Vertrag zwischen Bremen und Niedersachsen

Gastschulvereinbarung in der KGS Kirchweyhe unterzeichnet

+
Die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt und die Bremer Senatorin Claudia Bogedan unterzeichnen des Gastschulvertrags in der KGS Kirchweyhe.

Weyhe - Von Julia Kreykenbohm. Da staunen die Schüler der 6E der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Kirchweyhe nicht schlecht, als die Tür zum Klassenzimmer aufschwingt und Kultusministerin Frauke Heiligenstadt, Senatorin Claudia Bogedan, Schulleiter Dr. Martin Baschta, Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte und ein Tross aus Pressevertretern mit Fernsehkameras, Mikrofonen und Schreibblöcken hereingeströmt kommen.

Die Inklusionsklasse liegt auf dem kleinen Rundgang, den Baschta mit seinen Gästen macht. Doch die sind eigentlich nicht gekommen, um sich die KGS anzuschauen, sondern um die Gastschulvereinbarung zwischen Niedersachsen und Bremen zu unterschreiben. Die Gemeinde Weyhe, im Speckgürtel von Bremen, scheint dafür der passende Ort.

Während die Lehrerin die Gäste begrüßt, haben die Kleinen sichtlich Spaß an dem ungewöhnlichen Besuch und winken fröhlich in die Fernsehkameras. Sollte einer von ihnen später eine weiterführende Schule in Bremen besuchen wollen, wird das ab dem 1. August 2018 dank der Vereinbarung kein Problem mehr darstellen, denn diese garantiert, dass niedersächsische und bremische Schüler grundsätzlich an den öffentlichen Schulen des jeweils anderen Bundeslandes aufgenommen werden.

Heiligenstadt: Ein „faires Ergebnis“

Solch eine Regelung ist notwendig, weil viele Schüler aus unterschiedlichsten Gründen in dem einen Land wohnen, aber in dem anderen zur Schule gehen. Und da mehr Niedersachsen eine Bildungsstätte in Bremen besuchen als umgekehrt, zahlt Niedersachsen einen Ausgleichsbetrag von 5,6 Millionen Euro an die Hansestadt. „Ein sehr gutes Ergebnis für Bremen“, wie Senatorin Claudia Bogedan schmunzelnd bemerkt. Aber ein faires, wie Frauke Heiligenstadt betont.

Solch einen Vertrag hat es schon zuvor gegeben, doch weil er nicht mehr zeitgemäß war, wurde er gekündigt, neu aufgesetzt und an die veränderten Umstände angepasst. Damals zahlte Niedersachsen 3,9 Millionen Euro an Bremen. Grund für die Änderung waren Zahlen aus 2015, die belegten, dass 2000 Niedersachsen in der Hansestadt zur Schule gehen, aber gerade mal 385 Bremer in Niedersachsen. In der neuen Summe wird den höheren Kosten für Personal Rechnung getragen. Eine Arbeitsgemeinschaft hat ein Jahr lang an der Vereinbarung gearbeitet. Darin ist auch die Klausel enthalten, dass, wenn sich Schülerzahlen und Kosten um mehr als zehn Prozent verändern, einer der Vertragspartner die Möglichkeit hat, neu darüber zu verhandeln.

„Moderne, gerechte Grundlagen“

„Wir wollen damit die gute Nachbarschaft vertiefen und etwas für die Familien und Schüler tun“, betont Heiligenstadt, und Bovenschulte bemerkt: „Leben vollzieht sich jenseits von und über Grenzen hinaus. Mit dem Vertrag schaffen wir moderne, gerecht Grundlagen, weg vom Kirchturmdenken und Kleinstaaterei.“

Beim anschließenden Rundgang zeigt Baschta die Mensa, stellt die Sozialpädagoginnen, die Verwaltung und die Inklusionsklasse vor, bei deren Besuch er auch gleich einen Wunsch loswird: „Wir möchten gern, dass die Förderschulkräfte an die Allgemeinbildenden Schulen versetzt werden. Das wäre Gold wert.“ Im Moment müssen diese noch abgeordnet werden, was einen großen bürokratischen Aufwand darstellt. „An dieser Änderung arbeiten wir gerade“, verspricht Heiligenstadt und wendet sich an die Kinder: „Und ihr lernt gerade Englisch?“ „Ja, leider“, kommt es gequält von einem Jungen. Fremdsprachen sind nicht seine Welt.

Ein paar Räume weiter ist das Erlernen einer anderen Sprache kein Unterrichtsfach, das man hinter sich bringen muss, sondern Voraussetzung, um sich eine Existenz aufzubauen. Fünf Schüler bilden die Sprachförderklasse und beeindrucken die Gäste mit ihren bereits erworbenen Deutschkenntnissen. Nach einem kurzen Besuch auf dem Schulhof geht die Gruppe auseinander – gerade noch rechtzeitig vor dem Klingeln zur Pause.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Intensives Training am Donnerstag

Intensives Training am Donnerstag

„Tag der Menschen mit Behinderungen“ auf dem Freimarkt

„Tag der Menschen mit Behinderungen“ auf dem Freimarkt

Nachgefragt: Das sind die beliebtesten Gewinne auf dem Freimarkt 

Nachgefragt: Das sind die beliebtesten Gewinne auf dem Freimarkt 

Diese Gewinne liegen beim Freimarkt voll im Trend

Diese Gewinne liegen beim Freimarkt voll im Trend

Meistgelesene Artikel

Intercity beschossen? Zug stoppt im Bahnhof Diepholz

Intercity beschossen? Zug stoppt im Bahnhof Diepholz

Ersatzhaltestelle wird aufgehoben

Ersatzhaltestelle wird aufgehoben

Wenn das Leben zum quälenden Rätsel wird

Wenn das Leben zum quälenden Rätsel wird

Konzert mit Fritz Baltruweit und Ensemble in Twistringen

Konzert mit Fritz Baltruweit und Ensemble in Twistringen

Kommentare