Run auf "soziale" Bauplätze in Weyhe

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Hier finden zwölf Familien ein neues Zuhause.

Weyhe - von Heinrich Kracke. Nicht dass es in der Bauabteilung der Gemeinde Weyhe gegenwärtig beschaulich zuginge. Immerhin will die Leester Ortsmitte geplant sein. Aber das übertraf dann doch alle Erwartungen: Innerhalb nur einer einzigen Woche flatterten bereits rund 20 Kaufofferten für die Bauplätze ins Haus, die die Gemeinde nahe der KGS Kirchweyhe freigegeben hat.

Und nicht unwahrscheinlich, dass das nur die Spitze des Eisbergs ist. „Die Resonanz fällt beachtlich aus,“ sagt Fachbereichsleiter Steffen Nadrowski. Damit steht jetzt schon fest, dass sämtliche angebotenen zwölf Baugrundstücke veräußert werden. Die Frage ist nur noch, an wen. Denn anders als bei anderen Immobiliengeschäften mahlt in diesem Falle nicht, wer zu erst kommt. Den Zuschlag erhält, wer die besten sozialen Kriterien vorweisen kann. Interessenten haben noch bis Mitte Januar die Möglichkeit, sich für eine dieser Flächen zu bewerben.

So verteilen sich die "sozialen" Bauplätze unweit der KGS Kirchweyhe und dem Haus der Kinferkrippe.

Der Run auf die Flächen an der neuen Stichstraße „Kirchweyher Heide“ führt der Kommunalpolitik und dem Rathaus erneut vor Augen, woran es mangelt in der Gemeinde. An Bauland nämlich. Zwar sind in den vergangenen Jahren sämtliche Ortsteile auf Baulücken abgeklopft worden, eine ansehnliche Zahl findet sich auch in den Akten wieder, aber richtig entspannt hat sich die Lage dennoch nicht. Die Eigentümer dieser Baulücken dachten mehrheitlich nicht daran, ihr Grün anderen zu überlassen, selbst wenn viel Geld geboten wurde. Warum jetzt verkaufen, wenn die Preise weiter steigen? Bloß nicht das Gartenland veräußern, uns könnte ja der Blick in die Natur versperrt werden. Zwei Argumente, eine Baulandnot.

Örtliche Immobilien-Vermarkter riefen schon den Notstand aus. „In der Gemeinde Weyhe müssen dringend neue Baugebiete ausgewiesen werden.“ Derweil hat der Nachfrage-Druck die Preise weiter steigen lassen. Nicht selten, dass bis zu 300 Euro in besten Lagen geboten werden. Pro Quadratmeter. Ohnehin hält Weyhe bereits die Spitzenposition im Landkreis. Der Durchschnittspreis schoss innerhalb weniger Jahre auf zuletzt 163 Euro in die Höhe. Auf Rang zwei hat der Gutachterauschuss des Katasteramtes die Gemeinde Stuhr mit 139 Euro gesetzt, auf Rang drei die Stadt Syke mit 96 Euro.

Inzwischen reagiert auch die Kommune. Die Baulücken-Taktik wird um eine Baugebiet-Facette erweitert. Erstmals nach Jahren gehen wieder ganze Baugebiete an den Start, keine vom Umfange früherer Jahre mit hundert und mehr Plätzen, aber eine mit durchaus namhaften Ausmaßen. „Die Kirchweyher Heide mit ihren zwölf Plätzen wird nicht das letzte kleine Baugebiet gewesen sein, das wir im Jahr 2016 ausweisen,“ sagt Nadrowski. Im Rahmen des Wohnbaulandkonzeptes stehe als nächstes eine Fläche mit 20 bis 30 Bauplätzen in Erichshof zur Disposition. An der „Langen Reihe“ soll in zweiter Reihe parzelliert werden. Und auch schon Baugebiet Nummer drei des Jahres 2016 zeichnet sich ab: Eine Fläche westlich der Hagener Straße erlaubt den Bau von rund 30 Einfamilienhäusern oder Doppelhaushälften. Sowohl das Erichshofer als auch das Leester Land wird allerdings nicht vergünstigt nach sozialen Kriterien vergeben, sondern einem Bauträger überlassen.

Um dem neuen Bauboom relativ rasch gerecht zu werden, ist die Gemeinde einen für heutige Verhältnisse ungewöhnlichen Weg gegangen. „Der Fachbereich Bau, Planung und Umwelt ist personell verstärkt worden,“ sagt Nadrowski, „wir wollen die Planungszeiträume spürbar verkürzen. Das ist eines der wichtigsten gemeindlichen Ziele in den kommenden Jahren.“

Erstmal geht es jetzt freilich um das Dutzend Bauplätze direkt neben dem neuen Haus der Krippenkinder an der Stichstraße Kirchweyher Heide. Knapp 300 Interessenten sind angeschrieben worden, sie hatten sich im Laufe der vergangenen Jahre bei der Gemeinde nach Bauland erkundigt. Zahlreiche Weyher darunter, aber auch junge Familien aus umliegenden Kommunen und der Stadt Bremen. Sie alle haben jetzt Post erhalten und können sich um einen der abgesteckten Claims direkt an der KGS Kirchweyhe bewerben. Dabei gilt es, gute Argumente zu finden. Wenn Bauland nach sozialen Gesichtspunkten vergeben wird, hat derjenige gute Chancen, der beispielsweise in einer Hausgemeinschaft mit pflegebedürftigen Menschen lebt oder viele Kinder zu erziehen hat. Eine Punktewertung soll am Ende den Ausschlag geben.

Doch auch wer im laufenden Verfahren noch nicht in den Genuss von „sozialem Bauland“ kommt, ist nicht für immer und ewig aus dem Rennen. „Wir planen auf Sicht ein zweites Baugebiet mit sozialen Komponenten,“ sagt Nadrowski. Östlich der Hagener Straße verfüge die Gemeinde über eine Fläche, die ebenfalls für diese Zwecke in Frage komme.

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