Lehrer der KGS Leeste starten neues Hilfsprojekt zwecks besserer Integration

Schüler unterrichten Asylbewerber

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Turnschuhe, Fahrradhelme, Federmappen – das und vieles mehr hat die Arbeitsgruppe für die Flüchtlinge gesammelt.

Leeste - Von Maren Jensen. Laut und schrill verkündet am Donnerstag die Schulglocke den Unterrichtsschluss an der KGS Leeste. Fröhlich strömen hunderte Schüler aus den Klassenräumen. Einige rennen nach draußen und schwingen sich auf ihr Fahrrad, andere warten den Regen ab.

Eine wachsende Gruppe Jugendlicher versammelt sich nach und nach vor dem kleinen Veranstaltungsforum der Schule. Sie wollen an einer Arbeitsgruppe (AG) mitwirken, in der gemeinsame Aktionen mit und für Asylbewerber geplant werden.

Während die Schüler zuvor selbst noch Unterricht bekommen haben, sollen sie nun selbst als Lehrkräfte fungieren. Einen der Schwerpunkte der AG bildet der Deutschunterricht für zwölf Flüchtlinge zwischen 20 und 25 Jahren aus dem Sudan. „Viele Aktionen in der Gemeinde sind erst ab 18 Jahren. Deshalb finde ich es toll, dass nun auch Schüler aktiver werden können“, sagt Teilnehmerin Pia Engelhardt. „An der Reaktionen der Flüchtlinge sehen wir, dass unsere Arbeit nicht umsonst ist“, sagt die 17-Jährige. Ein wenig merkwürdig sei es, plötzlich selbst als Pädagoge zu wirken, doch sie habe sich mittlerweile daran gewöhnt. „Am Anfang war ich mir noch sehr unsicher. Da unsere Lehrer aber immer mit dabei sind, uns den Rücken stärken und Tipps geben, hat sich die Unsicherheit längst gelegt“, berichtet die Zehntklässlerin.

Am Donnerstag sammelte die Gruppe Sachen wie Turnschuhe, Federmappen und Fahrradhelme. Diese sollen in den nächsten Tagen Asylbewerber in Kirchweyhe erreichen.

Ein vierköpfiges Lehrerteam hatte das Projekt im Sommer vergangenen Jahres ins Leben gerufen. Vor allem Antje Mühlenstedt-Meko engagiert sich für den Erhalt der AG. Die Lehrkraft hofft damit, die soziale Kompetenz der Jugendlichen zu stärken. „Ich bewundere den Einsatz der Schüler und lerne sie so von einer ganz anderen Seite kennen. Sie haben verstanden, dass die Asylbewerber vielleicht bald unsere Nachbarn oder Arbeitskollegen sein könnten“, sagt Antje Mühlenstedt-Meko.

Währenddessen tippt ihr eines der Mädchen leicht auf den Rücken. „Ich habe noch einen Fahrradhelm, den ich verschenken möchte“, sagt die 16 Jahre alte Lisa Jarmuth. Auch andere Schüler recken blitzschnell ihre Hände in die Luft und wollen erzählen, was sie für die Asylbewerber gefunden haben, darunter ein altes Kinderfahrrad und zahlreiche Turnsachen.

Laut Mühlenstedt-Meko haben die Jugendlichen bereits mehr geleistet als erwartet. Bald wollen sie sogar einen von ihnen selbst gedrehten Dokumentationsfilm auf einer schulinternen Veranstaltung zeigen. Hoch motiviert tragen sie immer mehr Ideen und Anregungen vor. Ein Flüchtlingscafé etwa. Oder vielleicht sogar eine größere Give-for-help-Veranstaltung.

Kekse backen

mit Flüchtlingskindern

Etwa 50 Mitglieder vom neunten bis zum zwölften Jahrgang zählt die „Flüchtlings-AG“ derzeit. Viele kommen regelmäßig zu dem 45-minütigen Treffen, auch Jüngere beteiligen sich an dem Projekt. Eine Gruppe aus Fünftklässlern etwa hat mit den Flüchtlingskindern der Grundschule Erichshof Kekse gebacken. Stolz erzählen die Zehnjährigen von ihren Erlebnissen. Um die Organisation kümmerte sich Lehrerin Aljascha Rhien.

Außerhalb der Schule verbringt der Nachwuchs ebenfalls viel Zeit mit Hilfsaktionen, zum Beispiel mit der Reparatur von alten Fahrrädern. Die 15-jährigen Timo Aßmann und Kevin Ronneberger kümmern sich aktuell um Facebook-Flyer, um die Aktion in sozialen Netzwerken zu verbreiten. „Es ist toll, wenn man helfen kann“, sagen sie.

„Beide Seiten lernen voneinander“, sagt Pädagoge und Mit-Organisator Jens Kahrs. Mühlenstedt-Meko sagt abschließend: „Wir müssen bedenken, dass viele Flüchtlinge nun hier ein neues Leben aufbauen wollen. Und das funktioniert nicht ohne Integration.“

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