Bisher 106 Produktionen

Weyher Theater freut sich über Kulturpreis 2018

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Stoßen immer wieder auf erfolgreiche Premieren an: (v.l.) Dramaturg Frank Pinkus, Geschäftsführer Heinz-Hermann Kuhlmann und Intendant Kay Kruppa.

Weyhe - Von Anke Seidel. Lachen kann ein sehr ernstes Geschäft sein – nämlich dann, wenn ein nicht subventioniertes Theater mit immer wieder neuen Aufführungen immer wieder ein möglichst großes Publikum begeistern will und muss. Mit locker-leichten Boulevard-Komödien, einer bunten Mischung aus schwungvoller Musik, frivoler Komik und auch bittersüßen Wechselfällen des Lebens gelingt das dem Weyher Theater seit 18 Jahren – die Besucherzahlen beweisen das. Der Landkreis Diepholz belohnt diese Leistung jetzt mit dem Kulturpreis 2018.

„Donnerwetter, dankeschön!“, schildert Intendant Kai Kruppa seine Reaktion auf den Anruf des Landrates, dass diese Auszeichnung an das Weyher Theater geht. „Ich war sprachlos“, fügt Dramaturg Frank Pinkus hinzu. „Denn dass ein erfolgreiches privates Theater so eine Auszeichnung bekommt, ist ungewöhnlich“, sprich kulturpolitische Anerkennung für Boulevard-Komödien eher die Ausnahme. „Das ist aber in Amerika und England völlig anders“, blicken beide auf die Theaterszene in anderen Ländern.

Spende geplant

Ungewöhnlich ist ebenso, dass die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung des Landkreises Diepholz an einem Dienstag vergeben wird. Aber es ist der einzige Tag in der Woche, an dem die Bühne des Weyher Theaters leer bleibt – in der Regel zumindest. „Wir haben sechs Vorstellungen pro Woche, von Mittwoch bis Sonntag“, erklären Kai Kruppa und Frank Pinkus. Sie freuen sich auf die Kulturpreis-Verleihung am 16. Oktober und kündigen schon jetzt an: „Wir werden das Preisgeld spenden.“ An welche Organisation, das stehe noch nicht fest.

106 Produktionen haben bisher das Programm des Weyher Theaters geprägt – getragen von einem Team aus 60 Mitarbeitern. „Vom Einlass bis zum Schauspieler“, beschreiben Kruppa und Pinkus die Zusammenarbeit auf Augenhöhe – und das Ziel, das alle verfolgen, mit dem Anspruch: „Die Zuschauer sollen den Theatersaal glücklicher verlassen, als sie ihn betreten haben.“ Menschen den Alltag mit all seinen Sorgen und Herausforderungen für einige Stunden vergessen zu lassen, ist eine Kunst – und harte Arbeit.

Genau die honoriert das Publikum nicht immer. Die britsche Komödie „Schlafzimmergäste“ ist der Beweis: „Da waren die Leute stinksauer und böse“, blicken Kruppa und Pinkus zurück. Das Stück aus der Feder eines britischen Autors sei vielen zu bitterböse und viel zu zynisch gewesen: „Das ist etwas, das unser Publikum nicht mag.“

3.500 Abonnenten

Dass alle anderen Produktionen nach dem Geschmack des Publikums waren, beweist die Zahl der Abonnenten: 3 500 Besucher sitzen regelmäßig im Saal, wenn die – durchweg ausgebildeten – Schauspieler auf der Bühne in Weyhe agieren.

Sechs Wochen lang fünf Tage pro Woche mit jeweils drei bis acht Stunden Probe: So lange dauert es, bis ein neues Stück perfekt sitzt und Premiere gefeiert werden kann. Wie am 24. August mit der Komödie „Plötzlich Papa“, die Frank Pinkus und Kai Kruppa gemeinsam geschrieben haben. Es ist die Geschichte eines älteren Mannes, der ein neues Kapitel in seinem Leben aufschlägt – und mit seiner Freundin zusammenzieht. Wenn dann zwei „erwachsene“ Söhne vor der Tür stehen, von denen Papa bisher keine Ahnung hatte, dann ist beste Unterhaltung à la Pinkus-Kruppa garantiert.

60. 000 Besucher allein bei „Cash“

Denn das Duo hat bereits zahlreiche Stücke gemeinsam geschrieben, die das Publikum begeistert haben – wie „Cash“, das Theaterstück über das Leben der Countrymusic-Legende Johnny Cash, verknüpft mit seinen Hits. Mit dieser Produktion haben die Autoren nicht nur einen enormen Erfolg, sondern auch ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Denn der Vorverkauf lief extrem schlecht.

„Die Leute haben gesagt: Was soll das denn?“, erinnert sich Pinkus. „Aber was wir bei der Premiere erlebt haben, war der Wahnsinn. Die Leute waren total aus dem Häuschen“, sagt Kruppa. In den insgesamt 189 Aufführungen haben in fünf Jahren rund 60 000 Menschen dieses Stück gesehen.

Doch die Autoren erlebten am Ende einen schrillen Schlussakkord, weil sich die juristischen Bestimmungen für die Rechte an der Musik geändert und extrem verkompliziert hatten. Das umjubelte Stück musste abgesetzt werden, die Nachfrage aber blieb. Deshalb konzipierte das Duo den musikalischen Abend „I walk the line“ und schnitt ihn auf die rechtlichen Anforderungen zu.

Weil genau die bei traditionellen Volksliedern nicht greifen, folgte eine amüsante, musikalische Reise nach Irland – mit einem Pub auf der Bühne. „Ein Traum von Irland“ war ein so großer Erfolg, dass mit „Für immer Irland“ jetzt eine Fortsetzung zum Programm gehört.

Glückszahl lautet 313

313 – das ist übrigens die Glückszahl von Kruppa und Pinkus, weil mit dieser Besucherzahl alle Plätze im Saal besetzt sind. „Mit mehr als 300 Vorstellungen pro Jahr haben wir eine Auslastung zwischen 80 und 90 Prozent“, beschreiben sie ihre Erfolgsquote. Und arbeiten an einer Fortsetzung: Intendant und Dramaturg haben die Spielzeit 2019/20 bereits in Planung.

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