Straßenbauverwaltung Nienburg lässt an der B 6 mehrere Bäume fällen / Bürger skeptisch

Lindenallee in Melchiorshausen ausgedünnt

Sind stumme Zeugen der Fällaktion: Dieses Teilstück des Stamms befindet sich noch an der Bundesstraße 6. Der Stumpf ist außerdem übrig geblieben. Fotos: Sigi Schritt

Weyhe - Von Sigi Schritt. Die Allee der Bäume entlang der Bundesstraße 6 in Weyhe ist kürzlich um einige stattlich wirkende Bäume ärmer geworden: Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hat im Rahmen einer Ausschreibung ein Unternehmen beauftragt, insgesamt neun Linden und eine Birke zu fällen. Die Bäume ragten allesamt im Ortsteil Melchiorshausen in die Höhe – nun sind nur noch ihre dicken Stämme sowie die Stümpfe übrig geblieben.

Diese Fällaktion bewerten einige Bürger kritisch. Eine ausgedünnte Allee findet Tobias Werner grundsätzlich „nicht so gut“. Der 35-Jährige ist Unternehmer und unterhält einen Garten- und Landschaftsbaubetrieb. Wenn Bäume wegmüssen, dann müsse das so sein. Er wünscht sich, dass an gleicher Stelle wieder Bäume gesetzt würden.

Der Melchiorshauser selbst sei nach eigenen Angaben kein sogenannter Baumdoktor, also ein Spezialist, der mit Geräten die Stämme untersucht und unter anderem aufgrund von Messungen einschätzen kann, wie es um den Stamm bestellt ist. Solch ein Spezialist hatte kürzlich in Leeste einen Einsatz, bevor eine große Eiche an der Leester Straße gefällt wurde (wir berichteten). Dieser Spezialist hatte vor Wochen im Stamm – in einer bestimmten Höhe – Fäulnis festgestellt.

Die Schnittflächen sehen sauber aus, so Tobias Werner. Er hofft, dass sich Menschen zuvor Gedanken gemacht haben, ob jeder einzelne Baum noch hätte stehen bleiben können.

Das sei geschehen, versichert Uwe Schindler, Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Das Vorhaben sei auch mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. Wie Andine Sieling, Leiterin der Straßenmeisterei Vilsen, ergänzt, gebe es in jedem Jahr Unterhaltungsmaßnahmen. In diesem Rahmen würden Straßenwärter sich auch die Bäume vornehmen und dabei kontrollieren, ob sich zum Beispiel sogenanntes Totholz in der Krone befindet. Das sei auch der Grund für den Einsatz gewesen.

Die Bäume in Melchiorshausen hätten zudem Probleme mit Pilzen gehabt, so Andine Sieling. „Einige Straßenwärter haben eine Zusatzausbildung und sind zertifizierte Baumkontrolleure.“ Anders als in privaten Gärten müsste die Straßenmeisterei zum Beispiel auf die Verkehrssicherheit achten. Auch sogenannte Stockausschläge würden Radfahrer beeinträchtigen, die seien nie alleine der Grund für eine Fällaktion, hieß es. Dem Urteil ihrer Kollegen vertraue sie, sagt Sieling. Die fraglichen Bäume wurden markiert und dann entsprechend gefällt.

Weder die Straßenmeisterei noch die Straßenbauverwaltung seien für die Baumstämme zuständig. Wer dieses H kleinsägen möchte, brauche sich nicht mehr an diese Ämter zu wenden, so Sieling. Eine Firma aus Emsdetten habe nicht nur die Bäume gefällt, sondern zum Auftrag gehöre „auch die Entsorgung“.

Tobias Werner ist offenbar nicht der Einzige, der sich für eine Neuanpflanzung ausspricht. Auch Ute Landsberg, die auf dem Weg zur Arbeit von Gessel nach Bremen unterwegs ist, schätzt den Alleecharakter der Straße. Sie möchte, dass neue Bäume gepflanzt werden. Dieser Ansicht ist auch Jasmin Timm. Die Natur sei schon in vielen Regionen kaputt, findet die Melchiorshauserin. Deshalb sei es wichtig, wenn neue Linden oder andere Arten gesetzt werden würden.

Diesem Wunsch will offenbar die Behörde entsprechen, so Andine Sieling. Ob es wieder Linden werden, bleibt allerdings fraglich. Die Straßenmeisterei habe Listen, welche Arten sich für den Streifen zwischen dem Melchiorshauser Radweg und der viel befahrenen Straße eignen würden. Doch neue Bäume könnten frühestens im Herbst gesetzt werden. Möglicherweise geschieht das auch an einer ganz anderen Stelle, weil der schmale Streifen nicht passt, so Sieling. Zuvor müssten aber noch die Stümpfe weggefräst werden, kündigt die Leiterin der Straßenmeisterei an.

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