Der Lahauser Cevin Hentschel ist einer von 20 Schülerstipendiaten im Land

Individuelle Förderung – von der Grundschule bis zum Abi

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Cevin Hentschel kommt als einer von 20 niedersächsischen Kindern in den Genuss eines Schülerstipendiums.

Lahausen - Von Philipp Köster. Cevin mag gern Mathematik. Multiplizieren, dividieren – egal, Hauptsache Zahlen. Aber auch Deutsch und Sachunterricht haben es dem Achtjährigen angetan. Er freut sich, dass er heute wieder zur Lahauser Grundschule gehen kann, um seinen großen Wissensdurst zu stillen.

Cevin ist sehr talentiert. So sehr, dass er als einer von 20 Kindern und Jugendlichen in Niedersachsen in den Genuss eines Schülerstipendiums kommt. Die Stiftung des Unternehmensberaters Roland Berger unterstützt bundesweit begabte Schüler. Erstmals auch in Niedersachsen. Von einer Hochbegabtenförderung möchte Katrin Härtel, Projektleiterin von der Roland Berger Stiftung, nicht sprechen. Begabt, talentiert: ja. Aber es geht nicht um Hochbegabung. Vielmehr ist der soziale Hintergrund entscheidend. Die Stipendiaten zwischen 8 und 16 Jahren stammen aus 12 verschiedenen Nationen, viele Eltern sprechen nur schlecht Deutsch. Manche haben einen Schicksalsschlag zu verarbeiten.

Und Cevin stammt aus einer Großfamilie. Der Lahauser hat fünf Brüder und eine Schwester. Neben der finanziellen Belastung mangelt es vor allem an Zeit. Es sei nicht immer leicht, jedem Kind gerecht zu werden und es zu unterstützen, zum Beispiel bei den Hausaufgaben, sagt Cevins Mutter Nadine Hentschel.

An das Stipendiat ist der Junge durch seine Schule herangekommen. Das Kultusministerium hatte sich an die Bildungseinrichtungen im Land gewandt. Die Schulleitung schlug Cevin vor. Ohne genau zu wissen, was ihn erwartet, bewarb er sich. Im Herbst überstand der Achtjährige das Auswahlverfahren unter 40 Konkurrenten, im November ging es mit 24 anderen Kandidaten nach Hannover vor eine Jury, ohne dass Mama oder Papa mit im Raum saßen. Pünktlich zum Weihnachtsfest kam die Zusage.

„Es gibt nicht etwa eine monatliche finanzielle Zuwendung“, betont Projektleiterin Katrin Härtel. Vielmehr ist Geld für eine individuelle Förderung da. So sucht sie aktuell einen Klavierlehrer, der zu Cevin nach Hause kommt, um den auch in der Musik Begabten zu unterrichten. Ebenso übernimmt die Stiftung die Mitgliedschaft im Sportverein. Auch ein Mentor oder eine Mentorin muss noch her. Geeignet ist jemand, der sich mit der akademischen Laufbahn auskennt. Denn auch wenn das Stipendium „nur“ bis zum Abitur dauert, ein universitärer Bildungsweg der bislang 700 geförderten Schüler in Deutschland ist oftmals vorgezeichnet. Außerdem sollte der ehrenamtliche Mentor Zeit für wenigstens ein monatliches Treffen mit Cevin haben. Dann geht es ins Museum, zum Fußballspiel oder in den Zoo.

Neben der Förderung und der Begleitung durch einen Mentor treffen sich die 20 niedersächsischen Stipendiaten – die anderen vorwiegend aus Hannover und der Region um die Landeshauptstadt – auf Seminaren regelmäßig zum Austausch und zum Erwerb von Qualifikationen wie Persönlichkeitsstärkung, kommunikative Kompetenz und Zeitmanagement. Nadine Hentschel hatte zunächst etwas Bammel, ob ihr Sohn den Seminaraufenthalt in einer Jugendherberge „verknusen“ würde. „Als dann abends tatsächlich das Telefon klingelte, habe ich gedacht, ich müsste ihn abholen. Doch am anderen Ende hieß es lediglich: ,Ich wollte dir nur gute Nacht sagen‘“, erinnert sich die Mutter.

Mittlerweile freut sich Cevin auf die Gemeinschaft in der Gruppe der Stipendiaten. „Die Großen passen auf die Kleinen auf“, sagt Katrin Härtel. Und auch auf den Unterricht heute freut sich der Achtjährige: „Wir haben Mathe, Deutsch und Sachunterricht.“

Hintergrund

Begabung, Leistungswille, Engagement – das sind die Voraussetzungen für die Aufnahme in das deutsche Schülerstipendium der Roland Berger Stiftung. „Leider bekommt nicht jedes Kind die Chance, seine Talente frei zu entfalten, weil immer noch viel zu oft die soziale Herkunft im Weg steht“, sagt der Unternehmensberater. Die niedersächsischen Stipendiaten werden außer durch die Stiftung durch die Continental AG unterstützt. Wer als Mentor Cevin ehrenamtlich unterstützen möchte, kann sich bei Katrin Härtel unter der Telefonnummer 0441/20059650 oder per E-Mail an katrin.haertel@rolandbergerstiftung.de melden.

www.schuelerstipendium.de

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