Leester Pfadfindergruppe „Rabin“ legt nach vielen Jahren eine Ruhephase ein

Das vorläufige Ende der Lagerfeuerromantik

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Vielen Weyhern sind die Pfadfinder noch vom Leester Weihnachtsmarkt bekannt. Archivfoto: Schritt

Leeste - Von Maren Jensen. Jahrelang sind sie gemeinsam ins Zeltlager gegangen, haben über dem offenen Lagerfeuer gekocht oder auf einer Schnitzeljagd nach einer goldenen Schatztruhe gesucht – nun begeben sich die einstigen Mitglieder der Pfadfindergruppe der Marienkirche Leeste, auch als Stamm Rabin bekannt, auf den Weg zu neuen Abenteuern. Die Gruppe legt für eine noch ungewisse Zeit eine Pause ein.

An diese Szenen erinnern sich viele Weyher, wenn sie an die Pfadfinder denken: Lachend steht eine Gruppe von Jugendlichen vor einer Jurte des Leester Weihnachtsmarktes. Stolz schauen sie auf ihre Tracht, die sie schon durch viele Orte Deutschlands getragen haben.

Die graue Farbe des Hemdes ist ein wenig verwaschen. Jüngere Kinder der Gruppe, Wölflinge genannt, tragen ein grünes Halstuch. Sie stimmen gemeinsam ein Lied an und fassen sich an den Händen. Hinter ihnen stehen die Stammesführer der Gruppe, deren blaue Halstücher leicht im Wind wehen. Freundschaftlich klopfen sie ihren Kameraden auf die Schulter. Doch solche Szenen sind nun erst mal Geschichte.

Im vergangenen Jahr schrumpfte die Gruppe massiv: Immer mehr Jugendliche zogen sich aus der Leitung zurück, da sie ihren Schulabschluss machten oder eine Ausbildung begannen. Vor wenigen Wochen beschloss Mitbegründer, Pastor Holger Tietz, daher, die Gruppe mündlich aufzulösen. „Das hat mich schon sehr getroffen. Die Jugendarbeit mit dem Stamm hat mir sehr viel Freude bereitet“, sagt er. Die Gruppe existiert nur noch auf dem Papier. Aktuell sind vier Mitglieder verzeichnet, darunter der 21-jährige Student Marek Lohmann aus Leeste, der seit dem Jahr 2004 als Pfadfinder aktiv ist. „Als Kind habe ich es geliebt, draußen zu spielen, zu basteln und zu einer großen Gruppe dazuzugehören“, sagt er.

Der Zukunft der Gruppe sieht der Kunst- und Religionswissenschaften studierende Stammesführer trotz der aktuell geringen Mitgliederzahl positiv entgegen. „Sobald meine Klausurenphase durch ist, setze ich mich für einen neuen Raum ein, den die Pfadfinder nutzen können“, sagt er. Die Gruppe bedeute ihm sehr viel, schließlich sei er elf Jahre lang mit ihr im Zeltlager gewesen.

Alle vier Jahre nimmt der Stammesführer zusätzlich an dem Bundeslager der Pfadfinder teil. In diesem Jahr ist das Treffen in der Nähe von Heilbronn. „Es ist toll, immer neue Leute aus ganz Deutschland kennen zu lernen“, sagt er. Dies wünsche er sich auch für die nachfolgende Generation in Leeste.

Pastor Tietz wirkte als Kind selbst zehn Jahre in einer Pfadfindergruppe mit. „Das war eine sehr prägende Erfahrung“, erinnert er sich. 13 Jahre war der gebürtige Hamburger alt, als er auf die Bewegung stieß und sich vom Sippling zum Stammesführer emporarbeitete. Später war er für mehr als 120 Kinder verantwortlich.

„Mich haben die Pfadfinder immer schon begeistert. Den Grundgedanken, dass einer für den anderen eintritt und die Kinder sich gegenseitig Aufgaben abnehmen, finde ich sehr schön“, sagt er. Besonders die Tracht gefalle ihm sehr gut. „Das ist wie in einem Fußballverein. Von außen sieht man nicht, woher man kommt“, sagt Tietz. Der Geistliche kann sich vorstellen, dass sich die Leester künftig mit dem Pfadfinderstamm Brinkums verbünden. Auch in Syke sei noch eine sehr starke Gruppe aktiv. „Ich werde versuchen, etwas Neues aufzubauen“, sagt Tietz. Es sei nicht das Ende, sondern eine Phase der Ruhe.

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