Lufthansa-Kapitän Rolf Stünkel geht in Rente

Nach 43 Jahren in der Luft: „Mein Abschied war hollywoodreif“

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Rolf Stünkel an seinem Piano. Darauf liegt seine besondere Kapitänsjacke, die er zum Abschied trug.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Shanghai, Peking, Mumbai, Riad, Kapstadt, Toronto, Chicago, Miami und São Paulo – die Liste der Städte, auf deren Flughäfen Rolf Stünkel aus dem beschaulichen Kirchweyhe in seinem Berufsleben als Pilot gelandet und gestartet ist, lässt sich mühelos fortsetzen. Der 65-Jährige hat insgesamt 22 500 Flugstunden gesammelt und war damit umgerechnet 2,5 Jahre konstant in der Luft. Kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand hat der Weyher – wie er sagt – ein „spektakuläres Abschiedsprogramm“ bei seiner letzten USA-Reise erlebt. „Das war hollywoodreif und ganz und gar nicht üblich“, sagt Stünkel, der als Autor mehrerer Werke über die Fliegerei Kenner der Szene ist.

Schon beim Abflug in München habe der Kapitän eines Lufthansa-Airbus mit einer 43-jährigen fliegerischen Erfahrung eine angenehme Überraschung als Vorgeschmack erlebt. Seine Fliegerkollegen hatten eine seiner Dienstjacken ausgeliehen und etwas Besonderes schneidern lassen. „Meine Crew verpasste mir das goldschimmernde Jacket beim Briefing“, blickt Stünkel zurück und grinst: „Damit fällt man auf.“ Für den Flug nach Los Angeles durfte er einige Positionen seiner Crew mit langjährigen Freunden besetzen – und privat sei auch seine Frau Miriam mitgeflogen. In den USA angekommen, habe das Team der Mietwagenstation Stünkel hochleben lassen, ebenfalls wie die Mitarbeiter an der Hotelrezeption.

Als es wieder zurück nach Deutschland ging, staunte er nicht schlecht. Während der Weyher noch die Checkliste durchgeht, bekommt er einen Funkspruch vom Tower mit persönlichen Worten: Lieber Kapitän Stünkel, herzlichen Glückwunsch zur Pensionierung. Vielen Dank für die jahrzehntelange gute Zusammenarbeit.“ Es habe ihn schier umgehauen. Dazu bekam der Jet eine Eskorte. Am Ende des Rollwegs grüßt der Mitarbeiter militärisch zum Cockpit rauf. „Das war wie bei Top Gun und meinte Good Bye, Sir“. „Obgleich meine Airline weltweit bedeutend ist, ist die Lufthansa auf dem Weltflughafen Los Angeles im Vergleich nur eine kleine Mücke.“ Und trotzdem boten die Lotsen dort dieser deutschen „Mücke“ an, eine von vier Startbahnen persönlich auszusuchen. „Das ist im eng getakteten Verkehr nicht üblich und war ein liebevolles Abschiedsgeschenk. Man nimmt sonst die zugewiesene Bahn und hält die Schnauze.“ Stünkel um 18.40 Uhr hob der vierstrahlige Airbus D-AIHU mit der Typenbezeichnung 340-600 ab. Stünkel steuerte in der Abendsonne an Long Beach vorbei. „Der Containerhafen und Downtown von LA lagen auf meiner Seite“.

Der Kapitän in Gold und seine Crew.

Auf dem Rückflug hatte die Crew einen kleinen Schabernack vorbereitet. „Das VIP-Programm ging weiter“, so Stünkel. In seiner Pause bat ihn Purserette Ana Röpke aus Kirchweyhe und Purser Christoph Wagner aus Langwedel auf einem Servierwagen Platz zu nehmen. Unter Beifall der Gäste schoben sie ihn durch die Gänge des 70 Meter langen Fliegers – einmal hin und dann wieder zurück. Dazu schallte sein fliegerischer Lebenslauf durch die Lautsprecher. Erst auf Deutsch, dann auf Englisch. Die Fluggäste hörten, wie der in 1954 in Hildesheim geborene Stünkel eigentlich aus Liebeskummer zur Fliegerei kam. Der Zeitsoldat auf der Gorch Fock fing mit Fallschirmspringen an, als eine Freundin ihm den Laufpass gab. Damit infizierte er sich mit dem Virus Fliegerei. Er bewarb sich damals beim fliegerischen Dienst der Marine und wurde in Bayern, Texas und Arizona zum Bundeswehr-Piloten ausgebildet. Starfighter, Alpha-Jet und der erste Tornado waren seine Jets. Nach der Familiengründung wechselte er vor 29 Jahren in die zivile Luftfahrt und absolvierte in nur einem halben Jahr die Theorieausbildung, um bei der Lufthansa als Pilot einzusteigen.

Berufsflieger Rolf Stünkel: Ein Leben im Cockpit

Berufsflieger Rolf Stünkel: Ein Leben im Cockpit

Zurück zu seinem Abschiedsflug. „Gäste in allen Klassen, in der Economy, Premium Economy oder Businessclass, waren den Tränen nahe. Ich bin wie der Papst durch die Kabine gerollt. Die Gäste waren außer sich vor Freude.“

Mit einer Wasserfontäne in den Ruhestand.

Nach einer Ruhezeit habe er schließlich einen der anderen beiden Piloten im Cockpit abgelöst.

Die nächste Überraschung ließ selbst einen erfahrenen Kapitän staunen, wie er sagt: Im Anflug auf München hatte der Lufthansa-Flieger im deutschen Luftraum nicht mehr das Rufzeichen LH 453 sondern hieß „Captain Sunshine“. Das haben die Fluglotsen so bestimmt, und in Bayerns Hauptstadtflughafen habe Stünkel wieder eine Landebahn auswählen dürfen.

„Ein letztes Mal habe ich den 300 Tonnen schweren Flieger von Hand gelandet. Das war ein schönes Gefühl, das wird im restlichen Leben nicht mehr vorkommen“, so Stünkel weiter. Am Eingang zum Vorfeld bekam der Flieger eine Dusche: Zwei Feuerwehrfahrzeuge schossen eine Wasserfontäne ab. Im Schritttempo ging es durch den Wasserbogen. „Ich verlor für einen Moment die Fassung. Mir kamen die Tränen. Der Copilot musste übernehmen, weil ich nichts mehr sehen konnte.“ Mit tränenerstickter Stimme habe er sich beim Tower bedankt – dann brandete schon Applaus aus der Passagier-Kabine auf.

43 Jahre als Berufspilot: Rolf Stünkels Fotoalbum

 © Archiv Rolf Stünkel
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Ein Empfang mit Größen aus der Lufthansa-Flottenführung sowie weiterem fliegerischem Personal in der Münchner Basis des Konzerns rundete den Tag ab. „Alle nahmen mich herzlich in den Arm, alle wollten Selfies haben. Ich kam mir vor wie ein Popstar.“ Dieser Abschied habe alles gesprengt, „was ich je gehört habe“, so Stünkel. Der Fliegerei will er treu bleiben – die Flugzeuge werden nur mehrere Nummern kleiner sein. Er will Cessnas steuern.

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