Nostalgie-Serie

Es war einmal in Weyhe: Mal eben in den Tante-Emma-Laden

Der 1914 erbaute große Konsum am Richtweg in Kirchweyhe um 1926, heute das Lokal Nico Der Grieche. Die Genossenschaft versorgte bis in die Nachkriegszeit die vielen Eisenbahner in dieser Gegend und Tante-Emma-Läden entstanden dort erst später.
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Der 1914 erbaute große Konsum am Richtweg in Kirchweyhe um 1926, heute das Lokal Nico Der Grieche. Die Genossenschaft versorgte bis in die Nachkriegszeit die vielen Eisenbahner in dieser Gegend und Tante-Emma-Läden entstanden dort erst später.

Weyhe –In Weyhe sorgen aktuell acht Supermärkte für die Grundversorgung der Bevölkerung. Tante-Emma-Läden sind heutzutage fast ausgestorben. Doch wie war es, als es sie in Weyhe an vielen Orten gab. Wo waren sie, was gab es zu kaufen und wer hat sie betrieben. Gemeindearchivar Wilfried Meyer wirft in dieser Serie einen Blick in die Vergangenheit. 

In Kirchweyhe sind es Rewe, Aldi, Lidl und Edeka, in Leeste Rewe und Netto. In Erichshof/Angelse Rewe und Aldi. Demnächst wird in Leeste auch noch Famila vertreten sein. Die östlichen Ortsteile Dreye, Ahausen, Sudweyhe und Jeebel sind ohne entsprechende Angebote.

Selbst in Sudweyhe habe sich kein Supermarkt halten können.

Längst vorbei ist die Zeit, in der kleine Lebensmittel-, Gemischt- und Kolonialwarenläden um die Ecke und zu Fuß erreichbar waren. Viele dieser Läden entstanden ab den 1920er-Jahren als sogenannte Tante-Emma-Läden. Nicht als Geschäftshaus erbaut, wurden Wohnräume einfach zu einem Verkaufsraum umfunktioniert. Oft waren es die Frauen, die dann anschließend das Geschäft betrieben. Während der Ehemann weiter seiner Arbeit nachging, versorgte die Frau die Nachbarschaft mit dem Nötigsten für Haus und Hof.

So entstand dieser gängige Name: Tante-Emma-Laden. Häufig befand sich auch die Wohnung des Inhabers unmittelbar hinter oder über dem Ladengeschäft, sodass ein verspäteter Kunde nach Ladenschluss einfach an der Wohnungstür klingeln und, wenn auch nicht erlaubt, doch noch etwas kaufen konnte.

Tante-Emma-Läden auch soziale Treffpunkte

Neben der Versorgung mit Lebensmitteln und Haushaltswaren entwickelten sich diese Läden auch zu sozialen Treffpunkten. Oft war dort schon bald ein Telefon vorhanden und dann diente dieser Anschluss häufig für die Erreichbarkeit der Bewohner in der Nachbarschaft. Üblicherweise zahlten die Kunden nicht gleich beim Einkauf, sondern ließen anschreiben und zahlten am Monatsende. Kinder erhielten gerne ein Stück Wurst oder durften sich einen Bonbon aus dem großen Glas nehmen. So schuf Tante Emma schon eine kleine Kundenbindung für die Zukunft.

In Weyhe gab es eine Vielzahl dieser kleinen Läden, die häufig schon einen Vorlauf hatten, wenn landwirtschaftliche Produkte wie Kartoffeln, Gemüse, Honig oder Milch bereits als Straßenverkauf stattgefunden hatte.

Eine Sonderstellung nahm in Kirchweyhe der 1914 eingeweihte Konsum am Richtweg ein, heute das griechische Restaurant von Nico. Diese Verbraucher-Genossenschaft aus Bremen nutzte die Ansiedlungen der vielen Eisenbahner und bot ihnen günstige Waren aller Art an. Kleine Nebenstellen des Konsums in der Bahnhofstraße, in der Alten Meierstraße und an der Appelallee entstanden später auch noch.

Durch Weltkriegs-Bombe komplett zerstört

In Leeste nahm das 1900 erbaute stattliche Kaufhaus von Johann Dunkhase am Henry-Wetjen-Platz, später der Eitmannsladen, eine ähnliche Funktion ein. Dort war im Grunde alles für den Bedarf der Bewohner zu bekommen. Es wurde 2007 abgerissen. In Dreye hatte das Geschäft von Friedrich Kaufmann eine ähnliche Bedeutung, dazu auch noch eine Gastwirtschaft mit Ausspann für Fuhrwerke. Das Anwesen erhielt 1944 einen Bombenvolltreffer und wurde total zerstört. Heute befindet sich im dortigen Neubau das Brotkörbchen. Im direkten Umfeld dieser früheren Kaufhäuser entstanden keine kleinen Tante-Emma-Läden.

Dieses Foto von einem typischen Tante-Emma-Laden lässt sich bisher nicht zuordnen. Es entstand um 1930, und in der Eingangstür ist der Name Firma Meyer erkennbar. Wer Näheres dazu weiß, kann sich bei Wilfried Meyer melden.

Einige örtliche Bäckereien erweiterten im Laufe der Zeit ihr Warenangebot und wurden zu Gemischtwarenläden. Genauso geschah es bei einigen Gaststätten, die ihren Kunden außer Getränken in einem angeschlossenen Laden auch Lebensmittel anboten. Diese Geschäfte kann man allerdings nicht als echte Tante-Emma-Läden vom Ursprung her bezeichnen.

In allen Weyher Ortsteilen gab es nach dem Zweiten Weltkrieg unzählige Stubenläden, wie es im Amtsdeutsch hieß. Das waren die kleinen Außerhausverkäufe, zumeist Eis oder Getränke. Niemand hatte eine Kiste mit Getränken im Keller oder Eis im Gefrierfach, wie es heute normal ist.

Aus einigen der Tante-Emma-Läden entwickelten sich in der Nachkriegszeit durch Um- und Erweiterungsbauten echte Geschäfte mit großen Räumen, Kühlzeilen und Schaufenstern. Häufig waren sie der Handelskette Edeka angeschlossen, die die Waren lieferte. Ausnahmen waren die Läden von der Familie Eggers/Wittrock am Richtweg, der durch Vivo beliefert wurde und der von Heinrich Böttcher an der Kleinen Heide. Er arbeitete mit der früheren Handelskette Spar zusammen.

Von Wilfried Meyer

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