Informationsveranstaltung zur Städtebauförderung

„Machen Sie Leeste zu einem neuen Melchiorshausen“

+
Weyhes Bürgermeister Andreas Bovenschulte möchte den Ortskern Leeste für die Zukunft öffnen, ohne mit Traditionen zu brechen. Er wolle mit den Leestern im Gespräch bleiben, sagt er.

Leeste - Von Heiner Büntemeyer. Gewöhnlich verlaufen Anliegerversammlungen in angespannter Atmosphäre. Ganz anders war das am Sonnabend der Fall, als das Förderprogramm für das Sanierungsgebiet „Ortskern Leeste“ vorgestellt wurde.

Die Verwaltung hatte dafür das ehemalige Gasthaus Amelung reaktiviert, das wahrscheinlich zum letzten Mal so viele Besucher beherbergte, denn es soll den Planungen zum Opfer fallen. Wehmut kam nicht auf, dafür eher eine sehr positive Erwartungshaltung seitens der Bürger. Eine 89 Jahre alte Nachbarin des Hauses formulierte das so: „Die haben viele gute Ideen, wenn sie das richtig machen, haben sie viel zu tun. Aber das wurde auch mal Zeit.“

Impro-Gruppe enttäuscht - sie hatten auf negative Gefühle gehofft

Von einer „Riesenchance“ sprach auch Bürgermeister Andreas Bovenschulte bei der Begrüßung. Wichtige Schritte seien schon unternommen worden, auch der weitere Weg sollte mit den Bürgern gegangen werden. Es gelte dabei, eine gemeinsame Idee zu realisieren und Entwicklungsschwerpunkte zu setzen. Traditionen seien zwar zu bewahren, doch der Ortskern sollte sich trotzdem für die Zukunft öffnen. Dabei gehe es um eine „Baukultur jenseits einzelner Objekte“, es gehe um ein Gesamtbild. „Lassen Sie uns im Gespräch bleiben“, wünschte sich der Bürgermeister.

Als Einstimmung auf die vielen folgenden Einzelgespräche sorgte das Bremer Improvisationstheater für unbeschwertes Vergnügen und Entspannung. Die Darsteller wollten wissen, mit welchen Gefühlen die Besucher gekommen waren – und wurden enttäuscht: „Neugier. Zuversicht. Erwartungen“, riefen die Zuhörer. „Richtig negative Emotionsgefühle“ wollte die Gruppe nach eigener Auskunft hören. „Die gibt‘s hier nicht“, lautete die Antwort. Der Aufforderung, wenigstens besondere Wünsche zu äußern, kamen die Leester aber nach: „Mit der Straßenbahn durch Leeste fahren“ lautete einer, „Fahrradförderung und Rolllator-Spur“ ein anderer.

Böttcherstraße? „Wir haben ja Böttchers Moor“

Ob sie denn nicht so etwas wie eine Böttcherstraße in Leeste haben wollten, wurden die Zuhörer noch gefragt. „Wir haben ja Böttchers Moor“, hieß es aus dem Publikum. Schließlich stellte das Ensemble in lockerer Form Melchiorshausen als „Paradieswunschort für viele Menschen“ dar und forderte die Zuhörer auf: „Machen Sie Leeste zu einem neuen Melchiorshausen! Machen Sie den Kopf frei für neue Ideen!“ Damit war der Weg frei für unbefangene Gespräche und offene Diskussionen vor den vielen Stelltafeln, die das Planungsbüro aufgestellt hatte.

Stadtplaner Steffen Nadrowski hob aus dem Gesamtkonzept einige Objekte besonders hervor. Dazu zählte der Henry-Wetjen-Platz, an dem die Arbeiten beginnen, sobald die Rettungswache ausgezogen ist. Viel Beifall gab es für seinen Hinweis, das geplante Augenzentrum werde nur 60 statt 40 Meter lang und das Staffelgeschoss zunächst nicht gebaut. Bei der Klinkerfarbe werde man sich an der Kirchenfassade orientieren. Der Platz könne zu einem Kultur- und Bildungszentrum werden, weil auch die Bibliothek dorthin ziehe und Räume für die Volkshochschule entstünden.

Besucher belagern die Planungsskizzen

Der zweite Schwerpunkt sei der „Leister Platz“, der seinen Standort im Bereich des Gasthauses Amelung erhalte, wo ein „quirliger Dorfplatz“ mit Gastronomie, Dienstleistungen und Ladengeschäften entstehen soll. Nadrowski forderte die Besucher auf, sich an der Planung zu beteiligen; einzubringen, was ihnen wichtig sei. „Es geht nicht nur um Einzelobjekte, es geht auch um Atmosphäre und Baukultur, also um mehr als Baumaterial und Dachformen“, motivierte er die Zuhörer.

Sofort war der Tisch mit den Planskizzen belagert, wo die Besucher ihre Vorschläge, Anregungen, Ideen und Wünsche notierten und in die Skizzen einzeichneten. Dazu zählte auch die Idee von Dieter Verhey, den „Leister Platz“ nach dem Vorbild der Stadt Bohmte zu einem „shared space“ umzugestalten und auf Verkehrsschilder zu verzichten. Schon nach knapp einer Stunde war die für die Vorschläge bereitgestellte Box randvoll, viele Bürger nutzten die Chance zu persönlichen Gesprächen mit den Vertretern der Gemeinde sowie mit Roman Brutscher, dem Sanierungstreuhänder der Niedersächsischen Landgesellschaft.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Bilder: Nordamerika im Bann der totalen Sonnenfinsternis

Bilder: Nordamerika im Bann der totalen Sonnenfinsternis

Europa sucht Barcelona-Terroristen

Europa sucht Barcelona-Terroristen

Aufbau beim Reload-Festival 2017

Aufbau beim Reload-Festival 2017

Zeig mir, wie du wohnst und ich sage dir, wer du bist

Zeig mir, wie du wohnst und ich sage dir, wer du bist

Meistgelesene Artikel

Barnstorfer Ballon-Fahrer-Festival: Happy End am Himmelszelt

Barnstorfer Ballon-Fahrer-Festival: Happy End am Himmelszelt

Ballon-Fahrer-Festival: Fantastische Aussichten nicht nur in der Luft

Ballon-Fahrer-Festival: Fantastische Aussichten nicht nur in der Luft

55. Dümmerbrand in Hüde: Feuerwerk mit besonderem Charme

55. Dümmerbrand in Hüde: Feuerwerk mit besonderem Charme

Viel Wein – und sehr viel Regen

Viel Wein – und sehr viel Regen

Kommentare