Leben in rollender Eigentumswohnung

Leester Schaustellerfamilie veräußert Bayern-Rutsche und Black-Hole-Achterbahn

Peggy und Heiko Schierenbeck vor der Bayern Rutsche.

Weyhe - Die Bayern-Rutsche und die Black-Hole-Achterbahn der Familie Schierenbeck aus Leeste waren für viele Weyher auf dem Bremer Freimarkt feste Anlaufpunkte im Besuchsprogramm. Beide Fahrgeschäfte touren jetzt nicht mehr durch Deutschland und sind jetzt auch nicht mehr auf der Bremer Bürgerweide präsent: Peggy und Heiko Schierenbeck haben beide Fahrgeschäfte veräußert.

Die Black-Hole-Achterbahn ging bereits 2018 an einen Freizeitpark in Geiselwind (Bayern). Und die Bayern-Rutsche haben die Schierenbecks erst vor wenigen Wochen nach Saudi-Arabien verkauft. „Die Anlage hat eine englische Schaustellergruppe gekauft, die in diesem Königreich den Tourismus ankurbeln soll“, so Peggy Schierenbeck. Der komplette Verkauf wurde in nur zehn Tagen abgewickelt. „Es ging alles so schnell“, sagt sie. Als die Teile, die normalerweise auf drei Lastwagen-Anhängern Platz finden, in Bremerhaven auf ein Schiff geladen worden sind, seien der Leesterin die Tränen geflossen.

Somit stand fest, dass die Weyher die letzten Tourneetermine in diesem Jahr nicht wahrnehmen können: Neben dem Bremer Freimarkt, wäre die Anlage noch auf dem Herbstfest Hannover aufgebaut worden. Auf dem Wintermarkt in Bremerhaven war die Rutsche laut Peggy Schierenbeck ebenfalls beliebt und eine feste Größe. Nun musste Schierenbeck absagen. Für die Weyher Unternehmerin markiert der Abschied das Ende eines aufregenden Lebens. „Ich bin in das Schaustellerleben hineingeboren“, sagt die 49-Jährige. Ihre Eltern hatten eine Geisterbahn. Als die Leesterin ihren Mann Heiko vor 26 Jahren kennengelernt hatte, war damals schnell klar, dass sie heiraten wollen und gemeinsam ihren Traum von einem eigenen Geschäft 1992 verwirklichen wollten. Es sollte eine Familienachterbahn im Dunkeln sein – die es laut Schierenbeck kein zweites Mal gibt.

„Wir haben viel von der Welt gesehen“, blickt die Unternehmerin zurück. Nachdem die drei Kinder, Thore, Tom und Hanna, älter geworden sind, kam 2010 die Rutsche dazu. Auf neun Bahnen konnten die Gäste hinuntersausen und sogar manches Rennen austragen. Neben diesem Fahrgeschäft gibt es ein baugleiches nur noch in München. Peggy Schierenbeck war mit der Rutsche unterwegs – Heiko mit der Achterbahn.

Das Fahrgeschäft Black Hole in London.

„In unserem Zuhause in Weyhe waren wir nur Gäste. Wir reisten mit den Anlagen quer durch Deutschland. Dabei erlebten wir viele Städte und Gemeinden nicht als Touristen, sondern als Einwohner“, sagt die Leester Unternehmerin. „Wir hatten den Anspruch, mit unseren Kindern viel anzusehen. Ich glaube, wir kennen jede Burg in Deutschland.“ Die Tournee blieb nicht aufs Land beschränkt. Die Schierenbecks bauten ihre Anlagen auch im europäischen Ausland aus. So waren sie beim Winterwonderland im königlichen Hyde Park in London ebenso zu Gast wie an der Côte d’Azur. Die Rutsche und die Achterbahn der Schierenbecks waren ebenso in den Niederlanden als auch in Belgien gefragt.

