Leesterin wird Bürgermeister-Stellvertreterin in Osterholz-Scharmbeck

Bettina Preißner setzt sich gegen 40 Bewerber durch

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Bürgermeister Andreas Bovenschulte (l.) nennt Bettina Preißner eine „Leistungsträgerin im Weyher Rathaus“. Er muss die Leesterin Ende September ziehen lassen.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Bettina Preißner, Leiterin des Fachbereichs Ordnung und Soziales, macht einen Karrieresprung nach Osterholz-Scharmbeck (wir berichteten). Die 51-Jährige aus Leeste übernimmt dort eines von zwei Dezernaten und wird Stellvertreterin des parteilosen Bürgermeisters Torsten Rohde. Er habe sich gestern mit dem Weyher Verwaltungschef verständigt und geht davon aus, dass Preißner ihren neuen Job zum 1. Oktober antritt. Sie hatte sich am Mittwoch nach einer bundesweiten Ausschreibung erfolgreich gegen 40 Mitbewerber durchgesetzt.

„Sie war einfach die Beste“, schwärmte gestern Torsten Rohde. Ihre „breite kommunale Erfahrung“ habe ebenso den Ausschlag gegeben, wie die hohe Sozialkompetenz und ihr Auftreten, so Rohde. Auch der Rat der Kreisstadt hat sich einstimmen für die Leesterin ausgesprochen. Mit Preißner fängt auch Sven Uhrhan vom Regionalverband Saarbrücken an. Während der promovierte Ingenieur Bauangelegenheiten verantworten soll, bleibt Preißner ihrem Metier, Ordnung und Soziales, treu. „Dazu kommt noch das Thema Bildung.“ Sie gibt ein Beispiel: In Osterholz-Scharmbeck befindet sich ein neues Bildungshaus, das unter dem Aspekt der Inklusion arbeitet. Die Schüler profitierten von speziellen Förderprogrammen – die Haupt- und Realschule ist damit faktisch abgeschafft. „Das ist die Zukunft“, so Preißner.

„Ich bin durch einen Zufall auf die Stelle aufmerksam geworden“, sagt die 51-Jährige, die fast ihr ganzes Leben in der Wesergemeinde verbracht hat. Geboren 1964 in Bremen, wuchs sie in Erichshof auf. Dort ging sie in die Grundschule, später in die KGS Weyhe und legte in Leeste 1983 ihr Abitur ab. Sie wollte Pädagogin werden, doch da es in dieser Zeit kaum Lehrerstellen gab, entschloss sie sich, ein duales Studium bei der Gemeindeverwaltung zu beginnen. Diese Ausbildung trat sie 1984 an. „Ich lernte schnell alle Bereiche der Verwaltung kennen.“ Sie habe die kommunale Partnerschaft mit Madona mit aufgebaut und in Lettland viele positiven Erfahrungen gemacht. Im Jahr 1992 übernahm sie Personalverantwortung und bildete sich fort, um die Entwicklung voranzutreiben. „Ich habe Mitarbeitergespräche eingeführt, um mit Zielvereinbarungen zu arbeiten. Diese Grundlage gelte weiterhin für die Verwaltung.“

Ein autoritärer Führungsstil ist nicht ihre Sache: „Ich will erreichen, dass die Mitarbeiter gute Arbeit leisten. Das geht nur, wenn die Leute Spaß haben, die Menschen mitgenommen und motiviert werden.“ Manche Menschen müssten enger begleitet werden, andere benötigten nur ein paar Infos. Wenn man aber wissen möchte, wie ein kommunaler Beamter arbeite, komme nicht drumherum, von der „Teppichabteilung“ im Obergeschoss, in die „Fliesenabteilung“ ins Erdgeschoss des Rathauses zu wechseln. Von ihrem Vorgänger, Herbert Bischoff, habe sie diese Begriffe übernommen. Und in der „Fliesenabteilung“ gebe es deutlich mehr Publikumsverkehr. „Die Bürger stehen vor der Tür und wollen Antworten auf ihre Fragen haben.“

Seit 2009 verantwortet Preißner den Fachbereich Ordnung und Soziales. Und Fragen gebe es viele – beispielsweise beim Thema Verkehr. „Wir haben nun einmal viel Verkehr. Wo soll er denn auch hin?“ Sie könnte es zwar nicht allen recht machen, doch zumindest sei es stets möglich, eine für möglichst viele Bürger tragbare Lösung zu finden.

Bettina Preißner ist stolz darauf, dass Weyhe für seine Quartiere bislang 70 ehrenamtliche Ansprechpartner der Nachbarschaft gefunden hat, Paten für alle Flüchtlingsfamilien zur Verfügung stehen und die Freiwillige Feuerwehr mit 300 aktiven Mitgliedern sehr gut ausgebildet und einsatzbereit ist.

Nur die Episoden mit den Demos der Rechten hätten aus ihrer Sicht in Weyhe lieber ausfallen sollen. Die Situation habe sie trotz persönlicher Bedrohungen und Beleidigungen gemeistert und entwickelte Ideen, damit sich in der Wesergemeinde keine Nazi-Szene etabliert.

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