Feuerwehrkommando blickt auf Aufgaben und Wünsche 

Leester Sirene heult künftig im Ruhrgebiet

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Folkard Wittrock (l.) und Bernd Scharringhausen stellen im Rettungszentrum einen Container für Reserveausrüstung vor.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Auf die Silvesternacht haben sich alle Ortsfeuerwehren in Weyhe vorbereitet. Das versicherten gestern Gemeindebrandmeister Bernd Scharringhausen und sein Stellvertreter Folkard Wittrock bei der Jahresabschluss-Pressekonferenz im Leester Rettungszentrum.

Einige der mehr als 300 Feuerwehrfrauen und -männer feiern in den Domizilen der Ortswehren, andere halten sich privat und nüchtern bereit. Damit die Anzahl der 70 Kleinbrände, elf Mittelbrände und sieben Großeinsatzlagen in diesem Jahr (Stand gestern) nicht weiter steigt, geben die beiden Ehrenbeamten Tipps. „Mit Wind ist zu rechnen“, betont Wittrock. Deshalb sollten die Nutzer von Feuerwerkskörpern auf die Richtung achten. „Der Sprengstoff sollte zugelassen sein und nur im Freien entzündet werden.“ Sicherheitsabstände zu Hecken, Büschen und Gebäuden sollten die Feiernden laut Scharringhausen einhalten.

Scharringhausen und Wittrock blicken in die Zukunft. Für das Gemeindekommando ist beispielsweise die sogenannte digitale Alarmierung mit Meldeempfängern ein wichtiges Thema. Mehr als 300 Geräte zu einem Stückpreis von rund 200 Euro müssten angeschafft werden, die die analogen ersetzen – auch der Kreis würde sich finanziell daran beteiligen. So waren in Weyhe bei Einsätzen wegen des Sturms „Xavier“ Teile des privaten Mobilfunksystems zusammengebrochen. „Aufs Handy allein kann man sich nicht verlassen“, so Wittrock. Ein unabhängiges digitales Meldesystems sei dagegen sicher.

Logistik nimmt 2018 viel Raum ein

Das Duo spricht sich außerdem für den Erhalt aller 19 verbliebenen Sirenen in den Ortsteilen aus. Das Gemeindekommando will sie als Backup-System behalten. In Nordrhein-Westfalen hatten Verwaltung und Politik entschieden, die Sirenen in den Ruhestand zu schicken. Doch wie erreicht man die Bevölkerung bei einer Katastrophe? Nicht alle hören Radio. Die Konsequenz für das Nachbarbundesland: Die Kommunen bringen die ohrenbetäubenden Warngeräte wieder an – falls vorhanden. Die 40 Jahre alte Sirene vom ehemaligen Hof Fohne an der Leester Straße wurde laut Scharringhausen abmontiert, sie wird generalüberholt und im Ruhrgebiet eingesetzt.

Weiterhin nimmt die Logistik 2018 viel Raum ein: So stehen der Feuerwehr ab der Jahresmitte fünf Mannschaftstransportwagen zur Verfügung. Das fünf Jahre alte Auto, das die Dreyer Wehr in Dienst stellt, soll zunächst in Lahausen stationiert werden. Der einst durch Spenden selbst beschaffte Lahauser Transporter habe keinen TÜV mehr, so Scharringhausen. Die Gemeinde will es jetzt regulär ersetzen. Wenn der Nachfolger da ist, bekommen die Dreyer ihr Fahrzeug wieder zurück.

Außerdem soll der Kirchweyher Einsatzleitwagen umgebaut werden, um die Flotte der derzeit in Leeste und Erichshof stationierten Wagen zu ergänzen.Dann werden sie dafür auch eine eigene Halle in Eigenregie aufgebaut haben, berichtet der Gemeindebrandmeister.

„Wir sind keine Traumtänzer“

Die Feuerwehr hält weiter an den Gerätehäusern fest – trotz Rettungszentrum, betont Folkard Wittrock. „Über eine Standortzusammenlegung denken wir nicht nach“, sagt der Vize-Gemeindebrandmeister. Im Gegenteil. „Das Gemeindekommando will die Attraktivität steigern und auf Schwerpunkte setzen.“ Dreye hat sich auf die Wasserrettung spezialisiert, Kirchweyhe auf die Einsatzleitung, Sudweyhe auf Gefahrstoffe, Lahausen unter anderem auf Bahnerden (Erdung von Bahn-Leitungen, d. Red.), Melchiorshausen auf Logistik und wie Erichshof auch auf Unterstützung. Deshalb investiert die Gemeinde in Absprache mit der Feuerwehr in ein modulares Reservesystem beim Atemschutz. Das Ziel: Sollten während eines Einsatzes Zusatzgeräte – samt Masken, Sauerstoffflaschen und weiterer notwendige Teile aus dem Lager im Rettungszentrum erforderlich sein, kann ein Feuerwehrlaster die Reserveausrüstung zum gewünschten Ort bringen. In den nächsten Wochen werden alle Container entsprechend bestückt, kündigt Wittrock an.

Ausschreibung eines Löschfahrzeugs 10

„Wir sind keine Traumtänzer und wissen, dass die Sanierung der KGS Leeste viel Geld kostet. Wir wollen die Gerätehäuser perspektivisch entwickeln“, betont Folkard Wittrock. Fahrzeuge würden immer größer und passten nicht mehr in die Gebäude. Außerdem will das Kommando zusammen mit allen Beteiligten einen Plan erarbeiten, damit andere Ortsfeuerwehren im Leester Rettungszentrum eigene Bereiche bekommen, um in ihren Häusern benutzte Einsatzkleidung von sauberer zu trennen. Dieser Plan soll laut Wittrock bis 2023 in zwei bis drei Ortsteilen umgesetzt werden. Kirchweyhe komme sicherlich dafür infrage – für Sudweyhe werde es schwierig.

Bevor über die Anschaffung einer Drohne nachgedacht werde, soll zunächst die Ausschreibung eines Löschfahrzeugs 10 für die Ortswehr Erichshof erfolgen.

Eine weitere, längerfristige Herausforderung sei das Zeltlager der Jugendfeuerwehr. Das Mühlenkampgelände sei nicht geeignet. Landwirte in der Nähe von Gemeindeeinrichtungen müssten für zwei Jahre Flächen – gegen Entschädigung – zur Verfügung stellen. „Noch haben wir dazu keine Gespräche geführt, weil das Zeltlager frühestens in den 2020er-Jahren über die Bühne gehen wird“, begründet Bernd Scharringhausen.

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