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Persönliche Momente in Glas gefasst

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Von: Sigi Schritt

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Sieht aus, als ob die Künstlerin Carola Goetz Frauen in Ballkleidern aus einem Eisblock geschnitten hat. Die Werke sind aber nicht wärmeempfindlich, denn sie bestehen aus Glas.
Sieht aus, als ob die Künstlerin Carola Goetz Frauen in Ballkleidern aus einem Eisblock geschnitten hat. Die Werke sind aber nicht wärmeempfindlich, denn sie bestehen aus Glas. © Sigi Schritt

Weyhe – Was macht eine Glaskünstlerin, die viele Liebesbriefe ihres Vaters findet, diese aber nicht von ihrer Mutter stammen, sondern von vielen Frauen? Carola Goetz aus Kirchweyhe hat sie zu Kunst verarbeitet. Was daraus geworden ist und noch viele weitere Werke aus Glas und Porzellan zeigt die 71-Jährige von Sonntag, 2. April, bis zum Sonntag, 22. Mai, in der Wassermühle Sudweyhe.

Die Ausstellung trägt den Titel „in familia“. Die vielen Briefe und zudem Postkarten waren in einem Ordner, den sie auf dem Dachboden bei der Haushaltsauflösung ihrer Eltern fand. Die vielen Schrifttypen habe sie gereizt, sagt sie: steil, geschwungen, zackig, schwer lesbar da in Sütterlin oder Korrent. Der Adressat: Carl, Karli, Kalli oder mein lieber Freund.“ Das erweckte die Neugier der Lehrerin. Sie sortierte die Briefe und begann sie zu entziffern. „Der erste Brief war von 1920“, sagt sie. Da sei ihr Vater gerade mal 16 gewesen. Der letzte sei aus dem Jahr 1939 gewesen. In den Briefen gehe es aber nicht nur um Liebe und Freundschaft, sondern auch um Arbeitslosigkeit, Arbeitssuche und andere Sorgen.

Sollte sie diese Sammlung einfach ins Altpapier werfen, zumal ihr Vater die Mutter der Künstlerin erst später kennenlernte? Zusammen mit Negativen hat Carola Goetz einen Teil der Briefe auf Glasplatten gebannt. In einem kleinen Raum der Wassermühle präsentiert die Künstlerin viele Fotos der Familie aus vergangenen Jahrzehnten und gibt einen Einblick in die Geschichte jener Zeit. Diese Abteilung der Ausstellung nennt sie „Papa“. Der kleine Raum davor heißt schlicht „Mama“. Dort sind zum Beispiel ein BH aus Porzellan zu sehen. Ebenso Schalen, die mit persönlichen Sprüchen ihrer Mutter verziert sind. Im großen Ausstellungsraum im Obergeschoss der Wassermühle befinden sich die Glasplastiken. Es sind rund 30 Objekte verschiedener Größen. Sie haben ebenfalls etwas mit persönlichen Momenten zu tun. In zahlreichen Werken spiegle sich Familiengeschichte wieder. Eine Büste ist zum Beispiel ihrem Ehemann gewidmet. Aber sie schaut auch genau hin, was um sie herum passiert. Die Szene eines kleinen Jungen, der vor ihren Augen pinkelte, inspirierte sie zu einer Plastik.

Sie erläutert, wie diese und andere Glaskunst, etwa Frauen in Ballkleidern entstehen. Zunächst modelliert sie eine Wachsfigur. Das sei die Vorlage, um eine hitzebeständige Abdruckform zu erstellen. Das Wachs wird herausgelöst und Glasstücke würden in die Form eingefüllt. Die Kunst sei es, die Temperaturen beim Schmelzen und beim Abkühlen innerhalb des Objektes gleich zu halten.

Details nennt sie gerne und beantwortet Fragen am Eröffnungstag um 17 Uhr.

Die ehemalige Kulturbeauftragte Angelika Wieduwilt führt in die Ausstellung ein. Die Vize-Bürgermeisterin Ingrid Söfty wird ein Grußwort halten. Musikalisch wird die Eröffnung von Pedro Vaz am Cello begleitet.

Der Eintritt ist frei.

Von Sigi Schritt

Das war mal ein Liebesbrief ihres Vaters. Die Künstlerin Carola Goetz hat ihn auf dem Dachboden mit vielen weiteren gefunden. Den Brief legte sie zwischen Glasscheiben, bevor diese Kombination in einem heißen Ofen zu diesem Exponat wurde.
Das war mal ein Liebesbrief ihres Vaters. Die Künstlerin Carola Goetz hat ihn auf dem Dachboden mit vielen weiteren gefunden. Den Brief legte sie zwischen Glasscheiben, bevor diese Kombination in einem heißen Ofen zu diesem Exponat wurde. © Sigi Schritt

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