mutter habe keinen „Helikopter“ gehabt, sie sei Fußpflegerin, „damit in Hamburg noch was geht“. Über Holzspielzeug habe er sich früher geärgert, „wo bleibt der Spaß, wenn man nichts kaputtmachen kann?“ In seiner Kindheit in Hamburg habe er in der Friedensstraße Krieg gespielt. Krieg würden wir ja nicht mehr selber führen, wir exportieren ihn. „Soweit wie heute waren deutsche Panzer noch nie“, so Petersen nachdenklich. Und weiter zur Weltpolitik: „Was der Putin kann, kann die Merkel schon lange, nur das Oben-ohne-Foto auf dem Pferd sollte Angela lassen.“

„Gedankenfreiheit ist bei manchen Menschen die Freiheit von Gedanken“, so Petersen in Richtung rassistischer Äußerungen. So kam auch das politische Tagesgeschäft an diesem Abend nicht zu kurz.

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