Landmaschinenmechaniker Kai Krüger lässt keinen Halm stehen

„Showtime“ für die Mähdrescher in Leeste

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Kai Krüger leert den 11000 Liter fassenden Korntank des Mähdreschers.

Leeste - Von Maren Jensen. Idyllisches Leeste: Weizenähren wiegen sich bei der leichten Morgenbrise im Wind. Kühe stehen auf der Weide und kauen friedlich ihr Gras. Im angrenzenden Garten spielen die ersten Kinder auf der Rutsche. Plötzlich wirbelt Staub auf. Ein grünes, tonnenschweres Ungetüm rollt langsam polternd auf ein Feld zu. Vögel schrecken auf. Es ist Erntezeit, die Maschinen regieren auf den Feldern. Weizen, Gerste, Raps und Mais sind reif für den Ertrag. Das Wetter könnte nicht besser sein.

Die Landwirte wissen: Die Trockenheit muss genutzt werden. Denn das Getreide darf beim Einlagern einen gewissen Feuchtigkeitswert nicht überschreiten, andernfalls müssten die Landwirte es unter Energieeinsatz nachtrocknen. Doch die Restfeuchtigkeit im Korn stimmt. Die Sonne hat ganze Arbeit geleistet. Also heißt es jetzt „Showtime“ für den Mähdrescher.

Vor vielen Jahrzehnten schufteten die Menschen noch tagelang mit ihren Sicheln auf den Feldern. Die gleiche Fläche mäht heutzutage eine Maschine in wenigen Stunden. Mit einer Motorleistung von 380 PS und einer Korntankgröße von 11000 Litern ist die Maschine von Torsten Michalowski aus Leeste ein Kraftpaket. Nach einigen Bahnen zeigt die elektronische Leiste an, dass der Tank schon zu Dreiviertel befüllt ist. Unmengen von Leuchten, Anzeigen, Knöpfen und Hebeln befinden sich in der klimatisierten Fahrerkabine. Die richtige Kombination zu finden, ist eine knifflige Angelegenheit, weil Getreidefeuchtigkeit, Wetter und Bodenkonsistenz eine entscheidende Rolle spielen.

Am Steuer sitzt Kai Krüger aus Leeste. Der Landmaschinenmechaniker hilft mit, wenn er Zeit hat. Auch diesmal muss er sich auf die Gegebenheiten des Feldes einstellen, denn das Korn soll in den Tank, und nicht daneben fallen. Deshalb ist laut Krüger präzises Denken wichtig. Mit einer sogenannten Verlustschale kann er sehen, wie viel Korn tatsächlich von der Maschine erfasst wird. Dass ihm auf diesem PS-starken Kraftpaket eine Verantwortung lastet, ist Krüger bewusst. Nicht selten verstecken sich Rehkitze im Kornfeld. „Manche Tiere laufen immer wieder vor den Mähdrescher. Das ist eine ganz schöne Herausforderung“, sagt der 23-Jährige. Auch der aufwirbelnde Staub kann sich bei zu großer Trockenheit entzünden. Ein Feuerlöscher ist deshalb immer mit an Bord. Er kann damit umgehen, denn der 23-Jährige ist aktives Mitglied der Leester Schwerpunktfeuerwehr.

Ruhig und konzentriert fährt Krüger das Feld ab. Er erklärt, was die Maschine zu leisten im Stande ist: „Zunächst wird das Korn mit einer Haspel gekämmt, damit der Messerbalken es richtig erfassen und abtrennen kann. In einer unglaublichen Geschwindigkeit trennt die Maschine das Korn von dem Stroh.“ Eine Einzugschnecke bewirkt allerdings, dass dem Zuschauer Einiges vorenthalten wird. Denn sehen kann man nur, wie das riesige Objekt den Weizen rasend schnell verschluckt. Nach dem Schnitt hat die Ernte noch einen langen Weg über die Dreschtrommel, den Hordenschüttler und den Strohhäcksler vor sich. Wenn das Getreide zu feucht ist, würden zu viele Körner am Stroh kleben bleiben, erklärt Krüger. Das passiert jetzt nicht. Zügig wird der Korntank im Anhänger entleert. Am Feldrand stehen Väter mit ihren Söhnen und schauen zu. „Das ist eines der schönsten Seiten an diesem Job. Die Leute kommen aus ihren Häusern heraus, solange sie nicht vom Staub eingehüllt werden.“

Ernte in Leeste

Für Kai Krüger hat die Erntezeit grundsätzlich ihren Reiz. Seit Kindertagen kennt er den Hof Michalowski und nennt ihn liebevoll „sein zweites Zuhause“. Ob er in zehn Jahren auch noch in einem Mähdrescher-Cockpit Platz nimmt? „Ja, klar. Es macht einfach Spaß“, sagt der 23-Jährige.

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