1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Weyhe

Linde „geringelt“: Gemeinde spricht von „versuchtem Baummord“

Erstellt:

Von: Sigi Schritt

Kommentare

Nur eine einzige Linde am Fuhrenkamp in Melchiorshausen wurde so angesägt, um laut Grünplaner Florian Mategka ein Absterben zu erreichen.
Nur eine einzige Linde am Fuhrenkamp in Melchiorshausen wurde so angesägt, um laut Grünplaner Florian Mategka ein Absterben zu erreichen. © Sigi Schritt

Mitarbeiter der Gemeinde sind entsetzt: Unbekannte haben einen Baum mutwillig angeritzt und ihn durch dieses „Ringeln“ geschädigt.

Weyhe - Unbekannte haben in Weyhe an der Straße am Fuhrenkamp einem Baum einen enormen Schaden zugefügt: In einer Höhe von etwa 30 Zentimetern über dem Boden zeigen sich Spuren eines Schnittes, der laut Grünplaner Florian Mategka von einer Kettensäge stammen muss.

„Versuchter Baummord“

Dieser Schnitt geht einmal um den Stamm herum. „Dieser Baum wurde vorsätzlich und mit einem tiefen Einschnitt geringelt“, sagt der Grünplaner. Gemeindemitarbeiter sind so entsetzt, dass sie in ihrer offiziellen Pressemitteilung sogar von einem „Versuchten Baummord“ spricht.

Linde nachhaltig geschädigt

Laut Gemeinde steht fest, dass durch das „Ringeln“ die 20 bis 25 Jahre alte Linde „in der Entwicklung nachhaltig geschädigt“. Der Rathausmitarbeiter äußerte sich entsetzt über diese Tat. Er glaubt, dass es das mutmaßliche Ziel des Täters gewesen ist, ein Absterben der Linde zu erreichen. Diese Tat dürfte im Herbst des vergangenen Jahres erfolgt sein, schätzt der Grünplaner.

„Auffällige Wundverletzungen“

Bei Pflegearbeiten hatte kürzlich die ausführende Firma an diesem Lindenstamm laut Gemeindesprecher Sebastian Kelm „auffällige Wundverletzungen“ entdeckt. Diese Firme meldete ihre Beobachtung nach der Schilderung des Rathausmitarbeiters umgehend der Gemeinde.

Die Linde verhinderte selbst ein Absterben. „Sie hat die Verletzungen an der Rinde und am Stamm überlebt und treibt neu aus“, ergänzt Grünplaner Florian Mategka. Der Baum ist etwa neun Meter hoch, und die Krone ist etwa fünf Meter im Durchmesser.

Melchiorshauser Baum wird jetzt regelmäßig kontrolliert

Dieser Baum wird regelmäßig von der Gemeinde kontrolliert: Am Donnerstagmittag schaute die Streckenkontrolle der Gemeinde vorbei. Zudem überprüft Baumkontrolleur Michael Röhrs die Linde. Falls sie doch absterben sollte, wird an selber Stelle ein adäquater Ersatz gepflanzt, kündigt der Grünplaner an. Der Baum habe einen Wert von rund 4 000 Euro, hieß es.

Gemeinde verfolgt Null-Toleranz-Strategie

Die Gemeinde verfolgt eine Null-Toleranz gegenüber Sachbeschädigungen und bittet Zeugen um Hinweise.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen beschreibt auf ihrer Homepage, wie Ringeln funktioniert und weshalb es nützlich sein kann: „Im Naturschutzbereich wird die Ringelung zum Teil zur Bekämpfung von gebietsfremden invasiven Baumarten praktiziert, die sich sonst durch Wurzelbrut und/oder Stockausschlägen innerhalb kürzester Zeit wieder vermehren würden (Götterbaum, Eschenahorn, Robinie, Essigbaum, Aspe). Häufig geht man dabei in zwei Schritten vor: Im ersten Jahr wird der Stamm bis auf eine kleine Leiste geringelt, sodass der Baum nicht „bemerkt“, dass er geschädigt wurde, da ja noch Säfte (wenn auch reduziert) zur Wurzel gelangen. Im zweiten Jahr verbraucht der Baum seine gesamten Reservestoffe für den Austrieb. Danach wird der stehengelassene Rest der Rinde dann vollständig entfernt und der Baum so zum Sterben gebracht. Auf diese Weise verhindert man auch ein erneutes Austreiben der schlafenden Knospen.“

Auch interessant

Kommentare