Land will Geräte für Klassenräume fördern

Marco Genthe: Sommerferien nutzen, um Lüftungsanlagen einzubauen

Hätten vor Monaten durch Eltern bereits Lüftungsanlagen bekommen können: Klassenräume der Paul-Maar-Grundschule in Sudweyhe.
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Hätten vor Monaten durch Eltern bereits Lüftungsanlagen bekommen können: Klassenräume der Paul-Maar-Grundschule in Sudweyhe.

Der Landtagsabgeordnete Marco Genthe (FDP) erneuert die Forderung an die Weyher Verwaltung, Klassenräume mit Lüftungsanlagen auszustatten. Das Rathaus verkündet auf Anfrage, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Es lenkt jetzt den Fokus auf Kitas. Ein Planungsbüro soll zudem Aufwand und Nutzen für eine Weyher Grundschule klären. 

Weyhe – Vergeblich hatten Eltern von Schülern der Grundschule Sudweyhe im Frühjahr versucht, Klassenräume mit jenen mobilen Lüftungsfiltern auszustatten, die in der Nachbarstadt Bremen eingesetzt werden. Die Eltern wollten das sogar auf eigene Kosten tun. Die Gemeindeverwaltung hatte aber ein Veto eingelegt, auf das Land verwiesen und hielt weiterhin nur am regelmäßigen Stoßlüften fest (wir berichteten).

Hat sich die Haltung der Gemeinde geändert, nachdem Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) laut Landtagsabgeordneter Marco Genthe (FDP) eine Kehrtwende vollzogen hat?

Stephan Weil hatte kürzlich laut Agentur deutlich gemacht, dass das Land nach anfänglicher Zurückhaltung nun doch in Sachen Luftfilteranlagen für Klassenräume investieren wolle. Lange sei der Nutzen auch unter Experten umstritten gewesen. Mittlerweile habe sich, so Weil, eine vorherrschende Meinung herausgebildet, die den Geräten eine hohe Wirksamkeit bescheinige. Das Land werde darauf reagieren und in den Ferien die Gelegenheit nutzen, um zahlreiche Klassenzimmer mit Luftfilteranlagen auszurüsten.

Der Landtagsabgeordnete Marco Genthe erinnert daran, dass vor Monaten die FDP im Gemeinderat dazu aufgefordert hatte, die Weyher Schulen mit Luftfilteranlagen auszustatten und pandemiefest zu machen. „Viele Elterninitiativen, wie an der Grundschule in Sudweyhe, forderten ebenfalls die Gemeinde auf, aktiv zu werden. Doch diese versteckte sich hinter Formalien und traute sich nicht, sich zu bewegen. Gleichzeitig stattete der ehemalige Weyher Bürgermeister Bovenschulte die Schulen in Bremen mit entsprechenden Geräten aus.“ Der Landtagsabgeordnete fordert, dass Weyhe jetzt die Sommerferien nutzen müsse, um mindestens die Grundschulen baulich coronafest zu machen. „Grundschüler können noch nicht geimpft werden und dürfen im Herbst nicht zum zweiten Mal zu Corona-Verlierern werden. Die Verwaltung kann sich nicht hinter der Landesregierung verstecken, nachdem der Ministerpräsident Stephan Weil seine Meinung öffentlich geändert hat.“

Gefördert werden durch das Land ab jetzt aber nur 25 000 Klassenräume mit je 800 Euro für Ventilatoren. Ventilatoren helfen auch, da sie einen kontinuierlichen Luftaustausch ermöglichen. Luftfilteranlagen wären laut Genthe jedoch effektiver.

Was sagt die Gemeinde dazu? „Die Gemeinde Weyhe beschäftigt sich bereits seit geraumer Zeit mit dem umfänglichen Themenkomplex Lüftung in Corona-Zeiten und dem Einbau raumlufttechnischer Anlagen – auch wenn bislang eine Empfehlung des Landes dazu fehlte“, so Gemeindesprecher Sebastian Kelm. „Unser Fokus liegt allerdings nicht allein auf den Schulen, sondern richtet sich bereits auf den Kita-Bereich, der in der öffentlichen Diskussion über dieses Thema oft zu kurz kommt. In einem ersten Schritt soll daher geprüft werden, ob die Krippen-Modulbauten in Lahausen, Melchiorshausen und das Haus der Krippenkinder mit einer raumlufttechnischen Anlage ausgestattet werden können.“

Davon verspricht sich die Gemeinde einen doppelten Effekt und nicht nur einen Beitrag zur Pandemiebekämpfung. Damit würde einerseits die Raumluft ausgetauscht und gefiltert, andererseits würden dadurch die klimatischen Verhältnisse im Sommer und Winter verbessert.

In einem zweiten Schritt sollen Aufwand und Nutzen exemplarisch für eine Weyher Grundschule durch ein Planungsbüro ermittelt werden. Eine zentrale Anlage scheine aufgrund der erforderlichen Schaffung eines Lüftungsrohrsystems für das gesamte Gebäude schwer umsetzbar, dezentrale Anlagen könnten aber eine Option darstellen. Kelm betont an dieser Stelle, dass die erwähnten Bundesförderungen nur für stationäre dezentrale oder zentrale Neuanlagen gelten. Die vielfach geforderten mobilen Luftfilter-Geräte würden weiterhin nur in bestimmten Fällen empfohlen – und dementsprechend in der Regel auch nicht bezuschusst. Befürwortet werden sie lediglich für Unterrichts- und Betreuungsräume, bei denen gar kein externes Lüften über Fenster möglich ist. Und bei allen rund 350 infrage kommenden Räumen an den Kitas und Schulen in der Gemeinde Weyhe sei eine solche Möglichkeit gegeben.

Wie Ministerpräsident Stephan Weil bekannt gab, sollen zudem Luftfilteranlagen in den Jahrgängen 1 bis 6 über das neu aufgelegte Schutzausstattungsprogramm für Schulen gefördert werden.

„Die Bundesförderung für Luftfilter in Schulen kommt wie auch die Landesförderung sehr spät, aber sie kommt wenigstens“, so Genthe. Nun sei es Aufgabe der Landesregierung, ein möglichst schlankes Verfahren zur Verteilung der Mittel einzurichten. „Weitere Verzögerungen oder bürokratische Hürden kann sich niemand mehr leisten.“ Auch die Weyher Verwaltung sei aufgefordert, umgehend zu handeln. „Die Geräte müssen nach dem Sommer in den Schulen stehen“, betont Genthe.

Von Sigi Schritt

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