Bildhauersymposium Wassermühle: Werke werden in einem Jahr in einer Ausstellung gezeigt

Künstlern bei der Arbeit zuschauen

Ursula Wunsch-Bertram schleift ihr Werk. Fotos: Jantje Ehlers

Sudweyhe - Von Angelika Kratz. Mit aufkommendem Nebel und entsprechend eingeschränkter Sicht musste an der Sudweyher Wassermühle gerechnet werden. Auslöser der sommerlichen Wetterkapriole war kein Tief, sondern ein künstlerisches Hoch mit dem Namen „Bildhauersymposium“. Das hat zum 16. Mal Künstler wie Zuschauer zur malerischen Wassermühle mit ihrem wunderschönen Ambiente gelockt. Und der Nebel kam vom Steinabrieb.

Unter dem Grün der vielen stattlichen Bäume standen die Pavillons der teilweise mit schwerem Werkzeug arbeitenden Künstlerinnen und Künstler. Angekommen in der heutigen Zeit darf ein Bildhauer durchaus die Technik nutzen, auch wenn dies schon mal in einer anderen Ecke ein leichtes Stirnrunzeln verursachte.

Die anfängliche Maschinenkraft unterstützte die sich anschließende kraftaufwendige Arbeit der Hände. Wenn sich Uwe Hansmann auf sein T-Shirt klopfte, konnte sich sein Gesprächspartner die Brille vom Staub befreien. Faltungen entstehen bei ihm aus Alabaster, während die fertige Figur „Drachenauge“ aus Zirbelkiefer einen entsprechenden wachsamen Blick auf das kommende Werk hielt.

Neben weiteren Skulpturen hatte Barbara Bartel eine sehr ästhetische Turmspringerin aus Bronze mitgebracht. Wer das Werk sah, konnte erahnen, welches Können sie an den Tag legt, um Speckstein zu bearbeiten. Das beabsichtigte Motiv: ein Paar in inniger Umarmung. Und genau dazu passend fuhr ein laut hupender Konvoi eines Brautpaares an der Wassermühle vorbei.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Ingrid Söfty schwärmte in ihren Begrüßungsworten „vom Sommergarten der Gemeinde Weyhe“, dem sich Brunhild Buhre, Vorsitzende des Vereins Kunst in der Provinz, nur anschließen konnte. Am Sonntagabend ging nun die zweitägige Begegnung zu Ende, zu der sich Künstlerinnen und Künstler aus dem Landkreis Diepholz zum freundschaftlichen und fröhlichen Austausch trafen und einen öffentlichen Einblick in ihre Arbeitsweise gewährten.

Wie interessant und überaus mühsam, mit vielen Arbeitsschritten bestückt, bis hin zum oft überraschenden Endprodukt dies sein kann, zeigte zum Beispiel Carola Goetz. Die Glaskünstlerin nimmt kleine Kuhhörner in den Fokus. Auf dem Syker Markt hatte sie sieben „echte“ kleine Kuhhörner erstanden. Die werden jungen Kälbern abgesägt, und nur auf wenigen Demeter-Höfen dürften die Kälber damit groß werden. Carola Goetz setzt in vielen Arbeitsschritten der Kreatur ein gläsernes Denkmal.

„Unsere Vögel sind gerade eingepackt worden, sonst trocknen sie aus“, entschuldigte sich Agnes Gerken-Lüllmann, die ihre Atelierfreundin Renate Kablitz erstmalig zum Sudweyher Symposium überzeugen konnte. „Wir denken gerade über Schnabeltassen nach“, kündigten die Künstlerfreundinnen ihren weiteren Pläne an.

Stefan Vogt arbeitete indes intensiv an einer ehemaligen Grabumrandung aus dem 19. Jahrhundert. „So etwas wird ansonsten entsorgt“, aber bei Vogts wird dies als Stele irgendwann mit vielen Eidechsen im Garten stehen. Grob angesägt hatte Reiner Madena seine liegende Figur aus einem Holzstamm, und im Hintergrund wartete bereits ein weiterer dicker Stamm für die ersten Schnitte mit der Kettensäge.

Musikalisch umrahmt wurde der sonnige Sonntag von „Olja‘s Nordic Crossing“, und die gute Musik passte genau zum lockeren Symposium. Viele der Gäste fanden den Weg hoch in die ehemalige Wassermühle, denn dort wartete die Ausstellung „Skulptura“ mit ihren Ergebnissen zum Thema „Kunst und Rad“ des Vorjahres.

Zurück zu den Bildhauern, deren Werke im kommenden Jahr zu sehen sein werden. In diesem Jahr gibt es keinen Arbeitstitel. „Entsprechend freien Lauf kann sich die Fantasie nehmen und sicherlich wird daraus eine interessante Sache“, gab Brunhild Buhre den Hinweis sich im nächsten Jahr die Ergebnisse unbedingt anschauen zu müssen. Das wird die Vorsitzende dann aber ganz privat tun, denn das 16. Bildhauersymposiums wird ihr letztes Mal sein. „Ich danke der Gemeinde Weyhe für eine wunderbare Betreuung und der damit verbundenen Künstlerförderung“, gab es von Brunhild Buhre einen fast schon sichtbaren Orden hinsichtlich der jahrelangen Kooperation. Zu sehen ist die Ausstellung in der Wassermühle bis zum 28. Juli.

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