Gelungenes Ablenkmanöver

Über Dreyer Deich auf Aldi-Gelände: Landwirte in Weyhe tricksen Polizei aus

Die Geschichte geht weiter, Landwirte in Weyhe machen Dampf gegen Lebensmittel-Lockangebote im Supermarkt. Dieses mal mussten sie, dafür jedoch kreativ werden.

Weyhe – Landwirte aus der Region haben mit ihren Zugmaschinen in der Nacht zu Dienstag erneut das Aldi-Lager in Dreye blockiert. Sie wenden sich gegen Lebensmittel-Lockangebote in den Supermärkten und Discountern. Diesmal mussten die Protestler aber Einfallsreichtum beweisen, um ihrem Ziel näher zu kommen. Denn die Polizei hatte  die Zufahrten zum Aldi-Lager mit ihren Streifenwagen zunächst großräumig abgeriegelt. Die Landwirte versuchten ein Ablenkungsmanöver – mit Erfolg. Der Protest ist dabei nicht der erste seiner Art in Weyhe.

GemeindeWeyhe
Fläche60,25 km²
BürgermeisterFrank Seidel
Bevölkerung30.316

Wie Thomas Gissing, Sprecher der Polizeiinspektion Diepholz, detaillierter schildert, war die Polizei in Weyhe bereits vorgewarnt gewesen. Sulinger Beamte hätten bereits am Montagabend mit Teilnehmern einer Treckerkolonne gesprochen. Landwirte hätten als mögliche Fahrtziele Cloppenburg und Weyhe genannt. Deshalb hatten sich die Weyher Streifenwagen-Besatzungen sowohl an der Umgehungsstraße als auch an der Dreyer Straße positioniert und erwarteten die Protestler.

Riegelt die Zufahrt Richtung Aldi-Gelände in Dreye ab: Ein Streifenwagen der Polizei auf der Dreyer Straße.

Polizei Diepholz: Rund 50 Zugmaschinen unterwegs

Für eine Straßensperrung aus heiterem Himmel gebe es normalerweise keine Grundlage, erklärt Gissing auf Nachfrage, aber diesmal hätten die Beamten ja gewusst, was auf sie zukomme, so der Sprecher. Die Beamten hatten Landwirte gewähren lassen, ihre Trecker auf den Rechts- und Linksabbiegespuren der Umgehungsstraße in einer Reihe aufzustellen. Der fließende Verkehr sei nicht gestört worden, so Gissing weiter. Er zählte an die 50 Zugmaschinen.

Die Einsatzleitung, so der Sprecher weiter, hätte gegen 23 Uhr abgewogen, wie lange die Straße an dieser Stelle wohl dicht bleiben könne, weil die Landwirte bis in die Morgenstunden ausharren wollten. Für den Berufsverkehr am nächsten Morgen hätte das Chaos bedeutet, so Gissing. Deshalb gaben die Beamten den Landwirten den Weg zur Dreyer Straße frei. Somit bestand für die Protestler die Gelegenheit, zumindest die Ein- und Ausfahrt des Aldi-Areals, die sich gegenüber des Bahnhofs Dreye befindet, mit Fahrzeugen dichtzumachen. „Die Kollegen haben dafür Sorge getragen, dass eine Rettungsgasse zu jedem Zeitpunkt freigehalten wird“, so Gissing.

Was die Polizei zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Die Landwirte auf beiden Seiten der Dreyer Straße waren offenbar nur eine Ablenkung. Denn andere Landwirte wiederum wollten die Polizei austricksen und über den Deich fahren, um eine neue Polizei-Absperrung zu überwinden. Die hatte dazu gedient, eine weitere Ein- und Ausfahrt zum Aldi-Gelände offen zu halten. Plötzlich hätten die Zugmaschinen hinter der Polizei-Absperrung gestanden und Lastwagen daran gehindert, das Aldi-Gelände zu verlassen. Gissing wisse nicht, wie die Landwirte das gemacht haben.

Landwirt: Anfahrt über Wirtschaftswege

„Wir müssen uns was einfallen lassen, um das zu machen, was wir wollen“, sagt Landwirt Rainer Lammers aus Seckenhausen. Er hätte mitdemonstrieren wollen, aber er sah keine Chance, aus dem Stall herauszukommen, denn seine Tiere müssen versorgt werden. Er steht aber mit den Protestlern in Kontakt und war selbst an Demonstrationen beteiligt. „Es gibt einen Wirtschaftsweg in der Nähe des Autohauses an der Autobahn 1 in Arsten, der für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben ist, den haben meine Kollegen benutzt“, erklärt Lammers. „Wer auf die Karte schaut oder sich bei Google informiert, sieht, dass ein weiterer Wirtschaftsweg zwischen der Bahnstrecke Bremen-Osnabrück und dem Aldi-Lager verläuft.“ So gelangten die Landwirte auf das Aldi-Gelände und konnten ihre zweite Blockadestelle einrichten.

„Verramscht keine Lebensmittel“, lautete die Botschaft der Protestler, die sie auch gegenüber Aldi-Vertretern äußerten. Lebensmittel-Lockangebote mit Preisen unterhalb der Herstellungskosten seien nicht in Ordnung. Ein Hähnchen sollte laut Lammers nicht für 1,99 Euro verkauft werden, wenn der Herstellungspreis für den Landwirt, der alle Auflagen einhält, bei acht Euro liegt. „Wir produzieren nach Tierwohl.“ Den Preis von 1,99 Euro betrachte der Seckenhauser Landwirt „als eine Ohrfeige“.

Rubriklistenbild: © Kai Moorschlatt

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