Marienkirche wie ein Anker in der Zeit

Zeitreise ins Jahr 1910: Leester baut an einem Modell seines Ortsteils

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Hans Georg Oppelt hebt ein Gebäude hoch. Es ist ein Modell der örtlichen Volksschule, die später zum Rathaus der Gemeinde Leeste umgebaut worden ist.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Für sein mehrjähriges Projekt hat Hans Georg Oppelt aus Leeste die Geschichte seines Ortes erforscht. Er suchte Antworten auf die Frage, wie die Häuser, Stallungen und andere Gebäude im Ortskern um den Henry-Wetjen-Platz im Jahr 1910 ausgesehen haben. Dazu befragte der 73-Jährige zahlreiche Zeitzeugen, besorgte sich Fotos und (Lage-)Pläne. Herausgekommen ist ein Modell im Maßstab 1:150, das aber erst zu 80 Prozent fertig ist. Es zeigt insgesamt 30 Gebäude samt Nebenanlagen.

Der ehemalige Maschinenbau-Ingenieur und Wirtschaftswissenschaftler arbeitet seit sechs Jahren daran, einmal Besuchern im Rahmen einer Dauerausstellung eine Reise in die Vergangenheit zu ermöglichen. Um das Modell zu schützen, will er über den Dächern eine transparente Haube installieren. Um sie zu finanzieren, sucht er Sponsoren. Das Modell will Oppelt spätestens 2019 der Gemeinde übergeben. Er wünscht sich, dass es einen geeigneten Platz im Rathaus oder im geplanten Kulturzentrum gibt. Der Vorraum der Marienkirche käme nicht infrage, weil es dort seiner Meinung nach für das Modell zu feucht ist. Möglicherweise sei auch ein Standort im neuen Gemeindezentrum möglich.

Wer die quadratische Fläche von 1,50 Metern Seitenlänge betrachtet, kann sich schon jetzt leicht orientieren, zumal die Leester Straße, die Alte Poststraße und die Hauptstraße sich auf seiner Platte durch die Ortschaft schlängeln.

Das historische undatierte Bild zeigt den Henry-Wetjen-Platz mit der Marienkirche. Im Vordergrund ist das Kriegerdenkmal.

„Leeste war eine sehr reiche Gemeinde“, sagt Hans Georg Oppelt. Im Ort lebten zahlreiche Bauern und Handwerker, sagt er. Der Reichtum spiegele sich auch in dem Erscheinungsbild der Häuser wider.

„Beispielsweise stand 1910 bereits die jetzt denkmalgeschützte Villa der Familie Struthoff“, berichtet Oppelt. „Daneben befand sich deren Betriebsgebäude“, so Oppelt. Es ist dem Hotelkomplex und dem Rewe-Supermarkt gewichen.

Das Miniatur-Struthoff-Haus ist aber – anders als die vielen anderen Gebäude – noch nicht fertig. „Es hat viele Ornamente, die ich nicht herstellen kann“, so Oppelt. Auf moderne Hilfsmittel wie Hightech-Drucker will der Weyher allerdings verzichten.

Modelle aus Holz und Schaumstoff

Der 73-Jährige hatte sich von Architekten inspirieren lassen, die mit ähnlichen Materialien, die er benutzt, Modelle bauen. Der Leester bearbeitete Holz und versah es an den Außenseiten mit Mini-Hartschaumplatten. Die Stellen, in denen Fenster zu sehen sind, schnitt er aus. Für viele Häuser hatte er Fotos verwendet, die passend ausgeschnitten als Fassade dienen.

Längst fertig ist das Wohn- und Geschäftshaus gegenüber der Villa. „Dort betrieb Familie Dinse ein Lebensmittelgeschäft.“ In dem Wohn- und Geschäftshaus sei auch Platz für eine Drogerie gewesen, hatte er rekonstruiert.

Zurück zum Henry-Wetjen-Platz, der sich in den Jahrzehnten gewandelt hat: Oppelt zeigt auf das Eitmannsche Haus, in dem ein Kaufmannsladen untergebracht war. Dieses Gemäuer war vor elf Jahren abgerissen worden. Heute befindet sich dort eine freie Fläche. 

Marienkirche unverändert

Die Historie zum Areal liefert Oppelt dazu. Denn dort befand sich der eigentliche Bauernhof der Familie Meinken. Durch einen Tausch fand sich die Familie am heutigen Standort wieder – ein paar Grundstücke weiter Richtung Brinkum. Das alte Rathaus der Gemeinde, einst eine Schule, gibt es erst seit ein paar Monaten nicht mehr (wir berichteten). „Dort waren die älteren Schüler untergebracht.“

Im Gemeindehaus der Kirche – ebenfalls abgerissen – waren die jüngeren Jahrgänge untergebracht. In der Mitte der beiden Komplexe befand sich ein Toilettenhäuschen, an das später Lagerräume angebaut wurden.

Wer sich auf diese Zeitreise einlässt, bemerkt zumindest, dass die Marienkirche sich nicht verändert hat – sie ist gewissermaßen wie ein Anker in der Zeit.

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