Landesbeauftragte übergibt Verwaltung Zuwendungsbescheid für Leeste

Jede Menge „Zaster“ – auch ohne Geldkoffer

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Bürgermeister Andreas Bovenschulte (l.) und Baudirektor Steffen Nadrowski stellen der Landesbeauftragten Karin Beckmann die Pläne für Leeste vor.

Weyhe - Von Philipp Köster. Ohne Sonnenbrillen, ohne Koffer, ohne Scheine – etwas schmucklos ist gestern im Rathaus die Übergabe von richtig viel „Zaster“ für die Gemeinde über die Bühne gegangen. Aber zugegeben: Die „Spenderin“, Landesbeauftragte Karin Beckmann, hatte auch gar kein Geld dabei. Dafür aber den offiziellen Bescheid aus Hannover, dass Weyhe ins Förderprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ aufgenommen worden ist.

Die Kunde hatte das Rathaus schon länger, und wir haben schon einige Male darüber berichtet. Aber nun ist es in Stein gemeißelt, dass die Kommune für die Entwicklung Leestes in den kommenden Jahren 5,5 Millionen Euro ausgeben kann, davon 3,4 Millionen von Bund und Land. Den Rest trägt die Gemeinde.

Die Verwaltung kann also an die Planung der Umgestaltung des Zentrums gehen. „Operationalisieren“ nennt das Bürgermeister Andreas Bovenschulte.

„Das Thema ,Flüchtlinge‘ ist sehr wichtig, aber die anderen Aufgaben und Projekte werden nicht vernachlässigt“, betonte die Landesbeauftragte, die den Bereich Leine-Weser (ehemals Regierungsbezirk Hannover) unter ihren Fittichen hat.

Die Planung geht mit den formellen Rahmenbedingungen einher: Ratsbeschlüsse sind einzuholen, vor allem die Bürger sind zu beteiligen. „Wir machen nichts am grünen Tisch im dunklen Kämmerlein“, verspricht Baudirektor Steffen Nadrowski. Ist das formale Prozedere eingetütet, können die Bagger rollen. Voraussichtlich Ende kommenden Jahres könnte es schon an den Abriss des alten Rathauses am Henry-Wetjen-Platz gehen, haben Nadrowski und Bovenschulte ins Auge gefasst. Voraussetzung dafür: der Umzug der Rettungswache und des ärztlichen Notdienstes in den Neubau an der Angelser Straße in rund einem Jahr.

„Gelacht und auf

Hann.Münden geschaut“

Über mehrere Jahre fließen die Fördermittel, und sie sind in die Folgejahre übertragbar, müssen also nicht jährlich abgeschöpft werden. Mit der Zusage der Gelder hat sich eine gewisse Zähigkeit der Verwaltung im wahrsten Sinne bezahlt gemacht. Bei der ersten Antragstellung 2010 „war uns klar, dass es nicht sofort klappen kann“, gibt Bovenschulte zu. Die Gemeindevertreter hätten die Probleme Leestes geschildert, Leerstände durch Strukturwandel und Fortzüge von Ankerunternehmen des Einzelhandels. „Dann haben wir alle herzhaft miteinander gelacht und auf Hann.Münden geschaut“, bringt der Verwaltungschef die noch größeren Probleme in Südniedersachsen auf den Punkt, wo der demografische Wandel anders als im Bremer Speckgürtel deutliche Spuren hinterlässt.

Doch die Weyher blieben am Ball. Zu den unbestrittenen und verfestigten Leester Sorgen kam laut Nadrowski in den vergangenen Jahren die Entstehung von Industriebrachen im Ortskern, die nach städtebaulicher Veränderung und Entwicklung rufen.

Nach und nach, aber auch parallel nimmt sich die Gemeinde nun also der drei zu entwickelnden neuralgischen Punkte an. Nach dem Henry-Wetjen-Platz, der laut Nadrowski bislang ein bloßer „Henry-Wetjen-Parkplatz“ ist, geht es an den Leister Platz und das Bahnhofsareal.

Drei Punkte oder Plätze sind es, weil es damit so etwas wie Haltepunkte im schlauchigen Ortskern geben soll. Es gibt keine Möglichkeit, ein Zentrum wie in Kirchweyhe zu gestalten. Bei unterschiedlicher Zuweisung von Funktionen soll es immer um mehr Aufenthaltsqualität gehen. Beim Leister Platz befindet sich die Gemeinde Bovenschulte zufolge in Gesprächen mit den Eigentümern. Gemeint ist das Areal an der Freiherr-vom-Stein-Straße bei der ehemaligen Gaststätte Amelung und nicht die „ungemähte Fläche“ hinter der Sparkasse. Von den früheren Planungen, dort so etwas wie einen Marktplatz zu schaffen, hat sich die Verwaltung verabschiedet. „Der passt nicht in ein Wohngebiet, sondern muss dahin, wo der Einzelhandel ist“, sagt Nadrowski.

Welche Züge das Gesicht des Zentrums auch immer tragen wird, für Bürgermeister Bovenschulte ist klar, dass Leeste jetzt „zukunftssicher“ gemacht wird.

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