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Ortskernsanierung Leeste: Treffpunkt Kulturscheune nimmt Formen an

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Von: Dierck Wittenberg

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Ein Lkw vor dem Kulturscheunen-Neubau. Noch rollen dort schwere Fahrzeuge an. Wenn das nicht mehr der Fall ist, kann die Sanierung des Henry-Wetjen-Platzes weitergehen.
Noch rollen schwere Fahrzeuge an. Wenn das nicht mehr der Fall ist, kann die Sanierung des Henry-Wetjen-Platzes weitergehen. © Wittenberg

Besuch auf der Baustelle „Kulturscheune“: Das VHS- und Bibliotheksgebäude am Henry-Wetjen-Platz soll ein soziales Zentrum im sanierten Ortskern von Weyhe-Leeste werden.

Leeste – Der Boden ist mit Malervlies bedeckt, die Fenster sind mit Folie beklebt und die Kabel ragen noch aus den Wänden. Trotzdem lässt sich bereits erahnen, dass die Gemeinde-Bibliothek und die Volkshochschule bald in die Kulturscheune einziehen können. Der Bau am Henry-Wetjen-Platz in Leeste befindet sich „im Endspurt“, so Christian Silberhorn. Im Herbst soll es so weit sein.

„Das wird ein sehr lebendiger Ort werden, da freue ich mich drauf“, sagt Silberhorn. Der Gemeinde-Projektmanager steht im Eingangsbereich des Neubaus und erklärt: „Hier fängt die Bibliothek an. Die wird sich in diesem Bereich wie ein Café präsentieren.“ Mit ausgebreiteten Armen zeigt Silberhorn, wo künftig eine Theke verlaufen wird: auf der, vom Eingang aus gesehen, linken Seite, mit einer Kaffee-Bar im vorderen Bereich und Platz für das Bibliothekspersonal weiter hinten.

Rathausmitarbeiter Christian Silberhorn vor der Baustelle.
Rathausmitarbeiter Christian Silberhorn vor der Baustelle. © Wittenberg

Nach Plänen des niederländischen Bibliotheksdesigners Aat Vos soll die Kulturscheune ein sogenannter dritter Ort werden. So nennen Soziologen gemeinschaftliche Treffpunkte jenseits vom Zuhause und vom Arbeitsplatz. Der Erfolg von Starbucks beruhe darauf, dass die Cafés solche dritten Orte seien, ergänzt Silberhorn. Aber in Leeste werde es keine Verzehrpflicht geben, der Kaffee weniger kosten.

„Es wird eine offene Bibliothek“, sagt Silberhorn: offen für Besucher ohne Bibliotheksausweis. Bis zu den Schranken am Ausgang sollen Bücher im Gebäude frei bewegt werden können. Der Raum unter dem Giebel, der zum Platz weist, ist für Veranstaltungen wie Lesungen ausgelegt.

Drinnen gehen die Malerarbeiten voran: Ein Maler auf einem Gerüst streicht den Giebel im Dachgeschoss.
Drinnen gehen die Malerarbeiten voran. © Wittenberg

Die Offenheit spiegelt sich auch in der Architektur wider, mit Fenstern, die zur Kirche ausgerichtet sind oder als „Schaufenster“ auf den Platz weisen. „Das ganze Gebäude ist so ausgelegt, dass es natürlich belüftet wird“, so Silberhorn. Den gemeinsamen Computerraum von Bibliothek und VHS nennt er das Verbindungsgelenk.

Förderzusage für Kulturscheune hat mit Sanierungsplänen für Henry-Wetjen-Platz kollidiert

Gut fünf Millionen Euro Fördergeld in inzwischen drei Bescheiden hat Weyhe für das „Kultur- und Bildungszentrum Leeste“ (so der Arbeitstitel) bekommen. Vom Glück der Tüchtigen spricht Silberhorn rückblickend. Dank eines Vorentwurfs in der Schublade habe man seinerzeit die Frist einhalten können.

Zugleich hat die Förderzusage für Kopfzerbrechen im Rathaus gesorgt. Denn eigentlich sollte zuerst der Henry-Wetjen-Platz fertig sein – um dann als Baustellenzufahrt zu dienen. „Wenn wir uns mit Baustellenfahrzeugen den frisch sanierten Platz kaputt gefahren hätten, wären wir damit bei Ihnen in der Zeitung gelandet – und bei Extra 3“, meint Silberhorn. Also hat der Platz fürs Erste warten müssen.

Baustelle „Kulturscheune“ im Endspurt: Bodenbeläge, Möbel und Außenanlage fehlen noch

In der Kulturscheune müssen nun unter anderem noch die Bodenbeläge (Linoleum und Parkett) verlegt werden, dann die Möbelbauer kommen. Draußen soll es in dieser Woche mit der Außenanlage, der Entwässerung und dem Pflaster, losgehen.

Nachdem zwischenzeitlich der Spätsommer als Fertigstellungstermin gefallen war, bezeichnet Silberhorn inzwischen den Herbst als realistisch. Grund sind die Entwicklungen im Baugewerbe seit Corona. Wenn die Baustelle Kulturscheune abgeschlossen ist, werde „zeitnah“ mit dem Henry-Wetjen-Platz weitergemacht.

Ein soziales Zentrum für den sanierten Ortskern von Leeste

„Das ist etwas Besonderes, was hier entsteht“, betont Silberhorn: Ein Bibliotheksneubau, wie er sonst nur in einer Großstadt zu finden wäre. Er ist sich sicher, dass Bibliothek, Volkshochschule, aber auch Kirche und Vereine (in der Alten Wache) voneinander profitieren werden. Den Henry-Wetjen-Platz nennt er das soziale Zentrum Leestes. Ein paar Schritte weiter, beim ehemaligen Gasthaus Amelung, soll aus dem Leisterplatz ein Marktplatz entstehen.

Beide Plätze sind Punkte im Sanierungsgebiet Ortskern Leeste, das vom Lerchenhof bis zum ehemaligen GS-Agri-Gelände reicht. Damit wurde Leeste in ein Programm zur Städtebauförderung aufgenommen. Das bietet der Gemeinde Weyhe finanzielle, aber auch gestalterische Möglichkeiten.

Sanierung soll in Leestes Ortskern private Investitionen in Millionenhöhe anstoßen

„Die planerische Idee ist, den öffentlichen Raum aufzuwerten“, erläutert Silberhorn. Dazu gehöre, den Raum nicht mehr nur an den (Auto-)Verkehrswegen auszurichten. Es sollen aber auch Investitionen angestoßen werden. Der Stadtplaner betont, dass es Städtebauförderung seit mehr als 50 Jahren gibt. Die Erfahrung lehre, dass jeder Euro öffentlicher Investition sieben Euro private Investition auslöse. Auch wenn die genauen Zahlen nicht feststehen: Im Leester Ortskern laufe diese Rechnung auf zweistellige Millionenbeträge hinaus.

Die Eröffnung der Kulturscheune rückt näher, ein Schritt auf dem Weg zur Ortskernsanierung. Bei dieser Aufgabe ist laut Silberhorn gerade ungefähr Halbzeit.

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