In den vergangenen Jahrzehnten waren die Schierenbecks für Millionen Menschen – darunter waren auch viele Promis wie bekannte Politiker, Sportler und Schauspieler – ein Garant für Freizeitspaß. An eine Begegnung mit Marianne Sägebrecht kann sie sich noch sehr gut erinnern. „Sie war sehr nett und höflich. Einfach zum Knutschen.“

Das alles liegt nun hinter der Leester Unternehmerin. „Eigentlich ist es für mich unvorstellbar, dass in Bremen das Freimarkt-Leben tobt und ich daheim bin“, sagt sie. Den 43 Quadratmeter großen Wohnwagen-Anhänger, in dem sie auf dem Freimarkt gewohnt hätte, hat sie jetzt geräumt. Er wird verkauft. „Darin war mit einem Schlaf- und Kinderzimmer sowie mit einer Küche und einem Bad ein ganzer Hausstand untergebracht“, sagt Schierenbeck. Der Wagen ist 16 Meter lang und teilweise in der Breite ausfahrbar.

„Normalerweise wäre ich an der Kasse und hätte viel Hummeln im Hintern, weil ich schon die Tour fürs kommende Jahr geplant hätte, aber das fällt jetzt weg.“ Früh habe sich angedeutet, dass keines ihrer Kinder den elterlichen Betrieb hätten übernehmen wollen: Thore (23) macht eine Ausbildung im Mercedes-Werk, Tom (21) absolviert ein duales Studium und beschäftigt sich mit Künstlicher Intelligenz und Hanna (19) studiert in Bremen Wirtschaftswissenschaften. Peggy Schierenbeck freut sich, dass sie als 49-Jährige etwas Neues machen kann. Sie möchte mit zwei weiteren Frauen ein Unternehmen gründen. Es soll ein Institut für Personalentwicklung werden. „Wir möchten den kleinen und mittelständischen Unternehmen helfen, wie sie die Betriebe umstrukturieren können, um auch Personal zu halten.“ Viele Mitarbeiter wollen anders arbeiten, weil ihnen Freizeit wichtiger geworden ist, sagt die Leesterin. Mitarbeitergewinnung sei ein wichtiges Thema. Sie selbst geht mit einem positiven Beispiel voran: Der Vorarbeiter, den Heiko und Peggy Schierenbeck bereits seit 23 Jahren beschäftigt haben, soll bis zu seiner Rente weiterbeschäftigt werden. Die Schierenbecks haben in eigene Mehrfamilienhäuser investiert und dort könnte dieser laut Peggy Schierenbeck zum Beispiel Hausmeisterdienste erledigen.

Ganz plötzlich aufhören mit dem Publikumsgeschäft wollen die Schierenbecks aber nicht. Sie hatten sich vor vier Jahren an einem Kinderkarussell samt Ausschankbetrieb beteiligt, das bislang auf dem Bremer Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus-Seiteneingang aufgebaut worden war. Das soll auch in diesem Jahr wieder passieren. „Ich bin dann nur noch die Glühwein- und Kinderkarusselltante.“ Vielleicht schaut dann auch der ehemalige Weyher Bürgermeister Andreas Bovenschulte vorbei, der von seinem Arbeitsplatz nur einen kurzen Weg hat. Im vergangenen Jahr hatte Peggy Schierenbeck an ihrem Stand zahlreiche Weyher, darunter auch viele Ratsmitglieder begrüßt.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Chinesische Städte wegen Virus abgeriegelt

Chinesische Städte wegen Virus abgeriegelt

Merkel beklagt "Unversöhnlichkeit" beim Thema Klimawandel

Merkel beklagt "Unversöhnlichkeit" beim Thema Klimawandel

UN-Gericht: Myanmar muss Rohingya vor Völkermord schützen

UN-Gericht: Myanmar muss Rohingya vor Völkermord schützen

Strandwandern und Walfang-Historie auf Borkum

Strandwandern und Walfang-Historie auf Borkum

Meistgelesene Artikel

Autohändler gibt mit Bugatti Chiron Vollgas - Polizei schreitet ein

Autohändler gibt mit Bugatti Chiron Vollgas - Polizei schreitet ein

DSDS-Kandidatin flasht Dieter Bohlen - der zieht Vergleich mit DSDS-Sieger

DSDS-Kandidatin flasht Dieter Bohlen - der zieht Vergleich mit DSDS-Sieger

Heftiger Unfall: Auto prallt gegen Garage und landet kopfüber im Graben

Heftiger Unfall: Auto prallt gegen Garage und landet kopfüber im Graben

Parkplatzsuche bei IKEA außer Kontrolle: Autofahrer tritt Konkurrenten

Parkplatzsuche bei IKEA außer Kontrolle: Autofahrer tritt Konkurrenten

Kommentare