Neue Kulturstätte

Buntes Fest im Sudweyher Bahnhof: Künstler begeistern Publikum

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Der Trägerverein kann Geld gebrauchen: Deshalb sind Spenden willkommen.

Weyhe - Von Angelika Kratz. In Sudweyhe gibt es einen kleinen Bahnhof, der gerade aus seinem Dornröschenschlaf geküsst wird. Noch nicht ganz fertig als neue Kulturstätte der Gemeinde, gaben die Veranstalter am Sonnabend schon mal einen Vorgeschmack, welche Feste künftig zu erwarten sind.

Besucher saßen auf Bierbänken und blickten auf eine improvisierte Bühne, auf den sich die Zollhausboys mit Pago Balke einfanden. Die Formation spielte sich in die Herzen der Gäste. Derweil standen die Mitglieder des Trägervereins im schicken Zwirn am Grill und reichten Würstchen.

Mittendrin strahlte Christine Burda, obwohl eine Anwohnerin beim allerersten Soundcheck schon ihre Bedenken anmeldete. „Ich glaube, wir fangen an“, ließ sich Burda nicht aus dem Konzept bringen. Auf dem Gleis nebenan parkte ein Güterzug ohne Lok und sorgte so für ein passendes Ambiente. Denn der Zug erinnerte an eine einst pulsierende Strecke. „Sagt es weiter, wir sind noch nicht fertig, dennoch starten wir“, galt der selbstbewusste Spruch, der Kunst und Kultur am Gleis eine Zukunft zu geben.

„Ich hab ein Bild von Bremen aus dem Jahr 1945 gesehen, und so sieht es heute in meiner Stadt aus“, begann der Abend mit politischen Liedern, Tanz und der Hoffnung auf ein anderes Leben in einem anderen Land.

Pago Balke ist vor Ort kein Unbekannter, er lebt in Riede und bindet seine Heimat stets mit in sein künstlerisches Konzept ein. Kennengelernt hatte er die vier Jungs Azad Kour, Ismael Foustok, Shwan Sheikho und Delgar Hamza im Hostel der Überseestadt vor über zwei Jahren. Die erste Begegnung fruchtete musikalisch, und als Aufarbeitung beider Seiten zwischen dem Ankommen und Begegnen mit den Zollhausboys mit einem Programm durch die Lande.

Die Zollhausboys und Pago Balke spielten sich in die Herzen des Publikums. - Foto: Husmann

„Wir sind nett und zahm und glauben trotzdem an den Islam“, schafften die syrischen Neubürger aus Bremen, mit Pago Balke und Gerhard Stengert eine hörbare, anrührende, selbstbewusste Mischung zwischen Hoffnung und Sehnsucht auf die Bühne zu bringen. „An jeder Ecke grillen sie, das ist Aleppo, da komm ich her.“ 

Fast sichtbar wurde die einstigen Lebenspunkte der Zollhausboys vor Augen geführt, denn anders als die Erinnerungen vom Zweiten Weltkrieg standen die vier Musiker mit ihren traumatischen Erlebnissen mitten in Sudweyhe. Da gab es dann einen Integrationsblues mit dem Geruch vom Heimatland, der trockenen Erde und dem Wasser, kostbar wie Silber. 

„Ich habe Glück, in Sicherheit zu leben, aber Millionen in meinem Land nicht“, wurde mit einem Ausdrucktanz vertieft. „We are one World“, ging es weiter zu tausend Fragen. Xylofon-Klänge unterstützten den Moment, um sich ganz eigene Gedanken zu machen. Balke verriet seinen Traum, Schweizer zu werden und auf einer hoffnungsvollen Trage des DRK aufgefangen zu werden.

Lieder über Kinder, die zu schnell erwachsen werden müssen

„Männer weinen nicht“ richtete sich der Blick weiter zum Vater in der verlassenen Heimat in Syrien. Alle selbst verfassten Lieder handelten von der Hoffnung und einem Wiedersehen mit der Familie und der großen Liebe. Zwischen leichter Satire, Traurigkeit, politischem Statement und Hoffnung lag das Programm der Zollhausboys mit Pago Balke.

Die Gäste erlebten so manche Unterrichtseinheit hinsichtlich Freundschaft und hörten von Kindern, die zu schnell durch den Krieg zu Erwachsenen werden. Die Jacketts zum Umziehen der Band hingen am Bauzaun, der Güterwagen mit seinen Graffiti war beste Schallzone, und die Gäste waren voller Begeisterung.

So könnte es weitergehen, wenn der Bahnhof sich mit seinem Kulturprogramm weiter öffnet.

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