Mario Peters kümmert sich um Hamburger Museumsschiff MS „Bleichen“

Hobby unter der Wasserlinie

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Auf der MS „Gertrud Rust“ fuhr Mario Peters als Maschinist zur See. Sie ist baugleich zum Museumsschiff MS „Bleichen“ (im kleineren Maßstab als Modell darüber), auf der Mario Peters regelmäßig ehrenamtlich als Maschinist tätig ist.

Erichshof - Von Heiner Büntemeyer. Mario Peters ist Gründungsmitglied des Vereins „Freunde des Stückgutfrachters MS ,Bleichen‘“. Der Seemaschinist aus Erichshof ist zwar während seiner Dienstzeit nie auf der MS „Bleichen“ gefahren, aber er kennt sich mit diesem Schiffstyp aus, denn er fuhr auf dem baugleichen Schwesterschiff „Gertrud Rust“.

Zwischen 1958 und 1961 baute die Nobiskrug-Werft in Rendsburg diesen Schiffstyp in Serie. Die MS „Bleichen“ wurde als Stückgutfrachter vorwiegend im Ostsee-Verkehr eingesetzt. Daher erhielt sie auch einen extra starken Rumpf für die Eisfahrt.

Regelmäßig transportierte sie Stückgut nach Schweden und Finnland und brachte als Rückfracht Zeitungspapier in Rollen und Schnittholz nach Hamburg. 1970 wurde das Schiff an einen italienischen Eigner verkauft, der die MS „Bleichen“ in „Canale Grande“ umtaufte. 1979 erwarb ein türkischer Reeder den Frachter und setzte ihn unter dem Namen „Old Lady“ im Schwarzen Meer und im Mittelmeer ein.

2007 drohte dem 93 Meter langen und 2219 Bruttoregistertonnen großen Schiff, einem der letzten klassischen Stückgutfrachter mit eigenem Ladegeschirr, die Verschrottung. Um es davor zu bewahren, wurde der Verein „Freunde des Stückgutfrachters MS ,Bleichen‘“ gegründet, dem inzwischen 170 Mitglieder angehören. Am historischen Schuppen 50 im Hamburger Freihafen bekam er einen Liegeplatz und ist jetzt als fahrbereites Museumsschiff Bestandteil der Stiftung „Hamburg Maritim“.

Damit dieses Schiff fahrbereit bleibt, verpflichten sich die Mitglieder zu ehrenamtlicher Arbeit an Bord. Dort gibt es einen Wachplan, in den sich die „Wachgänger“ eintragen.

Mario Peters meldet sich etwa alle Vierteljahre für eine Woche Wachgang an. Er ist einer der letzten, die mit diesem Schiffstyp gefahren sind und arbeitet wie früher „unter der Wasserlinie“. Dort liegt der voll funktionstüchtige 1800 PS starke Achtzylindermotor. Er wurde damals nicht verkleidet, so dass die Maschinisten – und heute auch die Besucher – während der Fahrt das Ventilspiel beobachten können. Dabei muss jedes der insgesamt 16 Ventile alle 20 Minuten von Hand mit einer Ölkanne abgeschmiert werden.

In diesem Jahr erhielt die MS „Bleichen“ den Denkmalstatus und damit Anspruch auf Fördergelder. Damit kann jetzt eine gründliche Überholung in der Werft erfolgen. „Aber die Innenarbeit bleibt weiterhin Aufgabe der Mitglieder“, erklärt Mario Peters.

Da sich das Museumsschiff trotz der Mitgliedschaft in der Stiftung „Hamburg Maritim“ finanziell selbst tragen muss, gibt es regelmäßig Führungen. Es dient als Kulisse für Film- und Fernsehaufnahmen, und der Laderaum „Luke II“ wurde zu einem Veranstaltungsraum ausgebaut. Dort gehen Konzerte, Lesungen und Ausstellungen über die Bühne. Auch für private Feiern ist der Raum buchbar. „Händeringend“ sucht der Verein weitere Mitstreiter, die an Lehrgängen für die Arbeit an Bord teilnehmen können. „Es ist ein sehr abwechslungsreiches Hobby an einem wunderbaren Arbeitsplatz“, schwärmt Peters.

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