Küster Neumann oder die heilige Hildegard?

Politik muss Wege durch das neue Areal „Südlich Henry-Wetjen-Platz“ benennen

Rege Bautätigkeit herrscht auf dem Areal zwischen der Kirchstraße und der Leester Straße.  
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Rege Bautätigkeit herrscht auf dem Areal zwischen der Kirchstraße und der Leester Straße.
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Weyhe – Wo vor einigen Monaten noch ein Acker war, entstehen an der Kirchstraße zwischen der Augenklinik Klatt und dem Lerchenhof bereits die ersten Gebäude. Alle Bautätigkeiten befinden sich in dem Gebiet, für das jetzt der Bebauungsplan „Südlich Henry-Wetjen-Platz“ gilt. Bagger haben bereits die Flächen freigeräumt, die für die Zuwegung der Gebäude und des geplanten Parkplatzes bestimmt sind. Das Straßennetz der Wesergemeinde wird erweitert. Die Politik muss nun darüber befinden, welchen Namen sie für die Wege wählt. Steht ein ehemaliger Küster oder eine Heilige Pate? Die Fraktionen haben es in der Hand, ob sie nur einen einzigen Namen vergeben, oder jede der beiden Planstraßen unterschiedlich benennen.

Planstraße A, die vorerst eine Baustraße bleiben soll, erstreckt sich, von der Leester Straße bis zur Kirchstraße. Planstraße B, sie soll bis Oktober in Pflasterbauweise hergestellt werden, geht in nördlicher Richtung davon ab und führt zur Parkplatzanlage, so Pressesprecher Sebastian Kelm auf Anfrage. „Beide Straßen sollen später zusammen eine Straße bilden, für die der Name Hildegard-von-Bingen-Straße vorgeschlagen wird. Alternativ: Georg-Wilhelm-Neumann-Straße.“

Für die Namensgebung ist der Fachbereich Bau und Liegenschaften verantwortlich. Bei den historischen Hintergründen hat sich dieser laut Kelm von Gemeindearchivar Hermann Greve unterstützen lassen. Eine weitere Abstimmung erfolgte mit dem für Leeste zuständigen Stadtplaner Christian Silberhorn vom Fachbereich Gemeindeentwicklung und Umwelt.

Mit dem Vorschlag Georg-Wilhelm-Neumann-Straße nimmt eine Alternative Bezug zur Umgebung. Georg Wilhelm Neumann lebte von 1740 bis 1819 und arbeitete als Lehrer. Er fungierte in Leeste auch als Bürgermeister, schreibt die Gemeinde in ihrer Vorlage für den Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt. In den Jahren 1770 bis 1819 war er neben seiner Tätigkeit als Schullehrer in Leeste auch Küster der Mariengemeinde. Die Schule befand sich nach Recherchen der Gemeinde am Rand des heutigen Henry-Wetjen-Platzes. Neben seinen hauptberuflichen Tätigkeiten wandte er sich laut Vorlage „drängenden wirtschaftlichen und sozialen Problemen im Kirchspiel Leeste zu.“

Während der kurzen Phase, in der Leeste zunächst (1810) dem von Napoleon geschaffenen Königreich Westfalen, dann von 1811 bis 1813 dem französischen Kaiserreich eingegliedert war, wurde Georg Wilhelm Neumann zum Maire, zum Bürgermeister, ernannt. Aus der Vorlage geht weiterhin hervor, dass die Örtlichkeit aufgrund der Tätigkeiten Neumanns „eine passende Möglichkeit“ bietet, an Georg Wilhelm Neumann zu erinnern.

Als weiteren Vorschlag bringt die Gemeinde den Namen Hildegard-von-Bingen-Straße ein. Hildegard von Bingen wurde 1098 in Alzey geboren und wird als Universalgelehrte angesehen, die den Weg zu einer ganzheitlichen Medizin ebnete. Ihre Gedanken zu Ganzheit und Einheit spielten sowohl in ihren religiösen als auch medizinischen Schriften eine große Rolle.

Die Hildegard-Medizin basiert auf dem Wissen der heiligen Frau. Ihr Hauptverdienst, so steht es in der Sitzungsvorlage, habe darin gelegen, dass sie sich das gültige griechisch-lateinische Wissen über Krankheiten und Heilkräften mit der Volksmedizin zusammenbrachte und dabei gebräuchliche deutsche Namen verwendete, so dass das Volk dieses Wissen besser nutzen konnte.

Weiterhin heißt es in der Vorlage: Da in den Planstraßen Mediziner ansässig werden sollen, stelle auch diese Variante einen passenden Bezug her.

Welchen Weg schlägt die Gemeinde grundsätzlich für die Namensgebung ein? Die Namensgebung in der Gemeinde Weyhe kann sich an alten Flurbezeichnungen orientieren, die so für die Nachwelt erhalten werden, so Kelm. Oder sie können alte Hofnamen aufgreifen, die sonst verloren gehen würden, Personen gedenken, die sich in früheren Zeiten im Dorf und für das Dorf verdient gemacht haben oder im positiven Sinne ortsbekannt waren. Sie können auch die in dem neuen Baugebiet geplanten Nutzungen aufgreifen. Mögliche Beispiele wären Schule oder Gewerbe. Denkbar ist zudem, dass die Namen ein in der Umgebung vorherrschendes Namensmuster aufgreifen oder verdiente Persönlichkeiten ehren, insbesondere Frauen, die in den Geschichtsbüchern oft zu kurz kommen. Der von der Verwaltung favorisierte Name „Hildegard-von-Bingen-Straße“ wäre genau so ein Fall.

Von Sigi Schritt

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