Maria Pachali schwärmt für Gedrucktes und will Kinder und Jugendliche für Bücher begeistern

Millionen-Projekt statt zweiter Fahrstuhl

In ihrem Wohnzimmer zeigt sich: Bücher haben im Leben von Maria Pachali einen großen Stellenwert.
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In ihrem Wohnzimmer zeigt sich: Bücher haben im Leben von Maria Pachali einen großen Stellenwert.

Weyhe – Lesen gehört für Maria Pachali zum Leben ebenso dazu wie die Luft zum Atmen. Die 72-Jährige aus Leeste verbringt in der Woche viele Stunden damit, Zeitungen und Bücher zu lesen. Wie tickt jemand, die sich seit Jahren dafür einsetzt, junge Menschen von Handys wegzubekommen, und deshalb einen Verein gegründet hat?

„Bücher entführen uns in neue Welten“, sagt sie. Die Lektüre von Zeitungen sei ebenfalls wichtig und müsse ebenso gefördert werden. „Zeitungen geben mir die Möglichkeit, Zusammenhänge zu verstehen und nachzuvollziehen, wie etwas funktioniert.“

Wer Maria Pachali über ihre Lesegewohnheiten reden hört, merkt schnell, welch hohe Bedeutung sie dem gedruckten Wort beimisst. Allein die Zeitungslektüre nehme täglich viel Zeit ein. „Ich studiere jeden Tag die Lokalseiten der Kreiszeitung“, sagt sie. „Ich will ja wissen, was in der Region passiert.“ Für den Blick über den sprichwörtlichen heimischen Tellerrand blättert sie regelmäßig in der Süddeutschen sowie im Spiegel und Zeit. Darüber hinaus verschlinge sie Buch um Buch, die dann in den Regalen im Wohn- oder Arbeitszimmer landen. Kürzlich hatte sie sich mit einem dicken Wälzer beschäftigt, der die Gewerkschafter im Eisenbahnwesen beleuchtet.

Man müsse sich ganz schön anstrengen, um junge Leute fürs Lesen zu begeistern. Diese Erkenntnis sei 2012 die Ausgangslage gewesen, um vor fast einem Jahrzehnt den Leselust-Förderverein der Gemeindebibliothek zu gründen.

Maria Pachali ist seit der Gründung des Vereins Vorsitzende. Die Leesterin blickt zurück: Seit den Anfängen hat sich viel getan. Das von ihr und ihren Mitstreiterinnen formulierte Ziel, einen barrierefreien Zugang zur Gemeindebibliothek zu bekommen, sei nicht nur erreicht, sondern um ein Vielfaches übertroffen. Dass mit dem neuen Kultur- und Bildungszentrum am Henry-Wetjen-Platz am Ende ein Prestige-Millionen-Projekt herauskommt, hätten Pachali und ihre Mitstreiter damals nicht zu träumen gewagt.

Nach ihrem Geschmack hätte die Gemeindebibliothek, die vor der Schulsanierung in der KGS Leeste im Obergeschoss untergebracht war, mehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen müssen. Sie habe das Image einer Schulbücherei gehabt, sagt Pachali. Außerdem sei der einzige Fahrstuhl im Gebäude nicht erreichbar, denn zahlreiche Zwischentüren waren nach Schulschluss verschlossen. Ideen waren unter anderem damals, die Räume Bücherei im Obergeschoss und Lehrerzimmer im Erdgeschoss zu tauschen. Oder einen weiteren Fahrstuhl einzusetzen. Schließlich habe der damalige Bürgermeister Andreas Bovenschulte beim Thema Neugestaltung des Henry-Wetjen-Platzes eine Bücherei samt Café und Neubau eines VHS-Gebäudes neben der Alten Wache ins Spiel gebracht, sagt sie. Die Gemeinde hatte angekündigt, gegenüber der Marienkirche mit dem neuen sozialen Zentrum etwas Einmaliges in der Region entstehen lassen. Und das neue Gebäude nehme schon Formen an.

Das Innenleben soll vom „Rockstar des Bibliothekenwesens“ (Bovenschulte), gemeint ist der niederländische Planer Aat Vos, gestaltet werden. Er habe die Wünsche des Fördervereins ebenso in die Planung einbezogen, wie die Anregungen der Mitarbeiter der Gemeindebibliothek und des Rathauses. Pachali begrüße das Ziel, einen Treffpunkt in der Wesergemeinde entstehen zu lassen, der Aufenthaltsqualität und Raum für Kreativität biete, so Pachali.

Was ihr in dem Gebäude besonders wichtig ist? Es gehe darum, immer wieder Möglichkeiten der Begegnungen und des Austausches zu schaffen. So war es Pachali wichtig, im Obergeschoss einen Raum zu bekommen, den man zum Beispiel für Lesungen und andere Veranstaltungen umbauen kann. „Die Bücherregale dort werden auf Rollen stehen. Die kann man schnell wegschieben.“

Es werde aber nicht nur eine Einrichtung sein, in der Bücher ausgeliehen werden. Es stehen den Nutzern auch Medien zur Verfügung wie zum Beispiel DVDs oder Tonies, die es bereits in der Gemeindebibliothek in Kirchweyhe gibt. Die Bücherei ist ebenerdig in der KGS Kirchweyhe untergebracht und sei auch von Rollstuhlfahrern zu erreichen. Was ihr in diesen Räumen besonders gefällt? Die Leiterin Joanna Zamejc und ihr Team habe eine „richtig gute Abteilung für Kinder eingerichtet“.

Die werde sicherlich nach Leeste umziehen. Darüber hinaus soll das Haus am Henry-Wetjen-Platz eine „Bibliothek der Dinge“ werden. Maria Pachali kann sich vorstellen, dass zum Beispiel Kinder und Jugendliche Experimentierkästen ausleihen können, um erste naturwissenschaftliche Versuche selbst anzugehen und nicht auf die im Physik-, Chemie- oder Biologie-Unterricht zu warten. Mit so etwas bekomme man sowohl Mädchen als auch Jungen vom Handy weg. Und wenn sie experimentieren und neugierig sind, liege es nahe, in Bücher zu schauen, die das neu erworbene Entdeckerwissen vertiefen, so das Kalkül von Pachali.

Von Sigi Schritt

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